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Wenn Bücher ein Dorf verbinden

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KönyvTárján bringt Bücherfreunde zusammen 

Wer in Tarian eine gemeinschaftliche Freizeitbeschäftigung sucht, hat die Qual der Wahl: Vom Papierflechten und Tischtennis über Tanz, Gesang und die Freiwillige Feuerwehr bis hin zum Deutschklub reicht das vielfältige Angebot – und das ist längst nicht alles. Vor zwei Jahren wurde dieses Angebot um eine weitere Initiative erweitert, die besonders Bücherwürmer begeistert. Diese heißt: KönyvTárján (BiblioTarian). 

Das erste, für alle Dorfbewohner sichtbare Projekt der Gruppe war ein ausgedienter Tiefkühlschrank, der mitten im Dorf zu einer frei zugänglichen Mini-Bibliothek umgestaltet wurde. Von Beginn an wurde er mit Büchern gefüllt und lädt seither zum Mitmachen ein: Wer ein Buch mitnimmt, bringt im Gegenzug ein anderes vorbei. So verändert sich das Angebot ständig und hält immer wieder neue Überraschungen bereit. Die Auswahl ist vielfältig – von Kinderbüchern und Romanen über Sach- und Wörterbücher bis hin zu deutschsprachiger Literatur. Ein Blick in die kleine Bibliothek lohnt sich daher immer, denn man weiß nie, welchen Schatz man diesmal entdeckt. 

Neben der Kühlschrank-Aktion organisiert KönyvTárján regelmäßig Treffen für Buchfreunde. Im Mittelpunkt steht dabei jedes Mal ein Buch, das gemeinsam mit dem ganzen Dorf ausgewählt wird. Dafür schlägt jeweils ein anderer Verein drei Buchtitel vor. Auf der Facebook-Seite von KönyvTárján erscheint anschließend eine Abstimmung, bei der für einen der drei Titel gestimmt werden kann. Danach ist die Aufgabe einfach: Das Buch mit den meisten Stimmen wird zum „Gemeinsamen Buch“ gewählt. Danach haben alle Interessierten etwa zwei Monate Zeit, das Buch zu lesen. Anschließend trifft man sich zu einer gemütlichen Gesprächsrunde, bei der nicht nur über die Handlung und die Figuren, sondern oft auch über persönliche Eindrücke diskutiert wird. 

Als ungarndeutsche Gemeinschaft bleibt man dabei auch den eigenen Wurzeln treu. Immer wieder stehen ungarndeutsche Werke zur Auswahl. Vor zwei Monaten fiel z. B. die Wahl – auf Vorschlag des Deutschklubs – auf den Roman Ómama nyaklánca (Urgroßmutters Halskette) von Terézia Silingi.

Terézia Silingi

Am 7. Juli war es schließlich so weit: Eine ganz besondere Gesprächsrunde fand statt, bei der die Schriftstellerin Terézia Silingi gemeinsam mit ihrer Tochter als Ehrengäste begrüßt werden durfte. In angenehmer Atmosphäre erzählte die Autorin von der Entstehung ihres Romans, zeigte alte Fotos und gab zudem einen kleinen Einblick in ihr neues Buch, das im Herbst erscheinen soll. Auch Omamas Halskette wurde gezeigt. Es wurde über Promontor/Budafok, den Hauptschauplatz des Romans, über die ungarndeutsche Identität und über die Bedeutung von Erinnerungen gesprochen. Besonders bereichernd war, dass viele Teilnehmer ihre eigenen Familiengeschichten und persönlichen Erlebnisse mit den Themen des Buches verbanden. Die Gesprächsrunde zeigte, wie eng Literatur und Lebensgeschichte miteinander verbunden sein können. Zum Abschluss signierte Terézia Silingi zahlreiche Bücher und nahm sich Zeit für persönliche Gespräche mit den Lesern.

Doch auch nach dem offiziellen Ende war kaum jemand in Eile. In kleinen Gruppen wurde weitergeredet, köstlicher Kuchen gegessen und über neue Leseempfehlungen diskutiert. Genau das macht KönyvTárján aus: Bücher werden hier nicht nur gelesen – sie bringen Menschen zusammen, schaffen Begegnungen und lassen Geschichten weit über die letzte Seite hinaus weiterleben. 

Dorottya Váradi-Bach

Fotos: Ágnes Bachmann

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