default @deDraMaschine: Die sich selbst organisierende deutschsprachige Theatergruppe - Interview

DraMaschine: Die sich selbst organisierende deutschsprachige Theatergruppe – Interview

Die deutschsprachige Theatergruppe DraMaschine der Universität Fünfkirchen spielte am Ende Mai im Fünfkirchener Haus der Künste und Literatur das Drama Das politisch korrekte Schneewittchen – oder Moosgruber im Theater von Christine Steinwasser. Stefan Szeitz führte nach dem Auftritt ein Gespräch mit den beiden Leitern der Amateurtheatergruppe, der DAAD-Lektorin Susanne Ufer und dem OeAD-Lektor Peter Wilhelm Sax und mit den Akteuren Ivett Kiss und Márk Vörös.

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S. Sz.: Wann und auf wessen Initiative ist die Gruppe DraMaschine entstanden?

S. U.: Die DraMaschine existiert seit fast 12 Jahren und wurde – soweit ich weiß – von ein paar Germanistikstudenten gegründet. In den ersten Jahren wurde die Gruppe von der Dozentin Erika Hammer, seit ungefähr 6 Jahren von den jeweiligen DAAD- und OeAD-Lektoren betreut.

S. Sz.: Arbeitet die Theatergruppe mit beständigen Mitgliedern?

S. U.: Es gibt immer einen „harten Kern” von ein paar Leuten, die schon länger dabei sind und einige wenige, die nur kurz bleiben. Das dienstälteste Mitglied ist jetzt seit 4 Jahren dabei.

S. Sz.: Wie organisiert sich die Gruppe, ist sie ein eingetragener Verein?

S. U.: Die Gruppe organisiert sich selbst. Wir finanzieren uns über Sponsoren, Fördergelder vom DAAD und werden sehr großzügig vom Lenau Verein unterstützt, sind aber selber kein offizieller Verein.

S. Sz.: Haben Sie eine Schauspielausbildung absolviert?

S. U.: Nein. Ich habe während meines Studiums an einem polnischen Theaterstück mitgewirkt, mehr Erfahrung hatte ich nicht, bevor ich nach Pécs kam. Von den anderen Mitgliedern haben ein paar schon Bühnenerfahrung, aber eine richtige Ausbildung hat keiner. Wir sind sehr begeisterte Amateure.

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S. Sz.: Wie viele Auftritte hat die Gruppe im Jahr?

P. W. S.: Insgesamt hatten wir drei Auftritte dieses Jahr. Im April präsentierten wir zwei Szenen in Budapest. Die Premiere feierten wir in Brünn bei einem Theaterfestival, bei dem wir jedes Jahr teilnehmen und hier in Pécs vor heimischen Publikum, das war natürlich am schönsten.

S. Sz.: Wer ist für die Auswahl der Stücke zuständig?

P. W. S.: Eigentlich werden Vorschläge gesammelt und dann in der Gruppe besprochen. Dieses Jahr hatten wir große Probleme ein gutes Stück zu finden. Letztes Jahr hatten wir eins von Ferenc Molnár ausgesucht, dieses Jahr wollten wir daher ein Stück aus dem deutschsprachigen Raum. Anfangs hatten wir uns für ein unterhaltsames  Theaterstück von Georg Büchner entschieden, jedoch hatten wir dann zu wenig Schauspieler und die Rollen waren sehr schlecht verteilt. Im aktuellen Stück waren alle Rollen gleichmäßig verteilt und es gab keine Hauptrollen. So konnte jeder Schauspieler in fast jeder Szene mitspielen.

S. Sz.: Nach welchen Kriterien wird ein Stück ausgewählt, warum Das politisch korrekte Schneewittchen – oder Moosgruber im Theater von Christine Steinwasser?

P. W. S.: Für uns war von Anfang an klar, dass wir eine Komödie spielen wollten. Das aktuelle Stück hat dann einfach gut zu unserer Gruppe gepasst, das heißt, wir konnten alle Rollen sehr gut aufteilen. Zum Beispiel Mark als Hausmeister mit bayrischen Akzent ist einfach köstlich, oder Ivett als Regisseurin; die Schauspieler haben sich von Anfang an sehr wohl in ihren Rollen gefühlt.

