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Generationentreff in Tscholnok

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Alte Instrumente, alte Musiker, viel Freude
Musiker mit alten Instrumenten nach einer Idee von Johann Fódi

Von Budapest 40 km entfernt liegt Tscholnok/Csolnok malerisch umgeben von Bergen und Wäldern. Ca. 80% der 3400 Einwohner des Dorfes im Komitat Komorn-Gran sind Ungarndeutsche.

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Ab dem Jahr 1699 kam es dort zur Ansiedlung von deutschen Kolonisten aus verschiedenen deutschen Provinzen. Von 1781 bis in die 1970er Jahre wurde dort Kohlebergbau betrieben. Im Dezember 1944 erreichten auch die Wirren des 2. Weltkrieges das Dorf. Von der Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg ist Tscholnok verschont geblieben, weil viele Einwohner in einem wichtigen Braunkohlebergwerk gearbeitet haben. Der hohe Anteil an Familien deutscher Abstammung blieb bis heute. Die deutsche Nationalität, in Tscholnok immerhin 80 Prozent stark, wird im Ortschaftsrat durch eine Nationalitätenselbstverwaltung repräsentiert.

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Im Kulturhaus von Tscholnok übernahmen am 28. Mai 2016 die Senioren das Sagen, besser gesagt das Spielen. 28 Musikanten aus dem ganzen Land, die auf einem besonderen, fast schon in Vergessenheit geratenen Instrument spielen, trafen sich zu einem gemeinsamen Programm außergewöhnlicher Art. Neben den Mundharmonikaspielern betrat eine staatliche Anzahl von Knopfharmonikaspielern gemeinsam die Bühne. Sie hatten nie vorher zusammen geübt und kannten sich auch meist nicht, trotzdem verstanden sie sich von Anfang an gut, denn eins verbindet sie: die Liebe zu den ungarndeutschen Klängen und zu alten Instrumenten. Kopfharmonika zu spielen ist in Ungarn eine seltene Kunst geworden. Wenn Jugendliche sich für das Akkordeon interessieren, dann nur für die Tangoharmonika, weil sowohl Instrumente als auch Lehrer für den Knopfharmonikaunterricht fehlen.

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In Tscholnok trafen sich Menschen, deren ganzes Leben sich um Musik gedreht hat und die auch im Rentenalter noch gern zum Instrument greifen. Manche spielen nach Noten, manche ohne, manche in Dur,- manche in Moll, aber an diesem Tag war alles erlaubt und die Freude am Spielen stand den Musikanten ins Gesicht geschrieben. Zwar waren die Musiker aus dem ganzen Land gekommen, aus Kumlau, Boschok, Schomberg, Mohatsch, Tokod, Nadasch, Lantschuk, Kaposvár, Waschkut, Raab, Budapest und Tscholnok, doch gab es Stücke, die alle beherrschten. So stand einem gemeinsamen Auftritt fast nichts mehr im Wege. Fast, muss man sagen, denn so wertvoll alte Instrumente sind, ist es doch nicht leicht, sie aufeinander abzustimmen. Aber auch dieses Problem wurde schnell gelöst. Es bildeten sich kleine Gruppen, wo eben die Tonarten übereinstimmten, und schon konnte das fröhliche Musizieren gestartet werden.

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Zur Begegnung im Zeichen des Musizieren auf alten Instrumenten und der Freundschaftspflege wurde in den Veranstaltungssaal der Gemeinde geladen, wo vor einem stattlichen Publikum die populären Interpretationen zum Besten gegeben wurden. Als Willkommensgruß war der musikalische Auftakt gedacht, den die Blaskapelle „Alte Kameraden” sowie der Tscholnoker Chor unter der Leitung von Johann Fódi und die Ungarndeutsche Tanzgruppe darbrachten. Nach dem Erklingen der beiden Hymnen, den Eröffnungsworten der Veranstalter bzw. der Begrüßung der Ehrengäste, der Zuhörer und aller Musikanten wurde das Programm eröffnet.

