default @de„Jedes Opfer bedeutet einen Schritt auf dem Weg zur Freiheit“

„Jedes Opfer bedeutet einen Schritt auf dem Weg zur Freiheit“

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Eine informationsreiche Führung
durch eine sehenswerte Ausstellung

Im Juli hat das Heimatmuseum in Wudersch von Univ.- Prof. Dr. Erhard Hartung, dem emeritierten Kurator der Laurin-Stiftung, einen Brief und einen Ausstellungskatalog mit Flyer zu der Ausstellung „BAS – Opfer für die Freiheit“ in Bozen/Südtirol bekommen. Er hat mit großem Interesse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Bericht über das Wuderscher Jakob-Bleyer-Heimatmuseum gelesen (24. 7. 2019). Die Dauerausstellung in Bozen, mit dem bezeichnenden Namen „BAS (Befreiungsausschuss Südtirol) – Opfer für die Freiheit“ dokumentiert das Geschehen der 1960er Jahre in Südtirol.

BAS

Verlorene Heimat – Der Konflikt hat seinen Ursprung in der Besetzung Südtirols durch Italien (November 1918) und der faschistischen Machtübernahme in Italien (1922). Am 15. Juli 1923 präsentierte Ettore Tolomei die „Maßnahmen zur Italianisierung Südtirols“, was mich an die Magyarisierung und ein Schwarz-Weiß-Foto im Ausstellungskatalog über Südtiroler Schüler in italienischer Schuluniform an das ungarische Schulgesetz Lex Apponyi erinnert hat. Die Maßnahmen der faschistischen Regierung unter Benito Mussolini zur Italianisierung und Majorisierung durch die Massenzuwanderung von Italienern, später die zwischen Hitler und Mussolini ausgehandelte Option „Bleiben oder gehen“ (Oktober 1939) verursachten der Südtiroler Bevölkerung große Konflikte, ähnlich wie bei den Ungarndeutschen im Zweiten Weltkrieg die (Zwangs)Rekrutierungen. Alle mussten auf die Frage Antwort geben: „Wer bin ich – Deutscher oder Italiener? Deutscher oder Ungar?“ Die Betroffenen konnten diese Frage nicht beantworten, denn sie waren Südtiroler und Ungarndeutsche mit deutscher Muttersprache und ihre Heimat war Südtirol und Ungarn.

Befreiungsausschuss Südtirol – Nach 1946 setzte Italien die Politik der Majorisierung fort, was zur Landesversammlung auf Schloss Sigmundskron (November 1957) und zur Gründung des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) führte. Ziel aller BAS-Aktivisten war, etwas für die Verbesserung der Situation der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols zu erreichen. In der Ausstellung werden BAS-Aktivisten und ihre Sympathisanten aus Südtirol, Österreich und Deutschland vorgestellt. Man liest über Südtiroler, die verhaftet und an den Folgen der Folterungen durch die italienische Polizei gestorben sind. Wir können Objekte kennenlernen wie eine Kartentasche, Kissen mit Tiroler Adler, eine Windjacke, die die BAS-Aktivisten bei ihren „Einsätzen“ verwendeten oder Handschellen der Sicherheitskräfte. Das Transparent „Südtiroler harret aus!“, das 1959 beim Festumzug in Innsbruck von jungen Nordtirolern mitgetragen wurde, oder Flugblätter „Tiroler! Selbstbestimmung für Südtirol!“ aus dem Jahr 1961 veranschaulichen, wie Freiheit und Selbstbestimmung auf friedlichem Wege gefordert wurden.

Der „Südtirol-Konflikt“ – Nach vielen Kundgebungen, nach ergebnislosen Verhandlungen beschlossen die Vertreter des BAS, den politischen Widerstand durch Anschläge gegen die Symbole der italienischen Staatsmacht bei unbedingter Schonung von Menschen durchzuführen. Bei der „Feuernacht“ – der größten konzentrierten Aktion des BAS – vom 11. auf den 12. Juni 1961 wurden etwa 37 Strommasten gesprengt. Über die Feuernacht und die weiteren Folgenächte berichteten die „Tiroler Nachrichten“ und die „Dolomiten“. Nach den Anschlägen wurden von der italienischen Polizei BAS-Aktivisten verhaftet, schwer gefoltert, ermordet: In den 1960er Jahren kamen mindestens 35 Personen beim Südtirol-Konflikt ums Leben und zahlreiche Personen wurden verletzt. Südtirol glich bis 1970 einem „Heerlager“. In der Ausstellung können die Besucher viele Fotos, Aufnahmen über den Einsatz italienischer Soldaten, der Carabinieri, der Guardia di Finanza und des Heeres in Südtirol in den 1960er Jahren sehen.

Selbstbestimmung für Südtirol – Das „Südtirol-Paket“ (Abschluss 1969) und das „Zweite Autonomiestatut“ (1972) waren das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen zwischen Österreich und Italien.

Besuchen Sie – persönlich oder virtuell – diese Ausstel- lung „BAS – Opfer für die Freiheit“ (Lauben 9 Via Portici, Bozen). Weitere Informationen unter www.bas.tirol

Dr. Kathi Gajdos-Frank
Direktorin, Jakob-Bleyer-Heimatmuseum Wudersch

Quelle: Ausstellungskatalog zur Dauerausstellung „BAS – Opfer für die Freiheit“, Bozen 2018

Foto: BAS l Opfer für die Freiheit

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