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Gedenksymposium mit Parallelen und Unterschieden

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Erinnerung im öffentlichen Raum

Gemeinsames Lernen und gemeinsames Erinnern ohne Tabus hob der Bundesbeauftragte der Bundesregierung Hartmut Koschyk beim Gedenksymposium „Integration oder weitere Diskriminierung?“ hervor, das im Rahmen der zentralen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen am 19. Jänner im Rathaus von Wudersch/Budaörs stattfand.

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Die Erinnerung im öffentlichen Raum, wie Ungarn sie praktiziert, lobte Hartmut Koschyk. Der Minister für Humanressourcen Zoltán Balog bezeichnete die Ungarndeutschen als „sonnigen Flecken“ in den deutsch-ungarischen Beziehungen und meinte, die doppelte Identität weise in die Zukunft. Der Minister erwähnte die „bahnbrechende Rolle“ der ehemaligen Parlamentspräsidentin Katalin Szili, die 2007 die denkwürdige Gedenkfeier an die Vertreibung im Parlament organisierte.

Das Jahrzehnt danach – etwa die Zeitspanne vom Kriegsende bis etwa 1960 – stand im Fokus der vier hochinteressanten Referate. Entgegen landläufiger Überzeugungen war die Integration der Vertriebenen und Flüchtlinge in Deutschland schwierig, stellte Prof. Dr. Michael Prosser-Schell vom Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa in Freiburg fest, und sie ist bei den durchaus unterschiedlichen Gruppen aus dem Osten und Südosten völlig unterschiedlich verlaufen. Bei einer zeitgenössischen Umfrage betrachteten 51 Prozent der Befragten die Vertriebenen als Zwangsgäste, die nicht wesensgleich seien. Ein „banales Detail“: Ursache für andauernde Konflikte war die gemeinsame Benutzung des Küchenherdes, so dass man durch „Herdselbsthilfeaktionen“ das Problem zu bewältigen suchte. Eine besondere Rolle bei der Integration spielten die Wallfahrten in der neuen Heimat. Sie unterlagen nämlich nicht den strengen Auflagen für politische oder landsmannschaftliche Betätigung.

Integration im Prinzip – Diskriminierung in der Praxis betitelte ihren Vortrag Dr. Ágnes Tóth, Leiterin des Stiftungslehrstuhls für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen. Sie behandelte die Zeit der Ausgrenzung und der Aufhebung der diskriminierenden Gesetze und beleuchtete die Lage der Deutschen von 1948 bis 1956. Interessante Parallelen und Unterschiede taten sich im Vergleich Rumänien und Ungarn auf. Hannelore Baier, renommierte Journalistin und Historikerin, gab einen aufschlussreichen Überblick über die Situation der Deutschen in Rumänien von 1944 bis 1956. Die Verschleppung betraf die Rumäniendeutschen gleichwie die Ungarndeutschen, allerdings konnte dann die rumänische Führung die Arbeitskräfte in Binnenlagern „einsetzen“. Baier sprach auch die oft gestellte Frage an, wieso aus Rumänien keine Vertreibung stattfand. Die politische Führung war durchaus gewillt, die etwa 400 000 Deutschen zu vertreiben (etwa 100 000 flüchteten schon zuvor). Es gab aber „Zweifel im Politbüro“. Stalin hatte das „sowjetische Modell des Vielvölkerstaates“ im Auge mit dem Zuschlagen von Siebenbürgen an Rumänien. Und auch wirtschaftliche Gründe spielten mit, so die fortgeschrittenere Zivilisation in Siebenbürgen und im Banat. Die Deutschen erhielten deutsche Schulen, sogar Berufsschulen, Theater, Zeitung. Allerdings zog Baier das Fazit: Im kommunistischen Rumänien fühlte sich die deutsche Minderheit nicht integriert, aber auch nicht diskriminiert. Eine nüchterne Darstellung zur Geschichte der Deutschen in Jugoslawien von 1948 bis 1960 präsentierte der leitende Wissenschaftler der geschichtlichen Forschung am deutschen Institut für neuere Geschichte Serbiens, Zoran Janjetovic: die Gleichschaltung im Krieg, Flucht, die AVNOJ-Bestimmungen, die Enteignung, die fürchterlichen Lager. Aber Anfang der 50er Jahre gab es in 30 Schulen Deutschunterricht, in Mariatheresiopel sogar eine Ausbildung zu Deutschlehrern – erfuhr man. Wir warten gespannt auf die Veröffentlichung der Konferenzbeiträge.

Über den Verlauf der Gedenkfeier auf dem Alten Friedhof von Wudersch und der deutschsprachigen Messe mit der Rede von Ministerpräsident Viktor Orbán berichten wir in der nächsten Nummer.

Johann Schuth

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