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Als Erstes trat das beliebte Ehepaar Tafferner, Babette und Franz, aus Tscholnok auf, begleitet von Norbert Sax auf seiner Harmonika, und sangen für die Zuhörer das Lied „Ein Zigeuner verlässt seine Heimat“ (das erste gemeinsam gesungene Lied) und „Wenn zwei sich wirklich lieben“.

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Zweiter Programmpunkt waren die Knopfharmonikaspieler in der Stimmlage B/Es/As. Johann Knipf (Waschkut), Josef Mehringer aus Raab und Laszlo Harsányi aus Kaposvár sowie Viktor Pócsik auf seiner Klarinette spielten uns gemeinsam den „Burgenland Walzer“ und die „Schwiegermutter Polka“. Anschließend daran trat jeder Musiker als Solist auf und spielte uns mehr oder weniger bekannte Melodien. Johann Knipf spielte mit der etwa 200 Jahre alten Knopfharmonika seines Großvaters.

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Der nächste Programmpunkt war dem Gedenkjahr der Verschleppung gewidmet. Der „Weiw’chor“ bestehend aus den Frauen Luise Györy, Elisabeth Koller, Anna Trunk, Martha Schlichter, Elisabeth Eder, Martha Kretz und Edith Kriegshaus (Kriegshauser) wurden auf der Harmonika von Kornél Varga begleitet. Zuerst brachte uns Elisabeth Koller ein von ihr selbst verfasstes Gedicht über die Vertreibung und das Leben in den Arbeitslagern in Russland. Darauf folgten die beiden Lieder „Von der Heimat fort getrieben“ (Text: Franz Sziebert aus Ketschinge, nach der Melodie „Wenn die Kirchenglocke klingen“ und „Saß ein Jäger in der Laube“.

Einer der beliebtesten Programmpunkte dieser Veranstaltung ist immer wieder der Auftritt von Margit Wache mit ihrer Mundharmonika. Mit den Liedern „Wenn Mailüfterl wehn“ und „Es ging bei hellem Mondenschein“ verwöhnte sie wieder ihr großes Publikum.

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Eine Familiengruppe war der nächste in unserem Programm. Die Familie Reichhardt bestehend aus Vater Franz sen., die Söhne Franz Jr. und Georg. Ihre musikalischen Instrumente waren die Knopfharmonika, gespielt vom Senior der Familie (er wird in diesem Jahr 90 Jahre alt und ist damit der älteste aktive Musiker in unserer „musikalischen Bewegung“), das Akkordeon, auf dem Franz Jr. und die Gitarre, auf der Sohn Georg spielte. Gemeinsam brachten sie uns die Lieder „Nach meiner Heimat“, „Tirol, Tirol“, „Steige ich den Berg hinauf“ und eine flotte Polka. Als Abschluss dieses Programmpunktes brachte uns Franz Reichardt Junior noch einen Jodler zu Gehört.

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Auch ein sogenanntes Tascheninstrument durfte aus unserem Programm nicht fehlen – die Mundharmonika. Georg Schlichter aus Kaposvár spielte uns meisterlich einige Lieder, darunter die bekannten „Heute in der Nacht“, „Müde kehrt der Wandersmann zurück“, „Drunten im Tale“ und „Mädchen wenn ich dich erblicke“.

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Nun kam wieder die Knopfharmonika zu ihrem Recht in der Stimmung G/C/F/Kn/H. Margit Wache, Franz Reichardt, Stefan Czehmann, Johann Kubalek und Thomas Böhm spielten gemeinsam die Lieder „Wo die Nordseewellen spülen an den Strand“ einen Walzer und die Polka „Wie scheint der Mond so hell auf diese Welt“. Anschließend darauf folgte wieder das Soloprogramm der Künstler.

