Eine Erinnerung fürs Leben

Quelle: Zentrum

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Meine Oma hat an dem Morgen meine Schitzschnur mit noch mehr Sorgfalt gerichtet als sonst. „Es soll urntlich ausschah”, hot sie gsocht. Ich musste lächeln, denn das sagte sie bei jedem Auftritt, ordentlich sollte meine Tracht aussehen. Ich schnappte letztendlich meine Klarinette und fuhr mit der Bawazer Jugendblaskapelle nach Fünfkirchen. Das geschah an einem Samstagmorgen vor 30 Jahren.

Lange habe ich nicht mehr an diesen Tag gedacht, aber vor einigen Wochen sprachen wir mit meinem Kollegen über den diesjährigen Besuch von Papst Franziskus in Budapest. Daraufhin erzählte ich stolz, dass ich einmal Papst Johannes Paul II. persönlich getroffen hätte und wir mit der Kapelle sogar seine Messe musikalisch hätten mitgestalten dürfen. Das Foto auf dem ich auf der rechten Seite abgelichtet bin, schickte ich ihm kurz darauf noch als Beweis zu. Ich bin mir sicher, dieses Bild hat nicht nur für mich, sondern für viele meiner Freunde aus der Kapelle immer noch eine sehr wichtige Bedeutung.

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Wir schrieben den 17. August 1991, eine riesige Menge von ca. hunderttausend Menschen versammelte sich auf dem den Flugplatz von Pogan neben Fünfkirchen, wohin Johannes Paul II. an diesem Tag erwartet wurde. Ein großer Altar – für diesen Tag entworfen – wurde auf der großen Wiese aufgebaut. Unweit davon erhielten die Chöre und die Musikkapellen, wie auch zum Beispiel die Jugendblaskapelle Boschok-Mohatsch-Schomberg zusammen mit uns einen Platz auf einer Bühne. Wir traten, wie bei so vielen Ereignissen in der Bawazer Tracht auf. Es mag nur eine Legende sein, aber man sagte später, dies hätte uns die vornehmen Sitzplätze in den ersten Reihen verschafft.

Videoaufnahme vom Papstbesuch (Die beschriebenen Szenen sind ab der 12. Minute zu sehen.)

Es war ein heißer Tag, wir mussten lange warten, die Kapellen spielten abwechselnd… Dann auf einmal spürte man, dass die Menge sich bewegt und immer unruhiger wird. Man hörte, der Heilige Vater sei angekommen und werde in dem Papstmobil zum Altar gefahren. Von da an ging alles ganz schnell. In unserer Umgebung wurde alles noch gespannter als im nächsten Moment etwas abseits von uns das Papstmobil anhielt, der Papst ausstieg aus und umringt von Würdenträgern bzw. Leibwächtern auf dem Teppich Richtung Altar schritt. Wir alle beugten uns hin und her um ihn zu erblicken. Dann auf einmal verließ er unerwartet den Weg und lief auf unseren Podest zu. Unser Kapellmeister, Georg Ahmann grüßte ihn, und der Heilige Vater zeigte den Organisatoren, dass er auf die Bühne möchte. Alle applaudierten während er zu uns hochstieg, um allen Sängern und Musikern bis in die letzten Reihen zuwinken zu können. Wir alle waren überwältigt von seiner freundlichen und liebevollen Ausstrahlung.

Dreißig Jahre sind seitdem vergangen, wenn wir aber mit den ehemaligen Musikerfreunden über die vielen Reisen und Auftritten der Kapelle sprechen, dann kommt der Tag immer zur Sprache, an dem wir dem Heiligen Vater musizieren durften.

Monika Ambach

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