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Lessing für Kindergartenkinder?

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Gemeinsame Pressemitteilung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts

Mit der Nutzung literarischer Werke bei der Sprachförderung befassten sich
Kindergarten- und Grundschulpädagogen in Fünfkirchen und Wesprim

Begeistere mich für das schöne Spiel mit Worten!: die Weiterführung des berühmten Gedankens „Hilf mir es selbst zu tun!“ der einstigen Reformpädagogin Maria Montessori diente neulich als Motto einer Fortbildung für Pädagogen. Dazu lud das Ungarndeutsche Pädagogische Institut eine Expertin als Referentin aus Deutschland ein. Dr. Ilona Bachmann, Dozentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik des Landkreises Deggendorf machte Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen der Unterstufe der Grundschule mit innovativen und effektiven Methoden vertraut, die mithilfe von literarischen Werken die Sprachkenntnisse der Kinder fördern. Die Fortbildung wurde auf zwei Schauplätzen ausgetragen: im von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen getragenen Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen, sowie im Deutschen Haus in Wesprim.

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Ein jedes Kind wird vom Tatendrang und vom Bedarf nach Kennenlernen der Welt motiviert: wenn es entsprechend begeistert und frei gelassen wird, und wenn man ihm als Pädagoge lediglich den Weg zum Wissen zeigt, kann ihm alles beigebracht werden. Auf diesen Grundgedanken baute Dr. Ilona Bachmann, verpflichtete Anhängerin der Montessori-Methode, als sie ungarndeutschen Pädagogen in Deutschland bereits gängige Sprachförderungsideen vorstellte.

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Die Dozentin bat die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen der Unterstufe, einen Lieblingstext aus der Literatur zur Fortbildung mitzubringen. Auch sie selber bereitete sich mit einem Textauszug vor: und zwar mit der bekannten Ringparabel aus „Nathan der Weise“ von Lessing, einem Werk der Aufklärung. Es ist anzunehmen, dass bisher wohl keine Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen diesen Wortlaut mit kleinen Kindern behandelt haben, denn es geht ja um einen Text, der erst in der 11. Klasse der Gymnasien unterrichtet wird. Frau Dr. Bachmann bewies jedoch, dass sogar Kindergartenkinder und Schülerinnen und Schüler der Unterstufe dazu fähig sind, über ein sowohl inhaltlich, als auch sprachlich schweres dramatisches Gedicht aus dem 18. Jahrhundert auf Deutsch zu diskutieren. Sie ist nämlich der Ansicht, dass sich Kinder immer ein Märchen, eine Geschichte vorstellen würden, und darum allerlei Storys – seien diese noch so kompliziert – mithilfe von Zeichnungen, Spielen, Wortbildern, Reimen, Liedern auf ein sprachliches Niveau übersetzt werden könnten, dass sie sogar die Kleinsten verstehen würden. Und wenn die Kinder die Geschichte verstanden hätten, würden sie darüber ihre eigene Meinung formulieren können, und zwar sowohl in ihrer Muttersprache, als auch in Fremdsprachen. Das heiße also, dass ein jeder literarische Text dazu geeignet sei, die Sprachkompetenz, das Hörverstehen, die soziale Kompetenz und das Werturteil zu fördern.

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Josef Weigert, Leiter des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts betonte, dass der Kurs neben der Präsentation dieser besonders spannenden und nützlichen Methode auch ein anderes Ziel gehabt habe: „Durch die Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen haben wir einen weiteren Schritt zur Erfüllung einer unserer langfristigen Zielsetzungen getan: wir möchten nämlich den Übergang zwischen den einzelnen Erziehungs- und Bildungsebenen – das heißt zwischen KiTa und Unterstufe, Unter- und Oberstufe und Oberstufe-Gymnasium – noch reibungsloser gestalten. Darüber hinaus schien es eine gute Idee gewesen zu sein, neun Studentinnen der Pädagogischen Hochschule József Eötvös zu Baja zur Fortbildung einzuladen. Für sie bot sich nämlich die Möglichkeit, sich mit praktizierenden Pädagoginnen zu unterhalten. Es stellte sich während der Diskussionen heraus, dass die Kindergärten mit großem Mangel an Fachkräften zu kämpfen haben, und dass sie die frisch gebackenen Kindergärtnerinnen mit offenen Armen empfangen.

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