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Die Familie Steinmann, Elisabeth und Willi sangen uns nun „Wenn du willst mein Liebchen kennen“ – begleitet auf Mandoline, „Dort thront bei der Donau“ mit Knopfharmonika begleitet und „Am Kriegsfeld“ mit Mundharmonikabegleitung. Eine selten gehörte Vertonung einer Knopfharmonika und zwar in „H“ brachte uns Franz Mechler nun zu Gehör. Er spielte uns zwei Walzer Potpourris in „H“.

Als letzter Programmpunkt hörten wir nun die Knopfharmonikaspieler aus Hajosch. Im Solo spielte zuerst Stefan Huber die „Hajoscher Polka“ und einen Walzer aus Hajosch. Nun griff Franz Schön zu seiner eigens für diesen Auftritt selbst gebauten Knopfharmonika. Von ihm hörten wir den Walzer „Antje Liebchen“ und eine Polka, die das Leben in der Kellergasse in Hajosch beschreiben soll und zwar „Zwischen zwei Kellern“. (Diese Melodie wurde von den alten Hajoscher Aufnahmen genommen. Der Titel bezieht sich auf die Dauer der Melodie: sie dauert nur solang, bis die Gäste von dem einen Keller in den anderen gehen). Franz Schön ist Schreinermeister, er hat für sich selbst diese Knopfharmonika gebaut.

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Der Höhepunkt der Stimmung wurde erreicht, als sie gemeinsam die Melodien „Verliebter Harmonikaspieler“ und „Wenn am Sonntagmorgen“ spielten. Vor dem offiziellen Abschluss der Veranstaltung wurde der Bürgermeisterin der Gemeinde Tscholnok eine Erinnerungsurkunde übergeben und Franz Heilig sprach Dankesworte an die Gemeinde Tscholnok und an die Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung aus. Ebenso wurde denn Sponsoren, ohne deren Unterstützung diese Veranstaltung nicht hätte stattfinden können, der aufrichtige Dank ausgesprochen.

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Die Veranstaltung wurde mit dem gemeinsamen Singen der Lieder „Donauschwaben werden wir genannt“, „Heimat o Heimat“, „Rund ist die Kugel“ und „Wahre Freundschaft“ abgeschlossen. Mit den Dankesworten von Franz Heilig, dem Ehrenvorsitzenden des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen, und der Bürgermeisterin Frau Kolonics sowie der Überreichung der Ehrengeschenke wurde dieses wunderbare Programm beendet.

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Das gemeinsame Abendessen und das gesellige Zusammensein mit allen Auftretenden stärkte wieder die Zusammengehörigkeit unter den Ungarndeutschen. Der Sonntag wurde – wie es üblich beim Landesrat ist – mit einer heiligen Messe begonnen. Fortgesetzt mit dem gemeinsamen Mittagessen und darauf das Abschiednehmen, mit dem Versprechen auch nächstes Jahr – wenn Gott und die Gesundheit das zulässt – wieder bei dieser Veranstaltung „Musiker mit alten Instrumenten“ zu treffen.

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In einem waren sich die Vollblutmusiker einig: Es ist schade, dass die Jugend dieses seltene Instrument nicht mehr beherrscht, denn so kommen die Knopfharmonikas früher oder später ins Museum, und dort werden sie wohl für immer verstummen. Im Rahmenprogramm wurde auch eine Fachtagung des Landesrates abgehalten und die Tscholnoker überraschten uns mit einer Ausstellung über die Geschichte der Musikkapellen und das musikalische Leben in Tscholnok. (Die erste Kapelle wurde 1850 von Franz Lieber geleitet.)

Das LandesratForum bedankt sich ausdrücklich bei den Organisatoren für dieses wunderbare und einmalige musikalische Treffen und bedauert es ausserordentlich, dass niemand von der offiziellen ungarndeutschen Medienlandschaft daran teilgenommen hat.

Manfred Mayrhofer – LandesratForum

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