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„Bücher, über die man spricht“

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György Dalos und Gerhard Seewann über die Geschichte der Deutschen in Mittel- und Osteuropa

Migrationsbewegungen, deutsche Siedler in Osteuropa, die Geschichte der Deutschen in den östlichen Siedlungsgebieten waren das Thema eines spannenden Rundtischgesprächs im Budapester Goethe-Institut.

In der Reihe „Bücher, über die man spricht“ bekamen zwei Historiker Gelegenheit, ihre Forschungen zu präsentieren. György Dalos, Autor des Buches „Die Geschichte der Russlanddeutschen“, und Gerhard Seewann, der zahlreiche Studien über die Deutschen in Ost-Mitteleuropa und die zweibändige Publikation „Geschichte der Deutschen in Ungarn“ publizierte sowie Koautor des jüngst erschienenen Lehrbuchs für die Mittelschulen über die Geschichte der Ungarndeutschen ist, waren die Hauptprotagonisten des Abends am 15. Oktober, der von Judit Klein moderiert wurde.

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Für den Institutsleiter, unmittelbar nach seinem Amtsantritt, war die Podiumsdiskussion ebenfalls ein Debüt. Michael Müller-Verweyen stellte György Dalos als einen intellektuellen Protagonisten vor, der in Deutschland mitbestimmt. Der Historiker wurde am 3. Oktober mit dem Verdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Es sei wichtig in Dialog zu treten, und in der Titelgebung der Reihe seien ja auch die Themen, „über die man spricht“, schon vorhanden. Auch der aus Graz stammende Historiker Gerhard Seewann ist mit zahlreichen Preisen – u. a. mit dem Minderheitenpreis des ungarischen Ministerpräsidenten sowie mit der Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum – für seine Verdienste ausgezeichnet worden und ist ein Experte der Minderheitenfragen in Ostmitteleuropa.

„Bücher müssen nicht langweilig sein“ betonte Judit Klein. Sie zog in der Moderation Parallelen: zwei deutsche Gruppen, die sich im Osten ansiedeln, zwei Historiker, die nicht aus der Minderheit kommen und auch nicht zu der Titularnation gehören. György Dalos wies darauf hin, dass ihn das Ausprobieren von historischen Informationen an einem völlig neuen Stoff sehr reizte. Gerhard Seewann bezeichnete die Revolution von 1956, die er als zwölfjähriger Junge mitbekommen hat, als erstes wichtiges Ereignis, das ihn politisch äußerst interessierte, Temeswar erlebte er später durch das Zusammenleben von sieben, acht Minderheiten als sehr spannenden Ort. Dalos empfand ebenfalls das Zusammenleben mehrerer Völker aus der Perspektive von dreihundert Jahren als ein richtiges Abenteuer.

Die Agenten, die um Ansiedler für das russische Zarenreich warben, beschrieben das Klima dort wie das in Südfrankreich, erzählte György Dalos, auf Herausforderungen der Ansiedler eingehend. Gerhard Seewann wies auf König Stephans I. Königsspiegel hin, im Testament wurde der Vielvölkerstaat mit vielen Minderheiten als Bereicherung verstanden, diese Auffassung erlitt mit dem Aufkommen des Nationalstaats eine völlige Abkehr, wodurch eine achthundert Jahre alte Tradition abgeschafft wurde.

Ein weiter Bogen der Geschichte der beiden deutschen Gemeinschaften wurde gespannt, und obwohl Gerhard Seewann meinte, mit den Ungarndeutschen könne man besser ungarisch sprechen als deutsch, sind diese besprochenen Publikationen wichtige Ecksteine bei der Erschließung der Vergangenheit der Ungarndeutschen sowie der Rußlanddeutschen.

A. K.

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