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In der Organisation des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen in Nordungarn e. V. (ÉMNÖSZ) wurde eine Fachfortbildung für die ungarndeutschen Volkstänzer und Volkstanzpädagogen veranstaltet.
Wir erhielten an dieser Fachtagung mehr als erwartet. Wie „Tischlein, Tischlein, deck dich!” entfaltete sich das Beste unserer Volkskultur vormittags in den Vorträgen und nachmittags im Tanzunterricht. Durch Theorie und Praxis, Hand in Hand, wurden die Teilnehmer in die tüchtige Arbeit hinter den Kulissen eingeführt.
Ildikó Szeltner-Winhardt organisierte im Auftrag von ÉMNÖSZ die Fachtagung am 17. 11. im Gemeindehaus „Alte Schule” in Großkowatsch/Nagykovácsi. Zur Fortbildung kamen Interessenten aus fast allen Regionen Nordungarns in der Vertretung von Schulen und Kulturgruppen.
Katalin Kiszel-Mohos, die Bürgemeisterin von Großkowatsch, Franz Klein, Vorsitzender der hiesigen DSV und Simon Kishegyi jun., Vizepräsident des Volkskunstverbandes Elemér Muharay begrüßten die Teilnehmer.
Éva Héra, Vorsitzende des Volkskunstverbandes Elemér Muharay, hielt eine Rede über ihre Tätigkeiten und Zielsetzungen, das Grundprogramm „Sándor Csoóri” und die Bedeutung der Traditionspflege. Sie betonte die Rolle der Tanzhäuser, in denen wir unsere Tänze „zurücklernen” könnten. Die lebendige Kultur sei eine Vergnügungsform, die um die Musikkapellen herum errichtet wird. Éva Héra ermutigte die ungarndeutschen Volkstanzgruppen, dass sie die Möglichkeit der Konvention des immateriellen Kulturerbes nutzen sollten, und die wertvollen Elemente ihrer Traditionspflege für die Liste des immateriellen Kulturerbes von Ungarn und der Welt nominieren.
Erzsébet Tajti, Sachverständige für Volkstracht, redete über das Erkunden und den Erhalt der alten Trachten, die Herstellung von rekonstruierten Trachten, ihre Wartung und Lagerung. „Mit der Erfahrung der Alten soll das Wissen verjüngt und zurückgebaut werden”, und betonte auch die bewusste und anspruchsvolle Kleiderwahl. Strenge Regel beziehen sich auf die männlichen und weiblichen Rollen, auf das Symbolsystem der Altersklassen, da die Tracht unseren Platz in der Gesellschaft und unsere Persönlichkeit kennzeichnet.
Viktória Kishegyi, Kulturhistorikerin, Leitende Oberrätin des Ungarischen Parlaments in Ruhestand, leitete die Anwesenden in die Geschichte und Traditionen der Ungarndeutschen ein, mit besonderer Hinsicht auf das Schicksal des Deutschtums in der Umgebung von Ofen und Pesth. Sie distanzierte sich von der Tätigkeit des Volksbundes, dessen Folge für die Ungarndeutschen die Kollektivschuld, die Vertreibung und Verschleppung zu „Malenkij Robot“ war. „Wir waren und sind immer noch dankbare Bürger, nebst der Identitätsbewahrung betrachten wir Ungarn als unsere Heimat“, betonte sie und legte einen Koffer voll mit Büchern auf den Tisch, damit man sie als Quelle für die Geschichtsforschung der Ungarndeutschen nimmt. Als Kuriosum galt, dass man im Sozialismus die DDR als Mutterland betrachten musste. In den 70-er Jahren wurden Forscher aus der DDR nach Ungarn geschickt, so sammelten Axel Hesse Volkslieder und Kurt Petermann Volkstänze. Am Nachmittag wurde aus dieser Sammlung eine Aufnahme gezeigt, eine Mazurka von der Tschepele-Insel.
Choreograf Simon Kishegyi jun., gab den Tanzgruppen fachliche Ratschläge, wie sie sich auf die Auftritte vorbereiten sollen, worauf sie bei der Aufführung achten sollen: Auf die passenden Trachten, Musik, Bühnenerscheinung, die Übereinstimmung der Kapelle und der Tänzer. Die eigene Tracht und Zubehör sollen Teil der komplexen Erscheinung sein. Er betonte noch, die Persönlichkeiten sollten trotz der geschlossenen Choreografie Raum erhalten, aber noch wichtiger wäre, dass die Gruppen aufeinander Rücksicht nehmen und die Produktionen von einander ansehen sollten.
Nach dem feinen Mittagessen kamen die Aufwärmeübungen und der Tanzunterricht. László Nagy brachte Polkavarianten aus Maratz, Simon Kishegyi jun. Polkavarianten aus Nadwar und Ländlervarianten bei. Zum Schluss zeigte Ildikó Szeltner-Winhardt Tanzschritte der Mazurka von der Tschepele-Insel anhand der Sammlung von Kurt Petermann. Simon Kishegyi jun. spielte die Tanzmusik auf Akkordeon dazu.
Andreas Zwick, Vorsitzender des Kulturausschusses des Verbandes der Selbstverwaltungen in Nordungarn e.V. und stellvertretender Vorsitzender der Tanzsektion des Landesrates, bedankte sich bei den Vortragenden und Teilnehmern für die aktive Mitwirkung.
Ildikó Szeltner-Winhardt schloss die bunte Fachtagung mit einer guten Nachricht: 2019 findet fünfmal ein ungarndeutsches Tanzhaus statt, damit soll eine Tradition begründet werden.
Die erfolgreiche Fachtagung förderten die folgenden Institutionen: Sándor Csoóri Grundprogramm, Selbstverwaltung der Gemeinde Großkowatsch, Deutsche Selbstverwaltung Großkowatsch, Deutsche Selbstverwaltung des Komitats Pesth. Fachlicher Partner war der Volkskunstverband Elemér Muharay.
Mária Scherzinger













