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Gedenktag am 70. Jahrestag des Beginns der Vertreibung der Ungarndeutschen
„Am 20. Januar mussten wir unser Zuhause zwischen Tränen und Leid verlassen. (…) Auf dem Wuderscher Bahnhof hat man uns in Viehwagons gesetzt, in denen sich nur ein kleiner runder Ofen befand. Es herrschte Hundekälte“ – so erinnerte sich der Wuderscher Josef Hasenauer an die Geschehnisse vor 70 Jahren. Franz Bruckner aus Großturwall erzählte wie folgt: „Der Bahnhof war voll mit Trauernden. Pfarrer József Bokor zelebrierte eine Abschiedsmesse und segnete seine Gläubigen noch ein letztes Mal. Eltern, Kinder, Geschwister, Nachbarn und Freunde drückten sich noch einmal ans Herz. (…) Und dann wurde die Lokomotive an den Zug gebracht. József Oszfolg rief schnell noch seine Musikanten zusammen: sie spielten den Heimatverlorenen ein letztes, herzzerreißendes Lied, die ungarische Nationalhymne.“
Im Rahmen einer Gedenkfeier erinnert sich am 19. Januar 2016 in Wudersch unter anderem auch die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen dessen, dass von dieser Stadt vor 70 Jahren der erste Zug mit aus Ungarn vertriebenen Deutschen nach Deutschland abfuhr. Damit begann ein neues Kapitel der Unmenschlichkeit in Ungarn: zwischen 1945 und 1948 wurde ein beträchtlicher Teil beraubter und gedemütigter Ungarndeutscher aus dem Lande vertrieben.
Hinter der „Aussiedlung“ standen teils internationale, teils innenpolitische Gründe und Ziele. Die Großmächte hielten es bereits seit den Vierzigern für akzeptabel, die ethnischen Verhältnisse durch Übersiedlungen neu zu regeln. Auch die politischen Eliten, und teilweise auch die Gesellschaften der ost-mitteleuropäischen Länder unterstützten – mit ähnlicher Argumentation, jedoch aus anderen Gründen – das Zustandebringen von „reinen“ Nationalstaaten. In der zweiten Hälfte des Weltkrieges begann die Dämonisierung der deutschen Minderheit: sie wurde als Mittel der deutschen Expansion, als „fünfte Kolonne des Dritten Reiches“, als „Quartiermacher Hitlers“ dargestellt. Daraus wurde dann die Kollektivschuld der Deutschen abgeleitet und das Bedürfnis ihrer Vertreibung formuliert.
Die Verordnung der Provisorischen Nationalregierung vom 29. Dezember 1945 verurteilte all diejenigen, die sich bei der Volkszählung im Jahre 1941 zur deutschen Nationalität und/oder zu ihrer deutschen Muttersprache bekannten, zur Aussiedlung. Massen unschuldiger Menschen wurden vertrieben. Der Vertreibung entkommen sind nur diejenigen, die mit kommunistischen Organisationen in Verbindung standen, oder die über unbedeutend wenig Vermögen verfügten.
Offenbartes Ziel mit der Vertreibung der Deutschen war, dass man die Schicht der ungarischen Kleinbauern und des Agrarproletariats zu einem Grundstück verhelfen wollte. Aus dem östlichen und nördlichen Teil des Landes brach eine Masse von Bodenbewerbern nach Transdanubien auf, wo sie sich Häuser und Boden der Deutschen teilen durften. In zahlreiche ungarndeutsche Dörfer wurden aus den umliegenden Ländern fliehende Ungarn gesiedelt. Im Sinne des Abkommens über den slowakisch-ungarischen Bevölkerungstausch begann dann im Frühling 1947 die Ansiedlung von Ungarn aus der Slowakei – dies spornte die ungarische Regierung ebenfalls zur Aussiedlung der Deutschen an.
Zwischen 1946 und 1948 wurden um die 200 tausend Staatsbürger deutscher Abstammung aus Ungarn in das in Trümmern liegende Deutschland ausgesiedelt. Ihr Großteil wurde in die amerikanische Besatzungszone, in das spätere Westdeutschland transportiert. Nach dem August des Jahres 1947 kamen die Vertriebenen aber auch schon in die sowjetische Besatzungszone, in das spätere Ostdeutschland. Sie mussten all ihr Vermögen hinterlassen und mit einem Bündel von höchstens fünfzig Kilogramm das Land Ungarn verlassen.
Laut des Regierungsbeschlusses vom 10. Dezember 2012 wurde der 19. Januar zum Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen erklärt. Dieses Jahr wird der Opfer in Wudersch mit einer Konferenz, einer heiligen Messe und mit Gedenkansprachen gedacht. An der Veranstaltung nimmt Viktor Orbán, Ministerpräsident Ungarns, und auch Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten teil.
(Quelle der Rückerinnerungen: http://www.svabkitelepites.hu/)



