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„Es ist wichtig, dass die Politiker vor der Öffentlichkeit genau formulieren“

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Parlamentarischer Sprecher der Ungarndeutschen: „es ist wichtig, dass die Politiker vor der Öffentlichkeit genau formulieren“

War Ungarn nie multikulturell? – diesen Titel trug jene kritische Frage, die der deutsche Nationalitätensprecher an Viktor Orbán richtete. Emmerich Ritter hatte an jenen am 19. Mai in Straßburg geäußerten Sätzen des Ministerpräsidenten etwas auszusetzen, laut derer „wir nie multikulturelle Gesellschaft gewesen seien“. Orbán sprach sich nämlich dafür aus, dass es „ein nicht aufzuopfernder Wert sei“, dass Ungarn ein homogenes Land ist, welches in seiner Kultur, Mentalität, in seinen Zivilisationsbräuchen ein ziemlich einheitliches Bild zeigt, sowie, dass Ungarn als ein ungarisches Land bewahrt werden soll. Der Sprecher ist der Meinung, dass die in Ungarn lebenden Nationalitäten wegen der obigen Gedanken besorgt gewesen seien, weshalb diese Sätze unbedingt erläutert werden müssten. Die Frage beantwortete an der Parlamentssitzung am 15. Juni im Auftrag des Ministerpräsidenten Bence Rétvári, parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Humanressourcen.

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Der Staatssekretär bezog sich in seiner Antwort auf den Unterschied zwischen den Begriffen „multikulturelles“ und „multinationales“ Ungarn: er sprach sich dafür aus, dass die seit Jahrhunderten in unserem Land lebenden Nationalitäten – wie dies auch das Grundgesetz deklariere – Teile der Nation, staatsbildende Faktoren seien. Dem gegenüber verstehe man unter „Multikulturalität“ das Aufeinandertreffen von Menschen mit sehr unterschiedlichen Kulturen, vor allem denke man hierbei an das Aufeinandertreffen von aus fernen Ländern kommenden Muslimen und Menschen mit christlich-europäischen Traditionen. Rétvári hob in seiner Antwort hervor, dass beste Beweise der Anerkennung der in Ungarn lebenden Nationalitäten ihre im Grundgesetz verankerten Rechte, ihre Vertretung im Parlament, sowie der ihnen in diesem Jahr gesicherte Regierungsmehrbetrag seien.

Emmerich Ritter ist mit der Antwort grundsätzlich zufrieden, jedoch der Meinung, dass es unbedingt notwendig gewesen sei, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Politiker auf die Existenz der Nationalitäten zu richten: „Viktor Orbán hätte in seiner Rede in Straßburg zumindest mit einem kurzen Satz darauf hinweisen können, dass Ungarn nicht nur den Magyaren, sondern auch den hier lebenden Nationalitäten gehört“, so der Nationalitätensprecher der Ungarndeutschen. „Dadurch hätten jegliche Missverständnisse und Missdeutungen vermieden werden können! Wir sind nämlich keine Magyaren, und wollen das auch nicht sein. Wir haben nämlich beispielsweise deutsche, serbische, kroatische, slowenische Identität. Mit meiner Frage wollte ich keineswegs auf die Behandlung der Problematik der Migration hindeuten, sondern vielmehr die Politiker darauf aufmerksam machen, dass sie künftig Rücksicht auf die im Lande lebenden Nichtmagyaren nehmen, und dass sie darauf achten, dass ungenauen Formulierungen keinen weiteren Missverständnissen zugrunde liegen.“

„Ich bin der Überzeugung, dass diese Frage der Ministerpräsident persönlich hätte beantworten müssen, er selbst hätte klären müssen, woran er genau gedacht hat“ – so bewertet die Geschehnisse im Parlament Otto Heinek, der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. „Mit der Art und Weise der Antwort bin ich also nicht zufrieden. Und mit dem Inhalt auch nur zu einem geringen Teil, denn dieser enthielt eine geschichtlich und soziologisch falsche Interpretierung der Multikulturalität, weiterhin begnügte man sich mit der Aufzählung der Verfassungsprinzipien. Ich habe erwartet, dass man zumindest gesteht, ungenau formuliert zu haben, und dass man sich entschuldigt, wenn eventuell Menschen mit diesen Äußerungen beängstigt worden sind. Auch dieser Fall demonstriert, dass es in Ungarn bezüglich der Schätzung, der Handhabung, der Integration und Akzeptanz der unterschiedlichen Identitäten, Kulturen immer noch viel zu tun gibt.

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