HauptnachrichtWir gedachten, aber trauerten nicht

Wir gedachten, aber trauerten nicht

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Am 12. Juni, wenige Tage nach seinem 20. Todestag, organisierte das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek in Zusammenarbeit mit der Deutschen Selbstverwaltung Budapest 13. Bezirk einen Gedenkabend zu Ehren von János Wolfart (1951-2004). Die Veranstaltung der Reihe Zentrum-Programme im HdU wurde im Haus der Ungarndeutschen verwirklicht.

János Wolfart wurde 1951 in Ketschinge geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, Journalismus und Pädagogik in Fünfkirchen und wurde dann Redakteur der deutschsprachigen Sendung des Ungarischen Rundfunks. 1978 startete er die ungarndeutsche Sendung Unser Bildschirm im Ungarischen Fernsehen. Zwischen 1984 und 1990 war er Sekretär des Verbandes der Ungarndeutschen, später wurde er Hauptberater der Regierung und als Staatssekretär leitete er das Amt für Nationale und Ethnische Minderheiten. Danach trat er in den diplomatischen Dienst als Gesandter und Leiter der ungarischen Botschaft in Berlin und später in Bonn ein. Er wurde im Herbst 2002 zum Ministerialbeauftragten des Collegium Hungaricum in Berlin ernannt. Sein Wirken für die Nationalitäten, seine zentrale Rolle bei der Entwicklung des staatsbürgerlichen Rechts und der Institutionen, seine Stellung in der deutschen Nationalitätengemeinschaft und seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Minderheitenpolitik wurden mit hochrangigen ungarischen und deutschen staatlichen Auszeichnungen gewürdigt. Er starb am 7. Juni 2004 bei einem Autounfall in der Nähe von Berlin.

Zu Beginn des Abends begrüßte die Witwe, Maria Wolfart, die Freunde, die ehemaligen Kollegen und das Publikum und führte die Interessenten in die Hintergrundgeschichte des anschließend gezeigten Dokumentarfilms ein. János Wolfarts Film „Hát annak születtem (Szatmári svábok)” aus dem Jahre 1983, bei dem er sowohl als Redakteur und Regisseur als auch als Reporter der im Film gezeigten Interviews fungierte, ist nur einer von vielen Filmen, die er gemacht hat.

Im Anschluss an die Filmvorführung fand ein Rundtischgespräch statt, das von Johann Schuth, dem Chefredakteur der Neuen Zeitung, moderiert wurde. Martha Stangl, Eva Gerner, Árpád Hetényi und Gergely Prőhle, allesamt ehemalige Kollegen und Freunde des Verstorbenen, nahmen an der heiter-nostalgischen Runde teil. Martha Stangl arbeitete mit János Wolfart zuerst beim Ungarischen Rundfunk, dann im Ungarischen Fernsehen zusammen und erinnert sich an ihn als einen der kreativsten und fleißigsten Menschen, mit denen sie je zusammenarbeiten durfte. Sie hatten viel gemeinsam: ihre Herkunft bzw. die Bewahrung und Weitergabe der Sprache und der Identität, die sie von zu Hause mitbrachten. János war immer enthusiastisch und ein großartiger Teamplayer, außerdem war er unheimlich wissbegierig, so dass er schnell eine gemeinsame Basis mit den jungen Leuten fand. Er gründete einen Deutschklub, den auch Eva Gerner während ihrer Studienzeit besuchte. Sie ist seither Redakteurin der von ihm initiierten Fernsehsendung Unser Bildschirm.

Für Árpád Hetényi, den früheren Mitarbeiter der Nationalitätensendungen im Ungarischen Rundfunk, war János Wolfart immer ein Vorbild. Er war voller Ideen, hatte eine große Tatkraft, diese umzusetzen, und dank seiner Offenheit suchte und sah er die Chancen der jungen Generationen. Deshalb wurden viele Jugendtreffen und -camps organisiert, um Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Land zusammenzubringen und die Kulturen der anderen kennenzulernen. Literarische Bildung und Theaterbesuche waren ihm wichtig, aber er pflegte auch teambildende Sportarten, die ihnen allen viel Spaß machten. Später, als Politiker, vergaß er die Bedeutung dieser Zusammenkünfte nicht und unterstützte diese, so gut er konnte. Gergely Prőhle, ehemaliger Botschafter in Berlin, hatte die Gelegenheit, János Wolfart als Diplomat kennenzulernen, und schätzte ihn für seine Freundschaft und seinen Humor, aber auch für seine beruflichen Verdienste. 

János Wolfarts Pionierarbeit für die ungarisch-deutschen Beziehungen ist bis heute in allen partnerstädtischen Kontakten, in den Dorfgemeinschaften und im Nationalitätenleben spürbar, so dass für diejenigen, die wissen, dass diese ihm zu verdanken sind, kein Tag vergeht, an dem sie nicht an ihn denken.

Fanni Elekes

Weitere Bilder >>>
Fotos: Ludwig Grund

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Organisatoren:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Deutsche Selbstverwaltung Budapest 13. Bezirk

Förderer der Veranstaltung:
Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Ministerpräsidentenamt über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2024/3-000590)

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