NachrichtenIn der Hauptrolle: die Ungarndeutschen

In der Hauptrolle: die Ungarndeutschen

Auch die erstickende Sommerhitze hinderte die Hedjeßer nicht daran, sich im Kulturhaus der Gemeinde zu versammeln, wo am 22. Juni 2013 die Wanderausstellung BlickPunkt vom Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum eröffnet wurde.

Das Zentrum startete den Wettbewerb der Bilder in 2008 und sammelte in den letzten fünf Jahren schon über 1500 Fotographien von der deutschen Nationalität. Die aktuelle Ausstellung wurde aus den schönsten und aussagekräftigsten Bildern der Ausschreibung aus dem letzten Jahr zusammengestellt. Die ausgestellten Fotos sind ausnahmslos ein Beweis dafür wie bunt, schön, abwechslungsreich und interessant das Leben einer Nationalität sein kann. Die Gäste konnten in der Form einer Projektion auch eine Auswahl aus den besten Bildern von 2008-2011 sehen bzw. alle Bilder die in 2012 ins Rennen geschickt worden sind. Grossen Beifall ernteten auch die Abgedreht!-Filme. Denn auf Wunsch der Organisatoren brachte Zentrum-Direktorin Monika Ambach auch einige Werke des Ungarndeutschen JugendFilmfestes mit. Passend zu der heiteren Atmosphäre präsentierte sie musikalische und humorvolle Filme von Mittelschülern, die seit der Gründung des Filmfestes in 2006 entstanden sind, dabei durften auch die interessanten Spots der jungen Filmemacher nicht fehlen, die sich an der Kategorie U35sec (Unter 35 Jahre – unter 35 Sekunden) beteiligten. Die Anwesenden staunten wie talentiert die jungen Leute sind, und auch darüber wie sie die deutschen Nationalität sehen bzw. ihre eigene Identität erleben. Sie bewunderten welche Kunstwerke mit Hilfe einer Filmkamera oder eines Fotoapparats entstehen können wenn die Hauptrolle die Ungarndeutschen spielen.

IMG_5316

Unter den ausgestellten Bildern befand sich auch eine Aufnahme aus den 1930er Jahren. Das Bild stellt ungarndeutsche Bauern und Bäuerinnen in der herrschaftlichen Gärtnerei des Grafen Apponyi in Hedjeß dar. Das Bild wurde von Martha Homoródi, für den Wettbewerb in 2012 eingesandt und erhielt mit Recht einen Platz im Wandkalender BlickPunkt 2013. Sie leitet auch die Hedjeßer Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung, welche seit 2001 die Hedjeßer Schwäbische Sammlung betreut.

IMG_5335

Im kleinen Museum werden die Wohnung einer Bauernfamilie bzw. ihre Gegenstände vorgestellt. Ein anspruchsvoll zusammengestelltes Fotoalbum auf dem Tisch des Wohnzimmers erzählt mit Hilfe der Momentaufnahmen kleine Geschichten über die Menschen der Gegend. Manche von den in den Bildern festgehaltenen Trachten sind auch in der Ausstellung zu bewundern. Die ausgestellten Kleidungen aus Hedjeß, Berien, Duschau, Marke und Kallas beweisen wie unterschiedlich man sich von Dorf zu Dorf kleidete. Eine der schönsten Schätze ist die weisse Tracht eines Mädchens, die in diesem Kleid zum Weißball ging. Dieser war der erste Ball der viertägigen Faschingszeit und fand am Samstag statt. Er war den ledigen jungen Damen vorbehalten, die dort nur in weissen Kleidern erscheinen durften. Die weiße Tracht erhielten die Mädchen zu der Erstkommunion und sie wurde so genäht, dass sie dem Grösse des Mädchens wie sie wuchs angepasst werden konnte. Interessant ist auch die herrschaftliche Stickerei an den Hedjeßer Trachten zu beobachten. Dies ist wahrscheinlich der Haushälterin des Grafen Mercy zu verdanken. Die aus Wien stammende Frau lehrte den Hedjeßer Mädeln die filigrane Stickmotive, welche sie auf die Altartücher der im spätbarocken Stil errichteten Kirche sticken sollten. Die geschickte und modebewusste junge Frauen übernahmen die Motive der schmalen Zweigen und Blumen aber auch auf für ihre Kleidung.

