Mit unbefangener Befangenheit über ’56


Quelle: Zentrum

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Der Abend mit einer Filmvorführung im Rahmen der Reihe Zentrum-Programme im HdU am 19. Oktober wurde dem Andenken eines ungarndeutschen Helden der Revolution von 1956 gewidmet.

Zentrum-Direktorin Monika Ambach erwähnte in ihrer Ansprache, dass bis die Geschichten der nach Deutschland vertriebenen Ungarndeutschen ziemlich genau dokumentiert und gemeinkundig seien, man viel weniger über die Leiden der nach der Vertreibung in Ungarn gebliebenen sprechen würde. Über die Anteilnahme von Ungarndeutschen in der Revolution von 1956 weiss man fast nichts. Dies motivierte auch den Regisseur, Gábor László, der auch deutsche Vorfahren hat, dieses Thema in einem Dokumentarfilm zu behandeln. Der bereits mit sieben Preisen ausgezeichnete Film Außenseiter der Nation (Nemzetidegenek) ist somit auch ein sehr wertvoller Beitrag zur Verarbeitung und Dokumentation der ‘56er Geschehnisse für die Nachwelt.

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Im Film geht es um György Herhoff, einen Märtyrer des Freiheitskampfes, dessen Geschichte von seiner Schwester, Maria Herhoff erzählt wird. Die 83 Jahre alte Frau erzählt aber nicht nur über das Erlebte um 1956, das Publikum erfährt auch vieles über die Geschichte der Familie bzw. über den Alltag in Krottendorf (Békásmegyer) nach der Vertreibung der Ungarndeutschen.

Die Vertreibung riss auch die Familie der Herhoffs auseinander, die Geschwister des Vaters, wie auch viele Bekannten wurden nach Deutschland ausgesiedelt. Obwohl Marias Mutter eine Ungarin war, wurde auch sie in der Aussiedlungsliste mit deutscher Muttersprache vermerkt. Letztlich wurden sie doch entlastet, weil sie beweisen konnten, dass die Familie im Jahre 1944 einer Jüdin geholfen hatte. Die vertriebenen Familienmitglieder hatten es Anfangs in Deutschland nicht leicht, aber ebenso kamen schlechte Zeiten auf die vierköpfige Familie zu. Die kleine Sodawasserfabrik wurde enteignet. Sie wurden mit „sonstiger Abstammung” betitelt, die Kinder durften nicht das lernen was sie wollten. 1951 wurde György zum Militär einberufen. Mit seinem Freundeskreis traf er sich regelmäßig in einem Haus, wo sie offen über die schlechten politischen Umstände diskutierten, was letztlich als Konspiration gegen die Regime galt. Schließlich wurde er verhaftet, zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde später auf Gefängnis gemildert. Wer ihn verraten hatte, weiss man bis heute nicht. Dank der Anordnungen von Imre Nagy wurde er als einer der Ersten im Juli 1956 entlassen. Er wurde zum Freiheitskämpfer und fiel in den Kämpfen am 4. November auf Vérmező. Heute trägt eine kleine Straße in Krottendorf seinen Namen.

In einem Gespräch erzählten der Regisseur Gábor László, Maria Herhoff und Márton Csapodi, der auch im Film der Dame bei den Recherchen half über die Entstehung des Filmes.

Frau Herhoff erhielt immer noch nicht die Antworten nach denen sie suchte, aber Márton Csapodi teilte mit, dass er ein Tag vor der Aufführung vom Archiv angerufen wurde und es noch 560 Seitenarchive über den Fall im Archiv vorzufinden seien. Die Forschung wird also eine Fortsetzung haben. Die Geschehnisse werden im Film mit Hilfe von 3D-Zeichnungen veranschaulicht. Diese und auch die Filmmusik tragen stark dazu bei, dass die Geschichte das Publikum noch stärker berührt.

Aus dem Publikum meldete sich Imre Téglásy, der Sohn des Kommandeurs der ’56er Nationalgarde aus Nagydorog zum Wort. Er würdigte die Tapferkeit von Maria Herhoff, wie sie ihre Geschichte erzählt und auch dafür, dass sie trotz all den erlebten Grausamkeiten mit „unbefangener Befangenheit”  und ohne Hass spreche. Er bat um Gottes Segen für György Herhoff und für die Helden des Freiheitskampfes.

Es war ein sehr bewegender Abend im Haus der Ungarndeutschen mit einer wahren Geschichte darüber wie das Leben des Menschen durch unvorhersehbare Begebenheiten sich einen anderen Lauf nehmen kann, wofür auch der gezeigte Film ein Beweis ist.

Nándor Frei

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