„Wozu die Welt neu entdecken, wenn schon so viel Fertiges vorliegt?“

Quelle: LdU

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Deutsch-polnische Pädagogen-Delegation
auf Studienreise bei den Ungarndeutschen

Deutschlehrer und Fachberater aus dem polnischen Oberschlesien gastierten vier Tage lang beim Valeria-Koch-Bildungszentrum, in der Fünfkirchner Bildungseinrichtung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, um sich Inspiration zur Entwicklung ihres eigenen deutschen Minderheitenbildungswesens zu holen. Die Initiative ergriff Pro Liberis Silesiae, ein Verein in Raschau, der bilinguale deutsch-polnische Kindergärten und Grundschulen trägt, und dessen Ziel ist, die Kinder zweisprachig, auf ihre Stärken und Schwächen eingehend zum selbständigen Denken und Handeln zu erziehen.

image-1

Hospitationen am Ungarndeutschen Bildungszentrum Baja und am Valeria-Koch-Bildungszentrum Fünfkirchen, Ausflüge in die Ortschaften Schomberg und Feked mit Besichtigung der ungarndeutschen Lehrpfade, aber auch ein kulinarischer Trip nach Gowisch passte in die knappe Zeit in Ungarn hinein. Diese habe man nämlich gut nutzen wollen, so Dr. Margarethe Wysdak, Vorsitzende des Vereins Pro Liberis Silesiae, um möglichst viele brauchbare Impulse mit nach Hause nehmen zu können: „Wir sind ein kleiner Verein mit begrenzten Möglichkeiten. Wir sind der Ansicht, die Welt nicht neu entdecken zu wollen, wenn schon fertige Themen, Lehrmaterialien und Programme vorliegen. Der Unterschied zwischen unseren beiden Bildungssystemen ist ja nicht groß, darum können wir von den Ungarndeutschen unheimlich viel schöpfen.“

Der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ähnlich – die unter anderem auch Trägerin des Valeria-Koch-Bildungszentrums ist – betreibt auch der Verein Pro Liberis Silesiae Grundschulen und Kindergärten – je drei an der Zahl, in denen der Fokus auf der Minderheitensprachförderung liegt, und wo die Kinder nach den Prinzipien der Montessoripädagogik unterrichtet und erzogen werden. „Wir wollen zeigen, dass Bildung anders aussehen kann. Einerseits wollen wir die Einzigartigkeit der Kinder aktiv fördern, ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl stärken, andererseits wollen wir der deutschen Minderheit in unserer Region die Möglichkeit geben, ihre Kinder vom Kindergarten bis zum Ende der Grundschule in zweisprachige Einrichtungen schicken zu können. Diese zwei Konzeptionen unterstützen sich gegenseitig. Wir beziehen sehr viele Materialien aus deutschsprachigen Ländern, mit denen die Kinder selbständig arbeiten können. Unser Problem ist aber, dass wir wenig Fachkräfte für den zweisprachigen Unterricht haben, und einsprachige Klassen – wie zum Beispiel bei den Ungarndeutschen – gibt es bei uns nicht. In Polen wurde das Minderheitengesetzt erst 2005 in Kraft gesetzt. Im Falle der deutschen Sprache müssen wir übrigens über eine Wiederbelebung sprechen, weil es zwei Generationen hindurch streng verboten war, deutsch zu sprechen. Die Tendenz ist momentan, dass zum Glück immer mehr Familien ihre Kinder zweisprachig erziehen, und darum gibt es auch einen Bedarf für deutsche Schulen. Diesem Bedarf müssen wir nachgehen.“

image

Die Delegation sei von den Sprachkenntnissen der Schülerinnen und Schüler an den ungarndeutschen Bildungseinrichtungen begeistert gewesen, so Vorsitzende Dr. Wysdak. Geplant sei nun, im Rahmen eines Germanistentreffens die in Ungarn gesammelten Ideen auszuwerten, diese an Lehrerfortbildungen zu multiplizieren, und demnächst eine Delegation des Valeria-Koch-Bildungszentrums und des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts zu einem Meinungsaustausch im Rahmen einer Konferenz nach Oberschlesien einzuladen. Es laufe auch ein internationales Demokratieprojekt an den deutsch-polnischen Vereinsschulen mit dem Motto „Kinder bauen ihre eigene Stadt“, an dem nach nächste Mal eventuell auch ungarndeutsche Schülerinnen und Schüler teilnehmen könnten. Was aber schon jetzt als Resultat der Ungarnreise feststehe, so Dr. Wysdak, sei, dass man an den genannten Schulen etwas Ähnliches, wie das Fach Volkskunde in kürzester Zeit einführen werde: sowas gebe es dort nämlich derzeit in dieser Form überhaupt nicht.

Die Reise wurde finanziell durch das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart unterstützt.

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2019 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo