HauptnachrichtHolzschnitzer Ernő Moser: „Nur den Überschuss wegschaffen”

Holzschnitzer Ernő Moser: „Nur den Überschuss wegschaffen”

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Am Mai 27. war Ernő Moser zu Gast im Haus der Ungarndeutschen. Der namhafte Holzschnitzer brachte eine reiche Auswahl seiner Werke mit, während des inhaltreichen Gesprächs konnten die Gäste auch Zeugen der Entstehung einer Statue sein.

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In ihrer Einleitung wies Zentrum-Direktorin Monika Ambach darauf hin, dass eine Reihe von Zufällen dazu führte, dass das Programm sich in solcher Form zusammensetzte. Einer davon war dem Internet zu verdanken, dass die Veranstalter über eine Ausstellung von schwäbischer Thematik des Meisters erfahren hatten. Die Holzschnitzereien, die das Leben der Ungarndeutschen darstellen, wurden bereits an mehreren Orten des Landes präsentiert, die vom Zentrum organisierte Ausstellung ist schon die zwanzigste, in deren Rahmen das Publikum die Werke bestaunen kann. Den musikalischen Rahmen des Abends gestalteten Vivien Tóth (Bawaz) und Anton Kresz (Berseneck), die seit längerer Zeit gemeinsam die kulturelle Traditionen der Ungarndeutschen pflegen und sowohl im Bereich der Kultur als auch im Gemeinschaftsleben engagiert mitwirken.

Die Hauptperson der Veranstaltung stammt aus Tatabánya, besser gesagt aus deren einst unabhängigem Teil Obergalla/Felsőgalla. Das Dorf war bereits in der Zeit der Árpáden bewohnt, nach der Ansiedlung wurde es zu einer deutschen Gemeinde. Wie Ernő Moser erzählte, habe es immer eine Rivalisierung zwischen Obergalla und Untergalla – wo er jetzt wohnt -, gegeben da die Bewohner der beiden Ortschaften aus verschiedenen deutschen Gebieten stammten.

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Das Gespräch lief auf Ungarisch, da Herr Moser die deutsche Sprache zwar beherrscht, aber sich besser im Ungarisch ausdrücken kann. Der Grund dafür ist allen von uns bekannt: nach der Vertreibung – während der fast der ganze väterliche Zweig des Künstlers Familie und einen beträchtlichen Teil des mütterlichen das Land verlassen musste -, wurden in Obergalla alle verspottet, die auf Deutsch sprachen, was für ein Kind besonders schmerzhaft war.

In den Pausen des Gesprächs wurde musiziert und geschnitzt. Das Tóth-Kresz Duo unterhielt die Anwesenden mit Akkordeonmusik und Gesang, während Ernő Moser an einer kleiner Männerstatue arbeitete.

Ernő Moser wies schon früh sein künstlerisches Talent auf. Sein Zeichenlehrer war Maler und ein ausgezeichneter Pädagoge. Der künftige Holzschnitzer begann zuerst zu malen und zu zeichnen: er gab diese Tätigkeit nie auf, sogar heute trägt er seine Zeichenmappe mit sich. Die Veranlassung, dass er Holzschnitzer sein soll, kam erst als er von einem anerkannten Dichter und Holzschnitzer erfuhr. Als er die Werke dieser sah, sagte er sich: „so etwas könnte ich auch machen”. Tatsächlich konnte er das.

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Seine Familie war vorerst nicht von seinem Vorhaben begeistert, ein Holzschnitzer zu werden. Wie in vielen schwäbischen Familien war das Wichtigste, dass das Kind sich eine „anständige” Arbeit findet. Den Angehörigen von Ernő Moser wurde sein Talent erst dann wirklich bewusst, als der Holzschnitzer die ersten größeren Anträge kriegte.

Die Wende, nach der die Arbeit auch finanziell sich lohnte, bildete eine Bestellung für die Ausstattung eines deutschen Jagdschlosses mit mehreren hundert Wappen. Es war eine anstrengende Arbeit, besonders weil Herr Moser die Monotonie schlecht verträgt. Trotzdem wurde damit eine Tür zu vielen ausländischen Projekten eröffnet.

Die Themenwelt des Künstlers ist breit. In Tatabánya, da sie immer eine Berg- und Industriestadt war, gab es keine nennenswerte Kunstgewerbetraditionen. Ernő Moser interessierte sich immer für die nordgermanischen Sagen, so schuf er zahlreiche Werke zu dieser Mythologie. Ein anderer bedeutender Teil in seiner Tätigkeit sind kirchliche Statuen und andere Objekte. Er nannte zum Beispiel das Tor eines reformierten Gotteshauses. Diese wurde mit 16 Motiven aus dem Bergbau geziert. In Dunaújváros können in einer der katholischen Kirchen 2 Meter hohe Holzstatuen von dem Künstler bewundert werden. Restaurationen alter Kunstwerke gehört auch zur Tätigkeit von Ernő Moser. Einmal wurde er von einem Freund gefragt, ob er arbeite oder schnitzte: eigene Werke zu schaffen ist ihm natürlich lieber, obwohl Restaurationen auch viel Herausforderung bedeuten können.

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Der Holzschnitzer sprach auch über die fachliche Grundlagen seiner Arbeit, zum Beispiel wie er das Material aussucht oder welche Werkzeuge benutzt. Wenn das Holz eine Krankheit hat, kann diese auch vorteilhaft sein. Ein solcher Fall gab es auch bei der Arbeit an einem Wikingerschiff, als der Drachenkopf fast nur beendet werden musste. Das Holz muss lange getrocknet werden, damit es verarbeitet werden kann, dazu gibt es auch spezielle Geräte.

Ernő Moser ist zweihändig. Ursprünglich war er linkshändig, aber in der Schule zwang man ihn, die rechte Hand zu benutzen. Diese Fähigkeit ist besonders bei der Arbeit an großen Statuen vom Vorteil, weil wenn eine Hand müde wird, kann er einfach zur andere wechseln.

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Die meisten im Haus der Ungarndeutschen gezeigten Ausstellungsstücke sind Teil eines Projekts, in dem der Künstler ein gesamtes ungarndeutsches Dorf in einem Lebensbild zusammenfassen will. Diese Werke zeigen traditionelle dörfliche Gewerben – unter anderem eine Schuster- und ein Küferwerkstatt – und bezeichnende Tätigkeiten der Dorfbewohner. Das zentrale Stück, ein Bauernhaus wird gerade beendet. Außer diesen konnten die Besucher des Abends noch zwei weitere Schnitzereien bewundern: eine ist eine „Schwabenschicksal” genannte Komposition, die andere eine Maquette einer Ulmer Schachtel. Um diese und die andere, die Vergangenheit der Ungarndeutschen bearbeitenden Kunstwerke wahrheitstreu gestalten zu können, studierte der Meister die Geschichte der Volksgruppe eingehend. Er sprach darüber, wie die Einwanderer im 18. Jahrhundert nach Ungarn reisten: die Reise sei im Gegenteil zu den allgemeinen Vermutungen riskant und lang gewesen.

Auf eine Zuschauerfrage antwortete Ernő Moser, dass er noch keine Dokumentation über all seine bisherigen Werke habe. Es war gut zu hören, dass er schon bis zum nächsten Dezember „ausgebucht” ist, was zeigt, dass das Interesse an die Schnitzkunst sehr hoch ist.

István Mayer

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