Zum 20. Todestag von Ladislav Kubeš

Quelle: Landesrat
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Auf einem großen Platz mitten in einer Stadt findet ein Fest statt. Aber dieses Jahr war es etwas anders. Wegen Renovierung des Hauptplatzes wurde das Fest kurzerhand ins Stadion verlegt. Eine riesige Menge Leute haben sich eingefunden. Im offenen Halbkreis wurden Stuhlreihen für sie aufgestellt, auch die Tribünensitze wurden genutzt, wo sie jetzt gespannt und offensichtlich hocherfreut zur gedeckten Bühne blicken. Die Atmosphäre erinnert an ein Volksfest. Doch einiges ist auch anders: immer wieder sieht man im Publikum junge und ältere Leute, die aktiv mitmachen. Sie widmen Takt und singen. Man merkt sofort, dass hier etwas abgeht, was mitten in ihr Herz trifft und die Menschen zum Strahlen bringt. Zwischen dem Publikum und der Bühne war einmal ein freier Platz. „War“ deshalb, weil er meistens von hunderten tanzenden Paaren ausgefüllt wird. Und auf der Bühne? Blasmusik!

Die Stadt befindet sich 350 Straßenkilometer östlich von München und 110 km südlich vom Prag heißt Soběslav. Wir befinden uns also in der Tschechischen Republik oder eben in Südböhmen. Hier findet jedes Jahr am dritten Wochenende im Juli das internationale Blasmusikfestival „Kubešova Soběslav“ statt. In diesem Jahr können die Organisatoren bereits auf 24 erfolgreiche Jahre zurückblicken Initiatoren waren Ladislav Kubeš und der Schweizer Hans-Peter von Siebenthal.

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Als fachlicher und geschichtlicher Hintergrund spielt die Musikdynastie Kubeš eine zentrale Rolle. Der Komponist und Musiker Ladislav Kubeš wurde 1924 geboren. Schon im Elternhaus hörte er oft Volkslieder und Blasmusik, denn sein Vater Marty Kubeš war Flügelhornist und Kapellmeister. Von ihm erlernte der junge Ladislav den Umgang mit dem Tenorhorn, der Posaune und der Tuba. Er bekam dann die Gelegenheit, im Theaterorchester von Budweis (wo es also nicht nur Bier gibt!) und im Kurorchester Marienbad mitzuspielen. Als junger Mann trat er folgerichtig in die Militärkapelle ein. In dieser Zeit entstanden seine ersten Kompositionen, darunter die mittlerweile weltbekannte „Südböhmische Polka“ oder „Jihočeská Polka“, wie sie dort heißt. Das war der Anfang einer beispielhaften Komponisten-Karriere. Er schrieb und bearbeitete doch in seinem leider nur 74 Jahren dauernden Leben mehr als 400 Kompositionen. Sie wurden und werden immer noch von bekannten Blaskapellen interpretiert und den Radiosendern auf der ganzen Welt gesendet. Ein wichtiger Träger seiner Musik ist die von seinem Sohn im Jahre 1981 gegründete Kapelle „Veselka“. Bereits 1991 gründete Ladislav Kubeš junior den Musikverlag Kubeš, der sich in erster Linie um die Veröffentlichung der für Veselka geschriebenen Kompositionen kümmert. Das Verlagsprogramm umfasst aber auch Werke aus der klassischen und der Popmusik. Als Spezialität dürfen die Videoproduktionen mit Blasmusik gelten, die der Verlag in Koproduktion mit dem tschechischen Fernsehen realisiert.

Vater Ladislav Kubeš organisierte während vieler Jahre Konzerte in Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus der Stadt Soběslav. Er spielte dort mit seiner Blaskapelle und lud dazu berühmte Musiker wie Jaromir Vejvoda (Rosamunde), Karel Vacek, Josef Poncar und viele andere ein. Die so aufgebaute Beziehung zur Stadt veranlasste die Initiatoren ihr Festival an diesem Ort durchzuführen.

„Ich erzähle Ihnen, warum ich die Blasmusik liebe und warum ich ihr mit aller Hingabe diene. Denn der Atem ist ihr Fundament. Ohne Atem gibt es kein Leben, der Atem ist eine schöpferische Kraft. Unsere Väter und Großväter wussten das, und wer es heute leugnen will, ist gegen sich selbst. Die tschechische Blasmusik wird nicht zu Grunde gehen, ihre lebendige Tradition wird es nicht erlauben.“ Diese weisen Worte von Ladislav Kubeš, die er in seinen letzten Jahren verfasste, sind von unzähligen Erfahrungen und Erfolgen wie auch von Niederlagen geprägt. Durch sein jahrelanges Schaffen und sein überaus großes Engagement im Dienste der Blasmusik erlangte der südböhmische Musiker allgemeine Bekanntheit.

Obwohl uns Ladislav Kubeš am 28. August 1998 für immer verlassen hat, sind seine Werke bis heute unvergessen.

Bilder und Text: Verlag Kubeš, Verlag Tuba, Blasmusikverein Brand N. Ö., LandesratForum
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