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In unserem Dorf feiern wir seit 20 Jahren regelmäßig das traditionelle Weinlesefest. Dabei haben die Schulkinder schon immer viel Spaß gehabt. So wie früher die meisten Dorfbewohner, machen auch sie im Schulgarten beim Einsammeln von Obst und Gemüse mit. Danach stellen sie die Früchte ihrer Arbeit zur Schau und feiern die gelungene Ernte mit einem Umzug durch das Dorf.
Als wir über das Projekt „Wanderschlüssel“ gelesen hatten, fanden wir, dass das eine wunderbare Idee ist, und wir alle waren der Meinung, es wäre eine Möglichkeit, heuer ein ganz besonderes Fest zu feiern. Durch das Anschließen ans Projekt können unsere Kinder das Gefühl von Zusammengehörigkeit erleben: Es kommt zu uns eine „Schatztruhe” voll mit Schätzen anderen Personen, Kinder und Erwachsenen, die wir auf diese Weise ein bisschen kennenlernen dürfen, und auch wir geben ein Zeichen von uns weiter.
Zu unserer großen Freude wurde unsere Anmeldung angenommen, und gerade zum Tag der geplanten Weinlese. Die Mitglieder der Deutschen Selbstverwaltung, die Lehrer und Schüler, unsere Helfer im Dorf haben schon während der Sommerferien die Vorbereitungen getroffen: Wir haben die Spuren der einstigen Ansiedler aufgespürt – im Wald, auf verlassenen Friedhöfen, an alten Gebäuden, in vergelbten Manuskripten. Und wir haben am Ende aus all diesen ein kleines Heftchen zusammengestellt. Die Damen vom Handarbeitskreis schmückten das Titelblatt mit traditionellen Motiven, die auf unser Heimatdorf hinweisen.
So ist endlich der September gekommen. Die ersten Wochen verbrachten wir schon mit den Vorbereitungen auf den großen Tag. In den Volkskundestunden beschäftigten wir uns mit der Ansiedlung unserer Ahnen aus dem Sudeten-Gebiet, mit ihrem Leben hier, in der neuen Heimat. Viele Kinder haben über dieses Thema auch Zeichnungen gemacht. Die meisten hat das harte Leben mitten im Wald sehr inspiriert. Auf ihren Bildern sehen wir Aschenbrenner, die Bäume fällen, Meilen häufen bzw. die Glashüttenarbeiter beim Glasblasen.
Am Vorabend unseres Festes sind die beiden netten Damen aus Kiskassa mit der Truhe eingetroffen. Die Erzieher und Kinder im Schülerheim haben sie sehr aufgeregt empfangen. Die Truhe wurde feierlich übergeben und im Heim auf ihren Ehrenplatz gestellt.
Am nächsten Tag, am 22. September ging es mit großem Eifer los. Die Jungen der Oberstufe haben schon früh mit dem Mahlen und Pressen von Trauben angefangen. Inzwischen schmückten die Mädchen die Traubenkrone, während die Kleinen herbstliche Dekorationen bastelten.
Nach dem Frühstück haben die Klassen unsere kleine Ausstellung besichtigt. Da war natürlich die Truhe mit dem Schlüssel und den vielen schönen Heftchen, Papierrollen, Spielzeugen usw. im Mittelpunkt. An der Wand waren die Zeichnungen unserer Schüler über das Leben der Ahnen zu besichtigen.
Wir durften noch schnell den frischgepressten Most probieren, dann war es schon an der Zeit, sich zum Aufzug aufzustellen. Vorne die größeren Jungs mit der Traubenkrone, danach die anderen mit hölzernen Gartengeräten, Schubkarren in der Hand, danach die Kindergartenkinder. Ihnen folgten die Schulkinder in der Tracht und die Erwachsenen. Wir gingen zuerst die Petőfi Straße entlang auf den Elisabeth-Platz. Hier, am Denkmal der Verschleppten und Vertriebenen begann unsere Gedenkfeier. Zunächst haben wir eine kleine Vorführung der Schulkinder angeschaut: Sie haben unsere herbstliche Stimmung mit schönen Gedichten untermalt, dann ungarndeutsche Volkstänze vorgeführt. Mitglieder der Ungarndeutschen Selbstverwaltung haben am Denkmal ihren Kranz niederlegt, die Kinder kleine Lichtlein angezündet. Unser Pfarrer, Hochwürden Dr. Zsolt Rosner hat in seiner Rede an die Kinder in Zusammenhang mit der Ansiedlung und das harte Leben der Kolonisten die Wichtigkeit des Zusammenhaltens, der gegenseitigen Hilfe betont. Anschließend hat die Leiterin der Selbstverwaltung über die Idee des Projekts zum 300. Jubiläum, über den Weg des Wanderschlüssels gesprochen, dann hat sie unseren Beitrag feierlich in die Truhe gelegt.








Unser Zug ging danach in etwas lockerer Stimmung die Hauptstraße entlang weiter. Viele Dorfbewohner standen am Tor, haben uns angesprochen, uns zugewinkt. Einige Hausfrauen haben den müden Kindern auch etwas Kuchen und Limonade angeboten. So gestärkt konnten wir den etwa 2 km langen Marsch locker meistern. Gegen Mittag sind wir wieder in der Schule angekommen, wir hatten einen besonders erlebnisreichen Vormittag hinter uns.
Éva Szubotics