Die herrschaftliche Atmosphäre von Hedjeß bestimmt auch das wunderschöne Schloss, welches im Auftrag vom Grafen Claudius Florimundus Mercy in den 1720-er Jahren erbauen liess und später in den Besitz der Familie Apponyi überging. Für die Bauarbeiten holte der Graf neben den deutschen Bauern auch deutsche Handwerker nach Hedjeß und siedelte sie in der Gemeinde und auf seinen Landgütern an. Die Gegend blühte nach der Türkenherrschaft schnell auf und Hedjeß erhielt bald das Marktrecht.

IMG_5346

Es hat sich leider während den Jahrhunderten, besonders infolge der tragischen Ereignisse des 20 Jhs. vieles verändert. Der Großteil der Deutschen wurde vertrieben, das Schloss kam in Staatsbesitz, es wurde u.a. als Kinderheim genutzt, später kaufte es ein Investor und öffnete ein Schlosshotel, welches sich aber nicht als rentabel erwies. Blickt man heute aber durch das verriegelte Eisentor in den Garten hinein, entdeckt man die Spuren vom Reichtum der ehemaligen Gutsbesitzern, welcher auch auf das Leben der Bevölkerung auswirkte.

IMG_5308

Die Nachfahren der Ungarndeutschen sind stolz auf ihre schöne Gemeinde, aber besonders auf ihre Kultur und die Mundart. Auch die Mitglieder des Chors Vergissmeinnicht fühlen sich verpflichtet das deutsche Liedgut zu pflegen und weiterzugeben. Sie wirkten auch auf Ausstellungseröffnung von BlickPunkt mit und sicherten einen melodischen Auftakt. Die Damen brachten selbst gebackene Kuchen und die Herren Wein mit. Folglich klang der Nachmittag in guter Stimmung aus. Beim Betrachten der Bilder wurden Erinnerungen wach gerufen, man erzählte Geschichten, und die alten Zeiten wurden wieder lebendig.

Die BlickPunkt-Ausstellung kann noch zwei Wochen lang im Kulturhaus besichtigt werden.

IMG_5313

Ergebnisse des 2. Landesfinales des ungarndeutschen Gesangswettbewerbs

Heute wurde das zweite Landesfinale des Gesangswettbewerbs für ungarndeutsche SchülerInnen am Budapester Campus der Apor-Vilmos-Hochschule ausgetragen.

Kunst und Handwerk im Fokus

Die Wanderausstellung mit den Finalisten des Vorjahres vom ungarndeutschen Online-Fotowettbewerb Blickpunkt war in der Karwoche in Bohl zu sehen.

Eins, zwei, drei, Dramenfestival!

Auch in diesem Jahr wurde das regionale Dramenfestival in Ugod – mit der Teilnahme von etwa 150 SchülerInnen aus 11 ungarndeutschen Grundschulen aus Westungarn und der Hauptstadt – veranstaltet.

Die deutsche Nationalitätenliste hat kein Mandat errungen – der Bedarf an gemeinschaftlicher Vertretung bleibt weiterhin stark

Das Ergebnis zeigt auch, dass viele es für wichtig halten, dass ihre Gemeinschaft mit einer eigenständigen Stimme im öffentlichen Leben präsent ist.

Salamin András: Igazszólások V. / Herein Mária: Családi kör – 2

Diese besondere zweiteilige Publikation will nicht belehren, urteilen oder Geschichte erklären. Sie erzählt einfach wahre Geschichten und Lebenswege aus einem vergangenen Jahrhundert.

Ritter György: Végszó. Magyarországi németek elbeszélései az alávetettségükről, 1940-1970 (Band I und II)

Die beiden Bände richten sich an all jene, die die großen historischen Prozesse aus der Perspektive individueller Lebenswege verstehen möchten.

Irene Langemann: Das Gedächtnis der Töchter

Das hie empfohlene Buch ist ein tiefbewegender Roman über die Suche nach Identität in der Fremde, die vielen Facetten der Einsamkeit und die immer neu zu schöpfende Kraft, sie zu überwinden.