NachrichtenUngarndeutsche wollen Abgeordneten statt Sprecher im Parlament

Ungarndeutsche wollen Abgeordneten statt Sprecher im Parlament

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Vollversammlung der LdU behandelte erstmals
die Parlamentswahlen 2018

Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen begann mit der Vorbereitung auf die Wahlen. Die Vollversammlung der LdU diskutierte an ihrer Sitzung in Budapest am 6. Mai unter anderem auch darüber, wie es zu erreichen sei, dass sich nach den Parlamentswahlen 2018 statt eines Sprechers ein vollberechtigter Abgeordneter im Hohen Haus für die Interessen Ungarndeutschen einsetzt. Über die Bewertung des Wirtschaftsjahres 2016 hinaus thematisierte die Körperschaft auch eine andere wichtige Angelegenheit: nachdem das Mandat der Intendantin der Deutschen Bühne Ungarn im Dezember abläuft, wird das einzige professionelle deutschsprachige Theater Ungarns von einer neuen Direktorin geleitet.

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„Ein stabiles und ausgeglichenes Wirtschaftsjahr liegt hinter uns, sowohl die Landesselbstverwaltung, als auch all ihre Institutionen funktionierten kostenwirksam, schlossen das Jahr mit finanziellem Überschuss, während mehrere Einrichtungen Investitionen größeren Volumens durchgeführt haben“, legte die Wirtschaftsleiterin der Landesselbstverwaltung den Rechnungsabschluss dar. 2016 wurde die Renovierung der deutschen Bühne Ungarn abgeschlossen, in dessen Rahmen Zuschauerraum, Bühne, Foyer, Fassade, sowie auch die Räumlichkeiten der Künstler und anderer Mitarbeiter des Theaters modernisiert worden sind. Auch an manchen, von der Landesselbstverwaltung getragenen Institutionen waren Bauarbeiten nötig: die Nässeisolierung am Schülerwohnheim des Deutschen Nationalitätengymnasiums in Budapest ist nun gelöst, und am Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen und am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Werischwar wurde jeweils eine neue Sportanlage gestaltet. Auch im Iglauer Park zu Waschludt ist eine beträchtliche Investition im Gange: das bereits veraltete Jugendlager wird dank der finanziellen Unterstützung des Ministeriums für Humanressourcen und des Bundesministeriums des Innern schon bald zu einer mit neuen Holzhäusern ausgerüsteten, modernen Herberge. Investitionen werde es auch in der Zukunft geben, hieß es an der Sitzung: LdU-Vorsitzender Otto Heinek berichtete über den Plan der Erweiterung der Mensa des Valeria-Koch-Bildungszentrums, und die Vollversammlung gab auch der Renovierung des Lenau Hauses in Fünfkirchen grünes Licht. Die Sanierung der Begegnungsstätte der Ungarndeutschen in Fünfkirchen werde aus einer Summe finanziert, die der Verband der Deutschen Selbstverwaltungen der Branau noch vor Jahren für eine Investition bereitgestellt hat, die aber letztendlich doch nicht verwirklicht wurde.

Auch 2017 fördert das Bundesministerium des Innern durch die Landesselbstverwaltung die Gemeinschaft der Ungarndeutschen: es unterstützt den Ausbau von nachhaltigen Kontakten zwischen deutschen Institutionen, Vereinen und Selbstverwaltungen der voneinander fern liegenden Regionen; das BMI stellte auch für die Unterstützung der Ausrüstung ungarndeutscher Kulturgruppen mit Instrumenten, Volkstrachten und sonstigen Requisiten Gelder bereit. Bis Sommer 2018 können drei weitere ungarndeutsche Lehrpfade entstehen, und zwar in Nadasch, Feked und Tarian; und letztendlich werden nach den 62 bereits unterstützten ungarndeutschen Gemeinden vier weitere einen Kleinbus zur Beförderung ihrer deutschen Kulturgruppen und der bejahrten Bedürftigen erhalten.

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Vierzehn Jahre lang leitete Intendantin Ildiko Frank die Arbeit der Deutschen Bühne Ungarn. Auf die kurz vor dem Ablauf des Direktorenmandats von der LdU, der Trägerin der DBU ausgeschriebene Stelle gingen zwei Bewerbungen ein. Die Vollversammlung entschied sich – basierend auf der Empfehlung eines unabhängigen Fachgremiums und des Kulturausschusses der Landesselbstverwaltung, die die Aspirantinnen jeweils angehört hatten – für Katalin Lotz. Die Wirtschaftsfachfrau, die übrigens schon seit langem Mitglied des Schauspielerensembles des Theaters ist, darf die Bühne vom Dezember 2017 bis November 2022 dirigieren. „Die Mission des Theaters ist meiner Auffassung nach, ein Spiegel vor den Zuschauer zu halten“, begann Katalin Lotz ihre Vorstellung vor der Vollversammlung. Die neu gewählte Intendantin, die sich für Theatererziehung, Dramenpädagogik und Amateurschauspiel verpflichtet fühle, versprach eingehende Planung und gut durchdachte, konsequente Leitung der Einrichtung. Sie wolle den Kreis der Partnertheater erweitern, und sie plane die Zuschauerzahl mithilfe von nachhaltiger Kommunikations- und Marketingtätigkeit zu erhöhen.

Die Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen thematisierte diesmal zum ersten Mal die Vorbereitung auf die im kommenden Jahr fälligen Parlamentswahlen. Otto Heinek erinnerte daran, dass es in ihrer Strategie verankertes Ziel der LdU sei, in der kommenden Legislaturperiode statt Sprecher einen Abgeordneten in das Parlament zu schicken. Die Vollversammlung war für die Idee, schon bald einen Wahlkampfstab aufzustellen, der bis Ende Sommer in einem detaillierten Handlungsplan all die Aufgaben der Mobilisierung festhält. Emmerich Ritter, der zurzeit als Sprecher die Ungarndeutschen im Hohen Haus vertritt, sprach sich dafür aus, dass das Wichtigste sei, durch das landesweite Netzwerk der deutschen Selbstverwaltungen und Vereine, aber vor allem durch persönliche Überzeugung all den betroffenen Wahlbürgern klar zu machen, warum es wichtig und wie es möglich sei, die Landesliste der LdU zu wählen.

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