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„Ein Stück aus der alten Heimat“

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Zu Besuch im „schwäbischen Elfengarten“
von Bálint Varga in Frauendorf

Bálint Varga ist 38 Jahre alt, wohnt in Frauendorf/Dunakiliti. Ich habe ihn auf der Jugendkonferenz der LdU 2019 in Wesprim kennengelernt und zum ersten Mal über sein besonderes Vorhaben gehört. Er sammelt nämlich alte Apfel- und Birnensorten aus den deutschsprachigen Ländern, vor allem die Donau entlang, und holt sie in sein Heimatdorf. Seitdem ist in seinem Garten ein „schwäbischer Elfengarten“ entstanden und er arbeitet heutzutage auch an einem großartigen „Streuobstwiese-Projekt“. Ich hatte kaum eine Ahnung, was Bálint ganz genau macht, auch deshalb habe ich seine herzliche Einladung gerne angenommen, um ein nterview mit ihm zu führen.

Balint Varga2

Bálint, es ist ja einzigartig, was ich alles heute bei dir in Frauendorf gesehen habe, es hat mich wirklich beeindruckt. Erzähl mir ein bisschen über deine deutschen Wurzeln!
Ich bin in einer ungarndeutschen Familie aufgewachsen. Meine Familie väterlicherseits, die Langs, stammt aus Wieselburg, sie siedelte Anfang des 20. Jahrhunderts nach Püski um. Unser Urgroßvater, Johann Lang, lebte dort, meine Großmutter, Theresia Lang, ist auch aus Püski. Die Erzählungen meines Vaters, was er da bei den Großeltern erlebt hat, wie tüchtig sie als Ungarndeutsche ihr Leben geführt haben, bedeutete viel für mich und prägt meine Identität bis heute. Meine mütterliche Seite, die Familie Taschek, kommt aus Preßburg, da ist die Linie meiner Urgroßmutter, mein Urgroßvater hieß Hans Varga, sie betrieben damals eine Bäckerei.

Was machst du in deinem Alltag?
Ich habe eigentlich ein Metallbauunternehmen in Preßburg, aber in der letzten Zeit interessiere ich mich mehr für Pomologie, das heißt, ich beschäftige mich mit alten Apfel- und Birnensorten.

Schwaebischer Elfengarten

Was bedeutet konkreter diese Beschäftigung mit diesen Sorten? Woher kam deine Motivation?
Sie kommt einerseits von meinem Vater. Er hat angefangen, in unserer Gegend die Traditionen neu zu beleben, er hat im Dorf ein Heimatmuseum gegründet. Andererseits waren im Garten meiner Resi Oma noch viele alte Obstsorten zu finden, zum Beispiel Pogatscherläpfel, die wir damals bei der Ernte gemeinsam gepflückt haben. Mein Vater hat mir viel über diese alten Sorten erzählt, die bei uns fast schon ausgestorben sind, obwohl unsere Gegend einst eine berühmte Obstbauregion war. All dies hat einen großen Eindruck auf mich gemacht und angeregt, später diese Initiative selber zu ergreifen.
Der entscheidende Punkt war, als ich 2007 an einer Paddeltour von Ingolstadt bis zum Eisernen Tor teilgenommen habe. Unterwegs auf diesem „Urschwabenweg“ entlang der Donau habe ich viele solche Streuobstwiesen gesehen, die vielleicht schon bei der Schachtelfahrt unserer Ahnen da waren. Nach der Tour habe ich beschlossen, diese Obstkultur in Ungarn wieder zu beheimaten. Also bei späteren Reisen nach Deutschland und Österreich habe ich diese Streuobstwiesen näher begutachtet, viele alte Obstsorten mit nach Hause gebracht und in Frauendorf einen „schwäbischen Elfengarten“ praktisch eine Baumschule angelegt. Heute habe ich schon etwa 280 Obstsorten.

Für die Leser kann Streuobstwiese neu klingen. Was steckt hinter diesem Begriff?
Das ist eine Wiese, wo z. B. Viehhaltung oder Heubau gewesen war und dort waren meistens auch aus natürlichen Gründen hochstämmige Obstbäume mit großer Krone zu finden, selbstverständlich zerstreut. Das war also auf keinen Fall eine Obstplantage. Die Bäume wurden natürlich nicht gespritzt, die Ernte war absolut Bio.

In Frauendorf machst du jetzt ein „Streuobstwiese-Projekt“. Für mich bedeutete vielleicht das größte Erlebnis die „schwäbische Safari“ in den Donau-Auen.
Ich habe auf meinen Reisen Edelreiser geschnitten und sie hier bei uns in den Auen in 180 Wildbirnen- und Wildapfelbäume veredelt. Das war ein langer Prozess bis ich das Ganze geschafft habe, aber ab diesem Jahr unterstützt mich der örtliche Jagdverein dabei, weil sie das vorteilhaft finden für das Ökosystem der Auenwälder. Diese Bäume sichern nämlich mehr Nahrung für die Wildtiere und auch die Zahl der Bodenorganismen vervielfacht sich.

Donau-Auen bei Sonnenuntergang

Was wäre noch ein Ziel für dich für die Zukunft?
Diese Obstkultur will ich verbreiten und mit Pflanzung dieser historischen Baumsorten ein Beispiel zeigen. Es wäre so schön, in unseren Ortschaften, neben den Feldwegen, diese früher typischen Obstsorten wieder zu sehen, das gehört ja zum normalen Ökosystem, zu der Diversität, und diese Bäume verkörpern einfach auch ein Stück Erde aus der alten Heimat. Also wenn jemand dabei in ungarndeutschen Kreisen fachliche Hilfe braucht, ich stehe immer gerne zur Verfügung. Ich kann auch deutschsprachige Beschreibungen über die Sorten zuschicken.

Vielen Dank Bálint für deine Einladung und für die Antworten! Einige Obstbäume sind schon für Hartian bestellt.

Martin Surman-Majeczki

Die Erreichbarkeit von Bálint Varga: wbk.design@gmail.com

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