S. Sz.: Wie kamen Sie dazu Theater zu machen?

M. V.: Ganz langsam und stufenweise. Es hat ganz früh begonnen. In der ersten oder zweiten Klasse, wo ich Gedichte für den Muttertag rezitierte. Ich habe bei jedem Klassenauftritt mitgemacht, und das wurde immer ein bisschen mehr. Mein erster Auftritt in einem richtigen Stück hatte ich in der sechsten Klasse. In der Neunten trat ich der ungarischer Theatergruppe der Schule bei, wo ich auch nach dem Abitur Mitglied geblieben bin. Bei der DraMaschiene ist dies mein drittes Jahr.

S. Sz.: Ihr Charakter im Stück sprach bayrischen Dialekt. War es eine Herausforderung für Sie? Sprechen Sie selbst einen Dialekt?

M. V.: Ned direkt. Es gab schon Textstellen, die ich nich sofort verstanden habe, aber sehr schwierig war der Text nicht. Da unser Publikum
meistens aus nicht Muttersprachlern besteht, wurde vieles „hochdeutscher” gemacht als in der Originalfassung. Mit etwas mehr Übung hatte ich bei den Auftritten keinerlei Schwierigkeiten mit der Sprache, obwohl ich selber keinen Dialekt spreche.

S. Sz.: Womit beschäftigen Sie sich vom Beruf her? Haben Sie auch schauspielerische Ambitionen?

M. V.: Ich arbeite als IT Servicedesk Agent, in deutscher Sprache. Professioneller Schauspieler möchte ich nicht werden, aber im Laientheater auf jedem Fall weitermachen, so lange es möglich ist.

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S. Sz.: Sie studieren Germanistik und Anglistik. Welche der beiden Sprachen steht Ihnen näher? Haben Sie auch deutsche Wurzeln?

I. K.: Ich habe leider keine deutschen Wurzeln. Mit sieben habe ich angefangen Deutsch zu lernen und seitdem verfügt die deutsche Sprache
über einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ich mag auch die englische Sprache, aber Deutsch ist für mich etwas ganz Besonderes.

S. Sz.: Sie spielen bereits seit zwei Jahren mit der Gruppe. Wie haben Sie DraMaschine kennengelernt?

I. K.: An der Universität habe ich von den Professoren über die Theatergruppe gehört. Obwohl ich am Anfang wegen Lampenfieber gezögert habe, habe ich nie bereut, dass ich der Gruppe beigetreten bin.

S. Sz.: Im Stück spielen Sie die Regisseurin Amalie Rösler-Lindenberg, die durch Yoga und andere orientalischen Methoden um den inneren Frieden ihrer Schauspieler sorgt. Sind Sie auch außerhalb des Theaters so ausgewogen?

I. K.: Wäre ich bloß auch im Leben so ausgeglichen! Aber die Wirklichkeit schaut ganz anders aus: ein bisschen chaotischer, aber realistischer. Die gemütliche Rolle der Regisseurin würde ich jedenfalls immer wieder gerne spielen.

S. Sz.: Ist in Ihren Zukunftsplänen auch Theater verankert?

I. K.: Die Zukunft ist unergründlich. Ehrlich gesagt, schmiede ich keine Pläne über künftige Theateraufführungen, aber ich schließe die Möglichkeit nicht aus, noch mal in der Zukunft mit der DraMaschine auf die Bühne zu treten.

S. Sz.: Sind weitere Auftritte im Jahr geplant?

P. W. S.: Dieses Jahr haben wir keine Auftritte mehr geplant. Ich glaube, in Zukunft wäre es toll auf vielen verschiedenen Bühnen, auch im deutschsprachigen Raum, aufzutreten. Für nächstes Jahr haben wir schon ein Angebot aus Leipzig. Mal schauen. Jedoch ist die Finanzierung immer schwierig. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal beim Lenau Verein bedanken. Ohne die Unterstützung würde vieles nicht möglich sein.

Stefan Szeitz

Bericht – Das politisch korrekte Schneewittchen >>>

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