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Zwei Dissertationsprojekte beleuchten ungarndeutsche Lebenswelten

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Gleich zwei Doktordissertationen mit ungarndeutschem Thema wurden am 18. Juni 2025 am Germanistischen Institut der Philosophischen Fakultät der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) verteidigt.

Die Doktorarbeit von Gabriella Sós trägt den Titel „Wenn er mein Schwäbisch nicht verstand, musste ich mein Deutsch benutzen“ – Interdisziplinäre Untersuchungen zur Pflegemigration ungarndeutscher Frauen aus Südungarn in den deutschen Sprachraum. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen und Herausforderungen von ungarndeutschen Frauen, die als Pflegekräfte nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz pendeln.

Gabriella Sós

Gabriella Sós führte im Rahmen ihrer Dissertation über 30 ausführliche Interviews mit ungarndeutschen Pflegekräften. Ergänzt wurden die qualitativen Daten durch strukturierte Fragebögen, um auch breitere Muster zu erkennen.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Migration wirkt als Katalysator sprachlicher und kultureller Veränderung. Viele Frauen berichten von einer stärkeren Wertschätzung ihrer Sprachkenntnisse, insbesondere ihrer Ortsdialekte, seitdem sie im Ausland arbeiten. Gleichzeitig verändert sich ihre Identität. Der Kontakt mit deutschen, österreichischen und schweizerischen Familien, Pflegebedürftigen und Institutionen lässt neue Selbstbilder entstehen und beeinflusst auch die Haltung zur eigenen Herkunft.

Die Arbeit liefert wichtige Impulse für die Diskussion um Sprachwandel, Minderheitenrechte und gesellschaftliche Teilhabe. Sie weist zudem auf die Dringlichkeit hin, ungarndeutsche Ortsdialekte zu dokumentieren und zu erhalten, denn der Sprachverlust schreitet weiter voran, nicht zuletzt, weil die jüngere Generation diese kaum noch verwendet.

Dr. habil. Koloman Brenner (ELTE, Lehrstuhl für Germanistische Linguistik) und Prof. habil. Dr. Erzsébet Drahota-Szabó (SZTE „Juhász Gyula“ Pädagogische Fakultät, Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur) haben die Arbeit eingehend geprüft und äußerst positiv bewertet. Die Kommission beurteilte die Arbeit mit summa cum laude.

Die Doktordissertation von Bálint Izsák behandelte das Thema „Spracheinstellungen in zwei Sprachregionen Ungarns bei Deutschlernenden und -lehrenden“. Die Dissertation vergleicht die zwei sprachlich unterschiedlich geprägten Regionen Südungarn und Westungarn. Ziel der Arbeit war es, mithilfe von Fragebögen und qualitativen Interviews herauszufinden, wie Schüler, Studierende und Lehrkräfte die deutsche Sprache wahrnehmen und welche Rolle sprachliche Vielfalt, also regionale Varietäten wie Dialekte oder österreichisches Deutsch, im Unterricht spielen.

Bálint Izsák

Die Analyse zeigt: In beiden Regionen ist die Einstellung zur deutschen Sprache insgesamt positiv, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. In Südungarn stehen Tradition, Identität und emotionale Verbundenheit im Vordergrund. In Westungarn dominiert eine instrumentelle Motivation, die aus Bildungs- und Berufsperspektiven im deutschsprachigen Ausland resultiert.

Zwar zeigen viele Lernende Interesse an regionalen Unterschieden innerhalb der deutschen Sprache, doch fehlt es häufig an gezielter Vermittlung durch die Lehrenden. Besonders in Westungarn äußerten viele Befragte, dass nur grundlegende Kenntnisse über Dialekte oder regionale Ausdrucksweisen vermittelt werden.

Auch Izsáks öffentliche Verteidigung wurde von den Prüfern Dr. habil. Koloman Brenner und Dr. Katalin Deé Kovács, Audi-Schule und Universität Raab, begutachtet und positiv bewertet.

Neel Junghans – Neue Zeitung

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