default @de„Nur das menschliche Leben hat ein Ende, die Kunst ist unendlich”

„Nur das menschliche Leben hat ein Ende, die Kunst ist unendlich”

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Vor einem Jahr fand die Vernissage und Lesung mit dem Titel Kontakte – Kontraste im Haus der Ungarndeutschen statt. Die im Rahmen von Zentrum-Programme im HdU realisierte Ausstellung beinhaltete eine breite Palette von Kunstwerken verschiedener ungarndeutscher Künstler, worunter auch der in diesem Jahr gerade 85 Jahre alt gewordene Maler, János Wagner, vertreten war.

Der bis heute aktive Künstler wurde 1936 in Budapest geboren. Nach seinen künstlerischen Studien war er als Lehrer an der Schule für Schaufenstergestaltung (1977-1982) und am Budapester Gymnasium für bildende Kunst (1983-1996) tätig. Wagner erhielt das Derkovits-Stipendium (1969-1971), das Stipendium des Ungarischen Kulturinstitutes in Rom (2000) und 2004 wurde ihm der Munkácsy-Preis verliehen. Er unternahm mehrere Studienreisen in Europa und Vietnam. Seine Werke sind neben der Sammlung der Ungarischen Nationalgalerie in mehreren namenhaften öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden. Er ist Mitglied zahlreicher Künstlergesellschaften und war Vorsitzender der VUdAK-Künstlersektion (1995-2005).

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Anlässlich des 85. Geburtstages von János Wagner wurde der Künstler am 22. September in Zusammenarbeit von dem Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek (Zentrum) und dem Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) mit einer Ausstellung und einer Buchpräsentation geehrt. Die Vernissage war auch der Auftakt der neunten Saison der Veranstaltungsreihe Zentrum-Programme im HdU. Stefan Valentin (Geige) und Susanne Krausz-Hommer (Klavier) wirkten bei der Feier musikalisch mit und spielten auf Wunsch des gefeierten Malers Werke von Johann Sebastian Bach. 

Johann Schuth, 1. Vorsitzender vom VUdAK, gratulierte dem Künstler zum Geburtstag und würdigte sein Schaffen, aber hob hervor, dass diese nicht eine abgeschlossene Lebenswerkausstellung, sondern eine Ausstellung von neuen Werken des Künstlers sei.

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Dies wurde auch vom Kunstsachverständigen János Wolfart in seiner anschließenden Einführung nochmals untermauert. Wolfart hob hervor, dass schwarz-weiße oder zumindest dunkel gehaltene Gemälde und Graphiken bereits um 1970-75 für Wagners Kunst bestimmend gewesen seien. Somit bedeuten diese hier ausgestellten Bilder, die in der nahen Vergangenheit entstanden, keinen stilistischen Bruch, sondern eine Rückbesinnung auf alte Zeiten und Arbeiten, und seien eine Ergänzung zum beachtlichen Lebenswerk. Er schilderte auch, was eigentlich so besonders an der Wagnerschen Kunst ist: „Das Besondere ist neben den verwendeten bekannten Maltechniken wie Öl, Aquarell oder Tusche die Nutzung von vielen verschiedenen zusätzlichen Materialien wie Zement, Teer, Plastikfaser, Sand, Steine oder Holz, die auch auf einigen der hier ausgestellten Bilder zu bestaunen sind. Damit schafft er eine plastische Oberfläche, die über das Traditionelle als Materialmalerei in sein ganz eigenes, Wagnersches Universum übergeht” – so Wolfart. Der Kunstsachverständige nannte Wagner auch als einer der ganz großen Koloristen unter den zeitgenössischen Malern. Als Beispiel hob er die Bilder Schimmerndes Licht und Himmel und Erde vor, die weniger farbenfroh, aber dennoch voller Feinheiten sind.

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Das 2020 erschienene, von Tibor Wehner zusammengestellte Buch Wagner János wurde ebenfalls vorgestellt. (Das Buch ist auch in der Ungarndeutschen Bibliothek zugänglich. Lesen Sie unser Buchtipp darüber! >>>) Wolfart führte mit dem Künstler ein spannendes Gespräch über sein Leben und die Kulissengeheimnisse seines künstlerischen Schaffens.

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Wie im Buch auch bezüglich seiner künstlerischen Laufbahn zu lesen ist, so hat der Künstler mit stockender Stimme erwähnt, dass er nach dem tragischen Tod seiner Tochter 1988 kein figuratives Bild mehr gemalt und sich zu den abstrakten Kompositionen gewandt habe. Das Buch ist kein klassischer Lebenswerkkatalog, sondern eine Reproduktionsauswahl aus seinem aus ca. 1000 Werken bestehenden Lebenswerk. Anhand dieser kann man die frühe Verwendung von verschiedenen – damals noch neuen und modernen – Techniken wie den Siebdruck oder das Fotogramm entdecken, worüber auch Wagner Sprach. Er äußerte sich ebenfalls über das „Wagnersche” in der Malerei, die sonst nicht gewohnte Verwendung von Materialien wie die von Plastikfasern, die er beim Werk Kreuz – das auch in der Ausstellung einen zentralen Platz erhielt – verwendete.

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Über Zukunftsplänen oder wie er zu seinem künstlerischen Schaffen steht, ob die Kunst überhaupt Grenzen hätte, äußerte sich János Wagner folgendermaßen: „Nur das menschliche Leben hat ein Ende, die Kunst ist unendlich.”

Nándor Frei

Fotoalbum >>>
Foto: Ludwig Grund

Die Ausstellung ist bis zum 15. November im Haus der Ungarndeutschen, Budapest VI., Lendvay u. 22 zu besichtigen. Um vorherige Anmeldung unter info@zentrum.hu wird gebeten.

***

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe  Zentrum-Programme im HdU statt.

Organisiert vom:

  • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek

Partner:

  • Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler

Förderer: 

  • Ministerpräsidium über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter NKUL-KP-1-2021/1-001912
  • Landesselbsverwaltung der Ungarndeutschen

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