Als Leiterin verabschiedet sie sich, als Zuschauerin aber nicht

Quelle: LdU

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Interview mit Monika Ambach,
der kommissarischen Intendantin der Deutschen Bühne Ungarn

An der Deutschen Bühne Ungarn endet eine Übergangszeit: Mit der Rückkehr der längerfristig abwesend gewesenen Intendantin Katalin Lotz verabschiedet sich nun ihre Vertretung. Zeit für ein Danke-Schön-Interview mit Monika Ambach, der Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und seiner Bibliothek, die ein halbes Jahr lang auch das ungarndeutsche Theater leitete.

Monika_Ambach_2021

Auf wessen Auftrag und mit welchen Gefühlen haben Sie die Stelle als Stellvertreterin für Frau Lotz angenommen?

Beauftragt hat mich die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, eigentlich die Frau Vorsitzende, Ibolya Hock-Englender. Es war eine Ehre für mich, diese Stelle anzunehmen, ich liebe Theater, und die Deutsche Bühne Ungarn steht mir als Theater besonders nahe. Ich bin schon seit der Eröffnung regelmäßige Besucherin, auch wenn sie gerade in Budapest spielen, sitze ich, wenn ich es einrichten kann, immer im Publikum. Als ich noch beim Fernsehen, in der Redaktion von Unser Bildschirm gearbeitet habe, habe ich sehr oft über die Premieren berichtet, ich habe aber auch Kritiken für Zentrum.hu und die Neue Zeitung über die einzelnen Bühnenstücke geschrieben. Ich hätte trotzdem nie gedacht, dass ich jemals als Teammitglied der DBU das Theater durch den Künstlereingang betreten werde. Mein wichtigstes Anliegen war während der Abwesenheit der Intendantin, den normalen Betrieb im Theater aufrechtzuerhalten, das Ensemble zu unterstützen und die geplanten Vorstellungen abzuwickeln und überhaupt zu verwirklichen.

Wie war die Ausgangssituation nach Ihrer Ankunft? Was waren die größten Herausforderungen?

Die Kollegen haben mich sehr gut aufgenommen, ich hatte schnell das Gefühl, in Seksard so richtig angekommen zu sein. Anfangs gab es noch Aufführungen, wir haben damals schon am Spielplan für Dezember gearbeitet, als wir nach der Zwangsschließung wegen der Pandemie im November überlegen mussten, wie wir unser Publikum online erreichen und mit ihnen trotz der damaligen Situation weiterhin in Kontakt bleiben können. Da kam zum Beispiel auch die Idee mit unserem DBU-Adventskalender, einer Video-Reihe auf unseren Onlinekanälen, und damals haben wir auch den DBU-Newsletter gestartet. Ich habe außerdem auch ständig nach neuen Möglichkeiten gesucht, wie wir unseren Onlineauftritt optimieren können.

Wie war die Zusammenarbeit im Team?

Es war eine spannende Arbeit für mich, diese bunte Truppe zu koordinieren. An der DBU arbeiten hervorragende Schauspieler, deren Arbeit von einem Technikerteam und vielen Backoffice-Kollegen unterstützt wird. Ich habe mich bemüht, die Bühnenvorstellungen und die einzelnen Arbeitsabläufe möglichst gründlich kennenzulernen, damit wir die Werbung für unser Theater optimal gestalten können. Ich habe mehrere Interviews gegeben, und auch viele für meine Kollegen organisiert, damit unser Publikum einen Blick hinter die Kulissen werfen kann – auch trotz Pandemie und Zwangsschließung, und dann waren da noch die Bewerbungen, die finanziellen und Personalangelegenheiten, die den größeren Teil des Arbeitsbereichs des Intendanten ausmachen, aber die Zusammenarbeit war eigentlich immer reibungslos. Es wäre für uns sehr wichtig, dass noch mehr Menschen auf unser ungarndeutsches Theater aufmerksam werden und die Arbeit hier verfolgen, darauf werde ich auch auf den Onlineplattformen des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek besonders Wert legen.

dbu

Welche waren für Sie die schönsten Momente und Projekte, die Sie während Ihrer Leitung in der DBU verwirklichen konnten?

Als wir wegen der Pandemie umdisponieren mussten und alles online weiterging, kamen mir meine journalistischen Erfahrungen zugute. Ich habe als eine Art Produktionsleiterin die einzelnen Arbeitsphasen zwischen den Künstlern und dem Filmteam koordiniert. Es war eine riesige Freude für mich, dass wir diese 26-Folgen-Adventsproduktion unter Dach bringen konnten, insbesondere, weil es für mich auch äußerst wichtig war, Werke von ungarndeutschen Autoren in die Produktion mitaufzunehmen. Es war eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, jeder hatte dabei seine Herausforderungen. Im Februar stand dann auch endlich die Vorstellung Der kleine Prinz bereit, diese Produktion war mit einer Reihe von organisatorischen Aufgaben verbunden. Dass das alles so zustande kam, grenzt an ein Wunder, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so scheint, denn die Pandemie stellte uns von Tag zu Tag vor neue Herausforderungen. Die geschlossene Premiere wurde für all unsere Mitarbeiter zu einem wichtigen Ereignis, damals haben unsere Schauspieler schon seit 3 Monaten nicht mehr vor einem Publikum spielen können. Wir haben zudem auch ein Monodrama mit einem professionellen Kamerateam aufgenommen, das auch unser Publikum bald zu sehen bekommen wird.

Womit konnten Sie zu der Arbeit am Theater durch Ihre beruflichen Erfahrungen beitragen?

Die Arbeit an der DBU hing einigermaßen mit meinen bisherigen Arbeiten zusammen. Als Institutsleiterin musste ich da jedoch zunächst die internen Strukturen und Arbeitsabläufe kennenlernen, und wie bereits erwähnt, spielten hierbei auch Erfahrungen bei den Dreharbeiten, im organisatorischen Bereich und meine PR- und Marketingarbeit eine größere Rolle.

Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Was sind Ihre Erfahrungen, wie kamen Sie mit den vielen Aufgaben klar?

Es war ein turbulentes Jahr, denn parallel haben wir auch beim Zentrum Projekte abgewickelt, wie unseren Blickpunkt – Wettbewerb der Bilder, dieser war auch dieses Jahr wieder mit großem Interesse von unseren Fans verfolgt, unsere Webseite und Facebook-Seite mussten aber auch ständig aktualisiert werden. Ich war viel zwischen Budapest und Seksard unterwegs und hing ständig am Telefon. Ich bin dafür sehr dankbar, dass meine Familie mich während dieser Zeit unterstützt hat, dass sie geduldig zu mir waren und auch dafür, dass unser Zentrum-Team wieder einmal bewiesen hat, dass wir äußerst flexibel sein können. Und ich bin den Kollegen in der DBU ebenfalls sehr verbunden. Diese Zeit hat mich mit vielen schönen Erlebnissen und Erfahrungen bereichert, die ich auch in Zukunft nutzen kann, und ich freue mich schon sehr darauf, als Zuschauerin in das Theater zurückzukehren.

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