Olivia Schubert: „In der sich rasant verändernden, polarisierenden Welt gibt uns der Zusammenhalt innerhalb unserer ungarndeutschen Gemeinschaft Zuversicht und Hoffnung”

Quelle: LdU

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23. Landesgala am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen

Eine beeindruckende, mit Preisverleihung verbundene Gala veranstaltete die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen am 12. Januar im Kongresszentrum Budapest. Niveauvolle Ensembles und preisgekrönte Kulturgruppen der Ungarndeutschen brachten das Galaprogramm auf die Bühne. Großen Applaus ernteten die zahlreichen, vor allem aus dem Volkslied-, Volksmusik- und Volkstanzgut der Ungarndeutschen schöpfenden Produktionen.

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Die Landesselbstverwaltung widmete die diesjährige Gala Otto Heinek. Der unlängst verstorbene LdU-Vorsitzende habe zwei Jahrzehnte hindurch, durch zahlreiche gravierende Initiativen dazu beigetragen, dass das Ungarndeutschtum zu neuem Selbstbewusstsein und einer stärkeren Gemeinschaft gefunden hat – betonte in ihrer Grußansprache Olivia Schubert. Die neue Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen stehe für Kontinuität und Fortsetzung dieser Arbeit: „Wenn wir nach der Zukunft der Ungarndeutschen fragen, so müssen wir uns mit der sich rasant entwickelnden, verändernden und oft polarisierenden Welt auseinandersetzen. Zuversicht und Hoffnung geben uns dabei der Zusammenhalt und die Kooperation der ungarndeutschen Nationalitätenselbstverwaltungen, der Vereine und der Institutionen.”

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Olivia Schubert blickte in ihrer Rede auf die vor 30 Jahren geschehenen Ereignisse, wie die politische Wende in Ungarn und der Fall der Berliner Mauer zurück, und erörterte deren Wirkungen auf die ungarndeutsche Gemeinschaft: „Familien schöpften neue Hoffnung, Grenzen öffneten sich, Verwandte fanden wieder zueinander, der lange Weg der Demokratisierung, des Dialogs und des Wiederaufbaus begann. Die LdU hat sich im Namen der ungarndeutschen Gemeinschaft in den letzten Jahrzehnten stets für die demokratischen Werte, gegen nationalistische Tendenzen und für ein vereintes Europa ausgesprochen. In diesem Jahr können wir es gleich zweimal beweisen: im Frühjahr bei der Wahl des Europaparlaments, sowie im Herbst bei der Wahl der kommunalen und der Nationalitätenselbstverwaltungen. Im Bereich der kulturellen Autonomie sind wir aufgerufen, die Arbeit der in unserer Trägerschaft stehenden Einrichtungen zu unterstützen und zu sichern. Dazu halten wir auch weiterhin eine fachliche und finanzielle Berechenbarkeit und Stabilität für wichtig. Große Sorge bereitet uns aber die Sicherung des Nachwuchses auf allen Gebieten unserer Tätigkeit. Unsere Schulen und Kindergärten, unsere Zivilvereine, aber auch die Nationalitätenselbstverwaltungen und die ungarndeutschen Medien kämpfen mit der gemeinsamen großen Aufgabe. Uns stehen große Herausforderungen bevor, die wir nur meistern können, wenn wir die Interessen unserer Gemeinschaft einheitlich und entschlossen vertreten, die fachliche und personelle Arbeit unserer Gremien, Organisationen und Einrichtungen unterstützen.”

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Schirmherr der Landesgala war diesmal Prof. Dr. Bernd Fabritius. Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten würdigte in seiner Festansprache ebenfalls Otto Heineks Verdienste, und bedankte sich anschließend bei der Landesselbstverwaltung und bei den örtlichen deutschen Selbstverwaltungen für ihren Einsatz für ihre eigene Nationalität und die Völkerverständigung. Die Ungarndeutschen seien – so Fabritius – ein Bindeglied zwischen Deutschland und Ungarn, und spielten darüber hinaus auch eine wichtige Rolle in der Europäischen Union, sowie auch im wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben von Ungarn. „Es ist von essentieller Bedeutung, dass die Bindung an die deutsche Sprache, und dadurch die Sicherung der kulturellen Identität erhalten bleibt. Die von Ihnen betriebenen ungarndeutschen Bildungseinrichtungen halten dafür ein umfassendes Angebot bereit. Der Unterricht der deutschen Sprache wird auch von staatlicher Seite gefördert. Es wäre zu wünschen, wenn auch die anderen Länder um uns herum eine solch vorbildliche Sprachförderung für die deutsche Minderheit hätten, wie wir diese in Ungarn finden. Dafür ein ausdrücklicher Dank an die ungarische Regierung!”
Bernd Fabritius äußerte sich anerkennend über Arbeit und Initiativen der deutschen Vereine und der sonstigen Organisationen, sprach sich für die Wichtigkeit der Jugendarbeit aus und sicherte den Ungarndeutschen auch künftige Förderungen Deutschlands zu.

