SchnellnachrichtenGroßangelegtes Projekt zum Erhalt ungarndeutschen Kulturguts wird fortgesetzt

Großangelegtes Projekt zum Erhalt ungarndeutschen Kulturguts wird fortgesetzt

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Das Wörterbuch der ungarndeutschen Mundarten (WUM) ist ein landesweites lexikographisches Projekt, das die Erfassung des Wortschatzes der deutschen Nationalität in Ungarn zum Ziel hat. Verwirklicht wird das Projekt vom Germanistischen Institut der Loránd-Eötvös-Universität (ELTE) in Zusammenarbeit mit der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), durch die Finanzierung des Ungarischen Wissenschaftlichen Fonds (OTKA), außerdem sind die Fakultät für Erzieher- und Grundschullehrerbildung (ELTE TÓK), sowie das Germanistische Institut der Universität Pécs (PTE) und das Institut für Germanistik der Universität Szeged (SZTE) in die Arbeit eingebunden. Leitende Wissenschaftlerin des WUM-Projekts war in der ersten Phase zwischen 2010-2015 die renommierte ungarndeutsche Germanistin, Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi (ELTE). Die Leitung der zweiten Phase ab 2023 übernahm die ungarndeutsche Sprachwissenschaftlerin Dr. Márta Müller (ELTE).

Die Sprachinselforschung der ungarndeutschen Dialekte geht bereits auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Die Wichtigkeit der Kodifizierung des ungarndeutschen Wortschatzes führte erstmals Dr. Anton Tafferner um 1941 in den wissenschaftlichen Diskurs ein. Sein Gedanke wurde in den 1960er Jahren von Dr. Karl Mollay und Dr. Claus Jürgen Hutterer weitergeführt, die bereits die Erstellung einer Datensammlung in Form eines Sprachatlasses nach dem Vorbild von Dialektwörterbüchern im deutschen Sprachraum und die Anlegung eines Tonarchivs forderten.

Das Sprachatlas-Projekt konnte seitdem bereits verwirklicht werden: Der Ungarndeutsche Sprachatlas* (2008; 2012), Hrsg. Maria Erb, Koloman Brenner, Karl Manherz, Heinrich J. Dingeldein, ist bis heute ein unumgängliches Grundwerk für alle, die die ungarndeutschen Dialekte kennenlernen oder erforschen möchten. Seine Besonderheit stellt die individuell für das Projekt entwickelte Kartierungsmethode dar, sodass er neben dem sprachwissenschaftlichen Nutzen auch für anderweitige Forschungszwecke unterschiedlicher Wissenschaften gebraucht werden kann, und außerdem muss auch auf seinen bedeutenden kulturhistorischen Wert hingewiesen werden.

Mit der Zeit wurde auch die Dringlichkeit der Erstellung eines umfassenden Wörterbuchs immer größer, da man von einem starken Rückgang der Dialektkompetenzen der Sprecher ausgehen musste. Mit einer Unterstützung des Ungarischen Wissenschaftlichen Fonds (OTKA) konnte mit dem vorgesehenen Wörterbuchprojekt schließlich 2010 begonnen werden. Die Zielsetzung war damals, den Wortschatz jener mittel- und oberdeutschen Siedlungsmundarten zu dokumentieren, die auf dem Gebiet des heutigen Ungarns gesprochen werden. Den Korpus des Wörterbuchs bildete der vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart gesprochene bäuerlich-handwerkliche Wortschatz der Ungarndeutschen. An der Datenerhebung der ersten Projektphase zwischen 2010 und 2015 waren Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi (Projektleitung), Dr. Maria ErbProf. Dr. Regina HesskyDr. Éva MárkusDr. Márta Müller (ELTE) und Prof. Dr. Katharina Wild (PTE) beteiligt. Als Ergebnis konnten nach einem individuell ausgearbeiteten Kodifizierungsprinzip in der ersten Projektphase um die 800 Probeartikel in die Datenbank aufgenommen werden.

