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Die GJU auf abenteuerlicher Spurensuche
in der Batschka
Vom 13. bis 16. August hat sich die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU) wieder auf ihre traditionelle grenzüberschreitende Fahrradtour begeben – diesmal entlang der Donau von Baje/Baja über Apatin bis nach Sombor/Zombor. Ziel war das Kennenlernen der ungarischen und serbischen Seite der Batschka.
Die Tour begann in Baje, wo wir auf dem Gelände des Ungarndeutschen Bildungszentrums den Ungarndeutschen Landeslehrpfad besichtigten. Anschließend radelten wir weiter nach Waschkut/Vaskút.
Dort legten wir zunächst am Kalvarienberg einen kurzen Stopp ein und stießen jedoch gleich auf ein unerwartetes Hindernis: Wegen des Erdburzeldorns – auf Ungarisch királydinnye genannt – hatten plötzlich alle unsere Fahrräder einen Platten. Dafür ist an dieser Stelle ein wirklich unvergessliches Gruppenfoto entstanden.

Nach diesem Zwischenfall besuchten wir mit dem besten Kenner der Ortsgeschichte, Hansi Knipf, das Heimatmuseum und die Kirche. Wir wurden um viele interessante Informationen und berührende Geschichten reicher. Herr Knipf spielte sogar auf seinem Akkordeon, und das gemeinsame Singen hob unsere Stimmung sichtlich.


Inzwischen waren unsere Fahrräder repariert worden und wir hofften, dass der weitere Weg nun problemlos verlaufen würde. Mit dieser Zuversicht setzten wir unsere Fahrt nach Gara fort – allerdings nicht lange: Bereits nach dem ersten Kilometer gingen wieder mehrere Fahrräder kaputt. Zum Glück half uns ein örtlicher Fachmann, dennoch dauerte es Stunden, bis alle Gara erreichten. Es war bereits dunkel, als wir weiterfahren konnten, und erst mitten in der Nacht kamen wir in Besdan/Bezdán (Serbien) an, wo sich unsere erste Unterkunft befand.
Am nächsten Tag waren die Akkus unserer E-Bikes leer, sodass es erneut nicht einfach war, bis nach Apatin zu kommen, wo wir unsere Fahrräder endlich wieder aufladen konnten. Es war eine große Erleichterung, das Donauufer zu erblicken und uns in einem angenehmen Restaurant zu erfrischen.


In der Kleinstadt, die über Jahrhunderte mehrheitlich von Deutschen bewohnt war und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als größte deutsche Gemeinde im damaligen Königreich Jugoslawien galt, empfing uns Boris Mašić, der sein ganzes Leben der Rettung des deutschen Kulturerbes gewidmet hat. Infolge des Leidensweges der Deutschen in der serbischen Batschka ist die deutsche Bevölkerung drastisch geschrumpft und viele Denkmäler sind verloren gegangen. Nicht so die Herz-Jesu-Kirche, die dank Herrn Mašić und seines Deutschen Vereins „Adam Berenz“ vor dem Verfall gerettet und als Kirchenmuseum eingerichtet wurde. Dort sind zahlreiche Schätze zu finden, die aus zerstörten Kirchen hierhergebracht wurden.




Am nächsten Tag erkundeten wir mit Herrn Mašić die Stadt Sombor, wo wir ebenfalls viele schöne Sehenswürdigkeiten besuchten. Besonders beeindruckt hat uns das Donauschwäbische Museum. Dort erfuhren wir viel über die Geschichte der Batschkaer Deutschen, von der Ansiedlung bis zur Vertreibung. Interessant war zum Beispiel zu erfahren, dass die Kolonisten mit Ulmer Schachteln bis nach Apatin fuhren, von wo aus sie in der gesamten Batschka verteilt wurden. Graf Anton Grassalkovich spielte dabei eine Schlüsselrolle – ebenso wie in meiner Heimatregion. Er besaß sogar einen Palast in Sombor, in dem die Kolonisten nach ihrer Ankunft registriert wurden und oft in Quarantäne waren.


Am Abschlusstag suchten die GJUler noch einen historisch bedeutsamen Ort auf – leider im traurigen Sinne. In Gakowa/Gádor erinnerten wir uns an die vielen Tausend Deutschen, die unschuldig ermordet oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden. An ihrem Gedenkkreuz, das über ihren Massengräbern steht, legten wir einen Kranz nieder.



In den vier Tagen haben wir viele gemeinsame Erinnerungen gesammelt, viel Neues gelernt und uns trotz aller Schwierigkeiten wohlgefühlt. Eines steht fest: Den Erdburzeldorn werden wir unser Leben lang nicht vergessen!
Vielen Dank an alle, die bei dieser Fahrradtour dabei waren und uns empfangen beziehungsweise uns auf unserem nicht ganz unbeschwerten Weg unterstützt haben. Ein besonderer Dank gilt dem Bundesministerium des Innern (BMI) für die finanzielle Unterstützung unseres grenzüberschreitenden Austausches mit den Deutschen in Serbien!
Martin Surman-Majeczki
Fotos: Teilnehmer der Fahrradtour

