Im Zeichen der Vergebung

Quelle: Zentrum

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70 Jahre Vertreibung aus dem Komitat Tolnau

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ heißt es in dem am weitesten verbreiteten Gebet des Christentums, im Vaterunser. Und vergeben ist oft sehr schwer. Das wissen wir aus eigener Erfahrung, hörten es aber auch am 11. Juni in der evangelischen Kirche von Bonnhard, wo in einem ökumenischen Gottesdienst des 70. Jahrestages der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn gedacht wurde. Den Gedenkgottesdienst hielten András Aradi und Zoltán Mészáros (evangelischer und reformierter Pfarrer), Tibor Fóris (Leiter der Baptistengemeinschaft), Daniel Krähling (ev. Pfarrer i.R.) sowie István Wigand (r. katholischer Pfarrer).

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Dem Gottesdienst wohnten Staatssekretär Árpád János Potápi (Parlamentsabgeordneter von Bonnhard); Emmerich Ritter, parlamentarischer Sprecher der Ungarndeutschen; Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen; LdU-Beirat Dr, Michael Józan-Jilling; Georg Féhr, Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung der Tolnau; Ibolya Filóné Ferencz, Bonnhards Bürgermeisterin sowie Vertreter von Kommunalverwaltungen und deutschen Selbstverwaltungen aus den Komitaten Tolnau und Branau, aber sogar aus weiteren Komitaten, wie z.B. aus dem Komitat Pest (Wetsches) und einige Gäste aus Deutschland.

Musikalischen Beitrag leistete der ev. Kirchenchor Charis und der Ungarndeutsche Vereinte Chor, der nachher beim Gedenkprogramm im Kulturhaus auch einige schöne ungarndeutsche Lieder sang.

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Das Gedenken ging am Bezirksamt, dem ehemaligen „Wareschhaus“ (Rathaus) weiter, wo es zu Festreden mit anschließender Enthüllung einer Gedenktafel kam. Als erster ergriff Árpád János Potápi das Wort. Als gebürtiger Bonnharder betonte er, dass auch seine Székler Großeltern das Haus einer vertriebenen deutschen Familie bekamen. Den Hintergrund hätte man damals nicht genau gekannt. Schließlich bat er die Ungarndeutschen um etwas, was sehr schwer ist, nämlich um Vergebung – im Namen der Generation seiner Großeltern, Eltern und im Namen der jüngeren Generation.

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Nach der Ansprache von Emmerich Ritter enthüllten Potápi und Ritter die Gedenktafel, die von den Leitern der vier Kirchengemeinden gesegnet wurde. Anschließend legten die Würdenträger ihre Kränze nieder, Vertreter der kommunalen und deutschen Selbstverwaltungen brachten je eine Blume des Gedenkens an die Opfer der Vertreibung mit. Den musikalischen Beitrag der Feierlichkeit leistete das Jugendblasorchester der Bartók Béla Musikschule unter der Leitung von István Gyurkó.

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Im Theatersaal des Vörösmary Kulturzentrums sprach der Historiker Dr. Gábor Gonda über die Vertreibung, mit besonderer Hinsicht auf die Ereignisse in der Tolnau bzw. Bonnhard. Das Duo Éva Herger und Márta Ferencz sowie der Ungarndeutsche Vereinte Chor Bonnhard, Kleindorog, Großmanok, Tewel sorgten mit ihren wunderschönen ungarndeutschen Volksliedern für den musikalischen Ausklang der Veranstaltung. Die Anwesenden hatten noch die Gelegenheit, sich vor den Bildern einer kleinen, jedoch informativen und lehrreichen Ausstellung, in einem etwas lockereren Rahmen auszutauschen.

Text und Fotos: lohn

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