„Nur ein Tropfen deutsches Blut” – Buchpräsentation in Nadasch

Quelle: Zentrum

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Buchpräsentation in Nadasch abgehalten

In Nadasch wurde der vor Kurzem erschienene Band „Csak egy csepp német vér” (Nur ein Tropfen deutsches Blut) von Dr. Beáta Márkus erstmals dem Publikum vorgestellt. Die Autorin wurde 1988 geboren und ist in Nadasch aufgewachsen. Sie promovierte 2019 an der Andrássy Universität Budapest und ist gegenwärtig Dozentin am Stiftungslehrstuhl für deutsche Geschichte und Kultur in Südosteuropa der Universität Pécs. Márkus beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung der Geschichte der in Ungarn lebenden Deutschen mit dem Schwerpunkt Malenkij Robot, der Verschleppung von Zivilpersonen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion ab 1944. Für ihre Forschungen wurde sie im Januar 2020 mit dem Otto-Heinek-Preis der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ausgezeichnet.

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Unter der strengsten Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus fand die Buchpräsentation am 25. Oktober mit Erlaubnis der Diözese in der St. Georg Kirche statt, da andere Räumlichkeiten unseres Dorfes wegen des großen Interesses dazu nicht geeignet gewesen wären oder derzeit nicht benutzt werden dürfen. Vor der Buschpräsentation fand die Litanei statt und es wurde auch ein Rosenkranz für die Opfer gebetet, erklärte der Organisator und Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung Nadasch, Ákos Müller.

Das in der von Interessen gefüllten römisch-katholischen Kirche vorgestellte Werk von Dr. Beáta Márkus, das vor Kurzem beim Kronosz-Verlag in ungarischer Sprache erschienen ist, dokumentiert diese düsteren Jahrzehnte und ist die überarbeitete Ausgabe ihrer Doktorarbeit, die eigentlich in deutscher Sprache verfasst wurde. Mit der ungarischen Ausgabe wird beabsichtigt, auch die ungarische Öffentlichkeit auf dieses dunkle Kapitel der Geschichte der Ungarndeutschen zu lenken. Márkus bearbeitet ein Thema, das praktisch bis zur Wende 1989 in wissenschaftlichen Kreisen in Ungarn überhaupt nicht geduldet war und dokumentiert bisher verschwiegene Daten und Fakten, um wie sie sagt „etwas an diejenigen, die diese Zeit wegen ihrer Herkunft haben erleiden müssen, zurückzugeben“.

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Die persönliche Betroffenheit ihrer eigenen Familie war einer der ausschlaggebenden Gründe, weshalb sie angefangen hat, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Gewidmet hat Márkus ihre Arbeit ihrer eigenen Urgroßmutter und deren mehr als 35.000 Schicksalsgefährten, von denen viele nicht erleben konnten, selbst Urenkelkinder haben zu können. Ein weiterer entscheidender Moment war für die Autorin zudem auch, als sie ein Lagerfoto aus den 1940er Jahren gesehen hat, wo drei 17-jährige Mädchen im sowjetischen Zwangsarbeitslager in die Kamera blickten. „Ich hoffe, mit diesem Band bekommen sie jetzt ihre Geschichte zurück“, erklärte Márkus. Im Gespräch mit Phd-Studentin Gabriella Sós schilderte die Historikerin den Aufarbeitungsstand dieser Zeit, ihre persönlichen Erfahrungen und Gefühle über die zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen, betonte auch, dass gerade die Zugehörigkeit zur deutschen Volksgruppe, also gerade die Abstammung ein wichtiger Faktor dabei war, wer verschleppt wurde und dabei die größte Verantwortung den örtlichen Behörden zugeschrieben werden kann. Márkus ging außerdem auf historische Hintergründe ein und nannte auch auf ihren Heimatort bezogen einige Daten.

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Unter den Anwesenden waren größtenteils direkte Nachkommen der Betroffenen aus Nadasch und Umgebung. Viele Details wurden genannt, von denen bis heute nur in sehr engem Familienkreis gesprochen wird, oder auch da nicht mehr, da viele, die noch darüber berichten könnten, nicht mehr unter uns weilen. In der Kirche blieb kein Auge trocken, es war sehr bewegend zu sehen, dass sich unterschiedliche Generationen für die gemeinsame Geschichte interessierten. Mit dieser Arbeit ist es aber noch nicht abgeschlossen: In naher Zukunft plant die Forscherin sich einem ebenfalls tabuisierten Thema, den ungarndeutschen SS-Soldaten zuzuwenden, und Hintergründe ihrer Einrückung aufzudecken, wobei sie sich auch auf persönliche Erzählungen der Nachkommen der Betroffenen stützen möchte.

Gabriella Sós

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