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„Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin, deswegen muss ich nächstens wieder hin“, heißt es in einem bekannten Lied über die deutsche Hauptstadt. Der 1992 gegründete Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) hinterließ Reisegepäck in Berlin, denn zum 25-jährigen Jubiläum 2017 wurde eine Ausstellung im Botschaftsgebäude der Republik Ungarn gezeigt. Während Budapests Partnerstadt Berlin eher durch die Teilung in die neueste Geschichte einging und für immer in Erinnerung bleiben wird, feiert heuer die Metropole an der Donau 150. Geburtstag und somit war ein Aufhänger für die Schau im Collegium Hungaricum Berlin (CHB) gegeben.
Der Titel der Ausstellung war – wie bereits 2022 im Liszt-Institut Stuttgart – in Bewegung, dies trifft auf VUdAK besonders zu. Denn VUdAK war immer in Bewegung, stets auf Achse – unzählige Ausstellungen im In- und Ausland belegen dies, vor allen Dingen in Deutschland hatten unsere bildenden Künstler oft die Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren: Berlin, Ulm, Regensburg, München, Düsseldorf, Chemnitz – die Liste ließe sich fortsetzen.
Die Direktorin des CHB, Márta Nagy, machte bei der Vernissage am 14. September in einem Grußwort auf die historische Lage und Geschichte des Collegium Hungaricums aufmerksam. Eva Pénzes, Generalsekretärin der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten, beschwor die Diversität der Werke herauf und betonte die ungarndeutsche Identität. Kunsthistoriker Thomas Schulz, langjähriger Begleiter von VUdAK, hob in seiner emotionalen-persönlichen, aber auch fachlich fundierten Einführung die Bedeutung des Trios Bartl, Lux, Misch hervor. Er zitierte aus dem für die Ausstellungsreihe 1994 zusammengestellten Katalog Johann Wolfarts treffende Worte „Ausbruch der Ungarndeutschen aus dem Folklorismus“. Wolfarts Name ist auch eng mit Berlin verbunden, wo er von 1996-99 als Gesandter und als letzte Station in seinem Leben als Ministerialbeauftragter für den Neubau des CHB tätig war (2002-2004). Trotz der Berlin Art Week vom 13.-17. September mit über 100 teilnehmenden Galerien, Museen und etlichen Programmen (Vernissagen, Konzerten, usw.) kamen in etwa 40 Besucher zur Eröffnung.
Doch was hat der Begriff „In Bewegung”, mit der Betonung auf Bewegung, mit der bildenden Kunst gemein? Wenn man Bewegung im engsten Sinne definiert, als Veränderung der Lage, der Stellung von jemandem oder von etwas, kommt man ins Grübeln. Kann man mit den Mitteln eines Malers, Grafikers oder Bildhauers Bewegung auf dem Bildträger oder mit Skulpturen überhaupt darstellen, vermitteln? Nur begrenzt.
Die meisten VUdAK-Künstler haben sich der Abstraktion verschrieben. Viele von ihnen drücken mit ihren Werken eine geistig-seelische Bewegung aus. Im Falle von Adam Misch sind es oft vertikale und diagonale Linien, die ein geistiges Streben nach oben bedeuten, in eine höhere, transzendente Sphäre. Die Arbeiten von László Hajdú beschäftigen sich oft mit Bewegung im philosophischen Sinne (Panta rhei). Neben den Vertikalen und Diagonalen sind oft kreisförmige Linien für seine Werke bestimmend. Im Falle von Bernadett Breszkovics, János Wagner, Manfred Karsch und Volker Schwarz sind es eher Rührungen, Erregungen, eine innere Bewegtheit – ihre Werke vermitteln oftmals Emotionen. Die Werke von Erzsébet Horváth, Andreas Franke, Julius Frömmel, Jakob Forster, György Jovián, László Kammerlohr-Kováts, Robert König, Csaba Szegedi und Peter Wrobel hatten konkreten Bezug zu Budapest oder zum urbanen Raum. Andere erinnerten durch geometrische Kompositionen und Formen indirekt an das Thema Stadt (Ákos Matzon, Josef Bartl, Ingo Glass, Gábor Kovács-Gombos).
Die Kunstform, die mit bewegten Bildern und Bewegung arbeitet, ist der Film und bezogen auf VUdAK, ist hier Antal Lux auch als Videokünstler zu nennen, dessen Oeuvre ohne diese reiche Werkgruppe kaum vorstellbar wäre. Unter seinem Einfluss wandte sich auch Misch, der erste Vorsitzende der VUdAK-Sektion Kunst von 1992 bis zu seinem Tode 1995, dem Video zu. Seine Arbeiten dieser Art bedürfen nicht nur der Wiederentdeckung, sondern auch der Aufarbeitung, Digitalisierung und der Archivierung. Einige dieser Videos von Lux und Misch hätten der Ausstellung noch mehr Abwechslung gegeben. Nichstdestotrotz hat Ákos Matzon als Kurator eine qualitätsvolle Auswahl getroffen. Berlin bleibt in Bewegung dank VUdAK und hinterlässt nicht nur einen Koffer, sondern auch einen bleibenden Eindruck in Spreeathen. Eine Finissage der Ausstellung ist für den 13. November geplant.
János Wolfart
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Mit Werken von Josef Bartl, Péter Berentz, Bernadett Breszkovits, István Damó, Antal Dechandt, Jakob Forster, Andreas Franke, Julius Frömmel, Ingo Glass, László Hajdú, Erzsébet Horváth, György Jovián, Manfred Karsch, Gábor Kovács Gombos, Robert König, László Kammerlohr-Kováts, Endre Lehel, Erzsébet Lieber, Antal Lux, Ákos Matzon, Adam Misch, Volker Schwarz, Csaba Szegedi, Géza Szily, Zsuzsa Trieb, János Wagner, Péter Wrobel
Kurator: Ákos Matzon, Ehrenvorsitzender der VUdAK-Künstlersektion
Gefördert durch das Ministerpräsidentenamt über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NCIV-KP-1-2023/1-000308)
Die Ausstellung ist bis 10. November im Collegium Hungaricum Berlin, Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin, von Mo.-Fr. von 13-18 Uhr zu sehen (Sa. u. So. geschlossen).
Foto: CHB