Das Projekt kam 2023, dank einer bewilligten OTKA-Unterstützung, in die zweite Phase. Das Forschungsteam setzt sich auch diesmal aus etablierten Fachleuten mit einem Hintergrund in Dialektologie und Lexikographie sowie Doktoranden zusammen. Die Projektleitung übernahmen Dr. Marta Müller und kooptiert Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi. Für die unterschiedlichen lexikographischen Bereiche wurden Arbeitsgruppen gegründet. Die erste ist für die Anlegung und Struktur der Datenbank zuständig, beteiligt sind Dr. Marta Müller und Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi und Doktorand István László Szívós. Die zweite Arbeitsgruppe ist mit der Bearbeitung der Illustrationsdatenbank beauftragt, Mitarbeitende sind: Dr. Ágnes Hornyák-Huber (ELTE) und Dr. Krisztina Gombkötő-Kemény (PTE). Die dritte Arbeitsgruppe, bestehend aus Dr. Éva Márkus (ELTE TÓK) und Dr. Gábor Kerekes (ELTE), ist für die Sammlung und Bearbeitung der literarischen Belege zuständig, außerdem wirken seitens der Universität Szeged Dr. Péter Kappel sowie die Doktoranden des Germanistischen Instituts der ELTE Illés Nagy, Viktória Nagy, Elisabeth Putterer, Gabriella Sós und Szimonetta Waldhauser bei der Datenverarbeitung mit.

Um die Ausweitung der Datenerhebung auf Landesebene sichern zu können, kam heuer eine Kooperation mit der LdU zustande, die von der LdU-Vorsitzenden Ibolya Hock-Englender seit Beginn voll unterstützt wird. Mit dem Titel Wort für Wort startet demnächst ein Aufruf an die deutschen Selbstverwaltungen in Ungarn, der Mitglieder und Sprachinteressierte über das Projekt und die Teilnahmemöglichkeiten informieren wird. Die LdU entwickelt für diesen Zweck eine eigene App, durch die die Teilnehmenden Sprachdaten werden einsenden können. Das Projekt zielt nicht nur auf Datenaufnahme ab, die sich registrierenden deutschen Selbstverwaltungen werden ebenfalls von der Zusammenarbeit profitieren: „Die in der App registrierten Sammler der örtlichen deutschen Selbstverwaltungen werden zum Schluss alle Daten ihres eigenen Dialekts digital bearbeitet zurückerhalten und bekommen somit die Möglichkeit, eigene, qualitativ hochwertige Ortswörterbücher herauszugeben” – teilte Projektleiterin Dr. Márta Müller mit.

Das WUM ist zweifelsohne eines der einzigartigsten Sprachprojekte in der ungarndeutschen Wissenschaftlichkeit, da einerseits die Dokumentierung von ungarndeutschen Dialekten wegen des voranschreitenden Sprachverlustes durch die Assimilation eine der wichtigsten Anliegen unserer Zeit ist, andererseits hat es auch zum Ziel, die lexikographische Dokumentation der nur gesprochenen Arealsprachvarietäten unter Einbeziehung linguistischer, ethnographischer und kulturgeschichtlicher Daten festzuhalten. Das wertvolle Material, das durch die Zusammenarbeit von Fachexperten und linguistischen Laien zusammengetragen wird, wird neben dem linguistischen Nutzen langfristig als reiche, zuverlässige Quelle für Sprachwissenschaftler, Historiker und Ethnographen sowie auch für Pädagogen, Studenten, Dialektforscher und allen Sprachinteressenten im In- und Ausland dienen. Hauptziel der gegenwärtigen zweiten Projektphase ist die Erstellung eines digitalen Wörterbuchs in Form einer benutzerfreundlichen Online-Datenbank, die nach Abschluss des Projektes für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Gabriella Sós

*Ungarndeutscher Sprachatlas (UDSA) (2008) Südungarn. Erster Halbband. Hg. von Maria Erb, Koloman Brenner, und Karl Manherz. Budapest: ELTE Germanistisches Institut.

Ungarndeutscher Sprachatlas (UDSA) (2012). Südungarn. Zweiter Halbband. Hg. von Maria Erb in Zusammenarbeit mit Heinrich J. Dingeldein. Budapest: ELTE Germanistisches Institut.

Der Ungarndeutsche Sprachatlas ist auch im Bestand der Ungarndeutschen Bibliothek (Dachgeschoss des Hauses der Ungarndeutschen – 1062 Budapest, Lendvay Str. 22.) zu finden!

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