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Im Rahmen der Gala wurde die höchste Auszeichnung der Ungarndeutschen, die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“ an drei Persönlichkeiten überreicht. Die Auszeichnungen erhielten dieses Jahr:

Josef Emmert
Josef Emmert wurde 1963 im Branauer Wemend geboren, er lebt und arbeitet momentan in Baja. Seine für das Ungarndeutschtum ausgeübte Tätigkeit bezieht sich vor allem auf die Pflege der Musik- und Tanztraditionen.
Seine Jugendjahre knüpfen sich an die südungarische Stadt Fünfkirchen, wo er neben seinem Studium immer Zeit für die Traditionspflege hatte: 17 Jahre lang nahm er als Musiker an der Arbeit der Leőwey Tanzgruppe teil, 15 Jahre hindurch beteiligte er sich an der Verwirklichung von traditionspflegenden ungarndeutschen Volkstanzlagern und Tanzhäusern, jahrzehntelang war er Mitglied der Schütz Kapelle, und leitet seit 33 Jahren den deutschen Chor von Wemend. Er war Mitbegründer der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher, Vorsitzender des von ihm ins Leben gerufenen Wemender GJU-Freundeskreises, aber auch Abgeordneter der deutschen Selbstverwaltung seines Heimatdorfes. Im Landesrat der Ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen arbeitete er als Vizevorsitzender der Sektion „Chöre“.
Derzeit ist er der Leiter der Kulturabteilung des Ungarndeutschen Bildungszentrums. Er leitet die Tanzgruppe und den Chor der Bildungseinrichtung, und begleitet auch noch den Rosenkranz-Chor in Baja.

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Johann Fuchs
Ungarndeutsche Traditionen zu pflegen und zu leben, und dazu auch anderen Lust zu machen – das ist die Mission von Johann Fuchs. Er wurde 1952 in Maan – Komitat Weißenburg – geboren, er lebt und arbeitet heute noch in seinem Geburtsort.
Er leitete die Einführung des Nationalitätenunterrichts in der örtlichen Grundschule, und anschließend auch die der Nationalitätenerziehung im Kindergarten in die Wege. Auf seine Initiative wurden in Maan Volkstanzgruppe und Blaskapelle gegründet, und ihm ist die Entstehung einer Begegnungsstätte zu verdanken. Hingebungsvoll setzte er sich für einen aktiven Kontakt mit den aus Maan nach Deutschland Vertriebenen ein: daraus resultierte eine heute noch aktive Gemeindepartnerschaft mit Leimen.
Johann Fuchs war jahrelang Mitglied des Verbandes der Ungarndeutschen und der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Er ist Vorsitzender der deutschen Selbstverwaltung seines Heimatdorfes, Mitglied der Komitatsselbstverwaltung der Ungarndeutschen, sowie Leiter des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen im Komitat Weißenburg.

Dr. Eva Gerner
Eva Gerner stammt aus dem Tolnauer Badeseck, sie lebt und arbeitet in Fünfkirchen als ungarndeutsche Fernsehjournalistin.
Das Abitur absolvierte sie am Deutschen Nationalitätenklassenzug des Klara-Leőwey-Gymnasiums in Fünfkirchen, anschließend studierte sie Germanistik und Geschichte an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.
Bereits als Gymnasiastin folgte sie mit Begeisterung den 1978 begonnenen Sendungen des Regionalstudios Fünfkirchen des Ungarischen Fernsehens. Der erste Kontakt mit dem Fernsehen erfolgte noch während ihrer Leőwey-Jahre, als es zu einer Dreharbeit über ein teilweise von ihr zusammengestelltes literarisches Mundartprogramm kam. Damals wusste sie noch selber nicht, dass die ungarndeutsche Redaktion schon bald und für eine ganz lange Zeit ihr Arbeitsplatz sein wird. Sie arbeitet nämlich seit 1984 als Redakteurin und Moderatorin der ungarndeutschen Fernsehsendung „Unser Bildschirm“. Während dieser Zeit absolvierte sie etliche Studien, Kurse und Weiterbildungen im journalistischen Bereich. In ihren Filmen thematisiert sie immer wieder gerne die ungarndeutsche Geschichte und Volkskunde, und freut sich immer über Interviewpartner, die einen Dialekt sprechen.

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In diesem Jahr wurde der Valeria-Koch-Preis zum sechzehnten Mal an ungarndeutsche MittelschülerInnen für ihre außergewöhnlichen schulischen Leistungen und ihre Tätigkeit im Nationalitätenbereich, bzw. an HochschulabsolventInnen für ihre Diplomarbeit über ein ungarndeutsches Thema überreicht. Die Auszeichnung erhielten Bettina Klász aus Fünfkirchen (Valeria-Koch-Bildungszentrum Fünfkirchen), Petra Stefán aus Bawaz (Béla-Bartók-Musikfachmittelschule Budapest), Vivien Szolnoki aus Hartian (Deutsches Nationalitätengymnasium Budapest), sowie Bernadett Berek aus Schomberg (József-Eötvös-Hochschule Baja) und Gabriella Sós aus Nadasch (Universität Fünfkirchen, Eötvös-Loránd-Universität Budapest).

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Das Galaprogramm gestalteten auch heuer niveauvolle und preisgekrönte Ensembles der Ungarndeutschen: so die Blaskapelle des Musikvereins Wetschesch, das Ensemble „Sax Buam“ aus Leinwar-Werischwar, das Ensemble der Deutschen Bühne Ungarn in Seksard, der Kinderchor der Deutschen Selbstverwaltung von Dorog, die Kindertanzgruppe „Füzes“ aus Kleinturwall, der Gesangkreis „Heimatklang“ aus Waschludt, die Willander Jugendblaskapelle, SchülerInnen (Dávid Bényi, Lena Klein, Hannes Gerner und Kata Forray) mit Mundartvorträgen, der Deutsche Nationalitätenchor des László-Lovassy-Gymnasiums Wesprim, die Katona-Familienmusik aus Pußtawam, die Deutsche Nationalitätentanzgruppe aus Wemend, sowie die „Bergländer Buam“ aus Werischwar.

Die offiziellen Fotos >>>
(Fotos: Miklós Bölcskey)

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