Am Mittwoch dem 5. Oktober 2011 fand im Haus der Ungarndeutschen in Budapest ein Referat über das Thema „Migration“ statt. Hauptreferierende war Frau Prof. Dr. Nina Berend, die über die Geschichte und die momentane Situation der Russlanddeutschen sprach. Sie selbst ist russlanddeutscher Nationalität und vor zwanzig Jahren nach Deutschland umgesiedelt. Dort arbeitet sie an der Universität Mannheim am Institut für Deutsche Sprache. Frau Prof. Dr. Berend beschäftigt sich mit dem Sprachgebrauch der Russlanddeutschen. Im Rahmen einer Forschungsreise kam sie nach Budapest.
Titel des Referates war „Migration und Migrantengruppen in Deutschland – am Beispiel der Russlanddeutschen“. Frau Prof. Dr. Berend begann ihren Vortrag mit den großen Auswanderungswellen, die im 18. und 19. Jahrhundert stattfanden. In dieser Zeit verließen viele Deutsche ihr Land, um sich im Ausland eine bessere Existenz aufzubauen. Eine wirtschaftliche Blütezeit folgte, bis mit dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, eine große Abneigung gegen die Deutschen zu Tage trat. Verfolgungen setzten ein, Beschneidungen der Grundrechte, Deportation und Zwangsarbeit. Mit der Zeit versuchten die Zurückgebliebenen zwar erneut, Autonomie zu erlangen, jedoch ohne Erfolg. Die schlechte Situation der Russlanddeutschen in Russland und die schlechte Aussicht auf Verbesserung, führte schließlich zu einer massenhaften Auswanderung nach Deutschland. Heute leben in Russland nur noch 600 000 Russlanddeutsche.
Die Migration nach Deutschland führte viele Probleme mit sich. Zum einen werden seit 1990 ständig neue Gesetze erlassen, denen zufolge Migranten nachweisen müssen, dass sie deutscher Abstammung sind und aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit Nachteile in dem Land haben, aus dem sie auswandern möchten. Zum anderen werden sie selbst nach dem offiziellen Bescheid, Deutsche zu sein und in Deutschland leben zu dürfen, nicht unbedingt als Deutsche anerkannt. Während sie in Russland immer Deutsche waren, sind sie in Deutschland auf einmal Russen; Menschen mit zwei Heimatorten und zugleich heimatlos.
Dennoch zeigen jüngere Statistiken, dass die Integration der Russlanddeutschen in Deutschland gut gelungen ist. Das mag mehrere Ursachen haben: Einmal wurden die Einwanderer auf ganz Deutschland verteilt, so dass sich keine Parallelgesellschaften entwickeln konnte. Zum zweiten gab es ein großes Bestreben nach Bildung, was dazu führte, dass viele Russlanddeutsche in angesehene Berufe einsteigen konnten. Nicht zuletzt sorgten bikulturelle Eheschließungen für eine schnelle Integration.
Koreferent Herr Dr. Brenner zog dann den Bogen zur Geschichte der Ungarndeutschen und stellte diese in einen Vergleich mit der Geschichte der Russlanddeutschen. Es zeigte sich, dass es den Ungarndeutschen um einiges besser erging, da sie weniger schikaniert wurden und mehr Rechte hatten. Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass aus Ungarn weniger ausgewandert sind, als aus Russland.
Im Anschluss an die Vorträge gab es Wein und Pogatschen, und genügend Zeit, um noch mal Fragen an die Referenten zu stellen.
