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Herta Müller, die rumäniendeutsche Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin, feierte 2023 ihren 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde mit Schülern ihres ehemaligen Gymnasiums, des Lenau-Lyzeums in Temeswar, ein Kurzfilm gedreht, der am 21. Februar im Rahmen der Veranstaltungsreihe Zentrum-Programme im HdU im Haus der Ungarndeutschen gezeigt wurde.
Die Inspiration für den Film wurde jedoch nicht nur durch den runden Geburtstag der Autorin inspiriert. Laut Regisseurin Brîndușa Armanca sei bei den Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt Europas 2023 in Temeswar der Name Herta Müller nicht erwähnt worden. Dies war der Hauptgrund für sie und Judit Klein, mit den Dreharbeiten zu beginnen.
Im Film lernen wir die deutsche Minderheitengemeinschaft von Herta Müllers Heimatdorf Nitzkydorf mit den Augen zweier 17-jähriger Schüler kennen, und gleichzeitig wird die Wahrnehmung der Autorin damals und heute offengelegt. Es wird uns klar, dass diejenigen, die dort leben, nur das wissen, dass Herta Müller in dem Dorf gelebt hat, hier zur Schule gegangen ist und den Nobelpreis bekommen hat, aber meistens erinnern sie sich nur daran, dass sie nie wieder hierher zurückgekehrt ist. Eine unscheinbare Tafel an der Wand ihres Geburtshauses, die im Laufe der Jahre mehrmals abgenommen und wieder angebracht worden ist, weist darauf hin, wer hier einmal gewohnt hat. Auch der jetzige Bewohner des Hauses steht in keiner Weise mit Herta Müller oder ihrer Familie in Verbindung. All jene, die ihre Werke kennen, wissen, warum sie ihre Heimat nie wieder besucht hat. Auch die deutsche Gemeinschaft im Dorf begann in den 1980er Jahren zu schrumpfen, und heute gibt es nur noch eine Familie, für die einmal im Jahr in der verfallenen Kirche eine Messe gehalten wird.
Es ist jedoch ermutigend, dass es in Temeswar eine begeisterte Literaturlehrerin gibt, die die Schüler dazu anregt, Herta Müllers Werk und Persönlichkeit zu schätzen und kennenzulernen. Auch in ihrem Heimatdorf ist ihr Vermächtnis nicht ganz in Vergessenheit geraten. Dort werden ihr Notenbuch, ihr Akkordeon und die verschiedenen Ausgaben ihrer Werke in der Bibliothek der örtlichen Grundschule aufbewahrt. Der Namensgeber der Bibliothek, Balthasar Waitz, kennt Herta Müller persönlich und konnte dabei helfen, Veranstaltungen zu ihren Ehren zu organisieren.
Das Podiumsgespräch mit Brîndușa Armanca und Judit Klein im Anschluss an die Filmvorführung moderierte die zeitgenössische ungarndeutsche Autorin Angela Korb. Sie diskutierten über das aktuelle Leben der deutschen Minderheit in Temeswar, warum der Name der Schriftstellerin bei den Kulturhauptstadt-Feierlichkeiten nicht vorgekommen war, und über ihre früheren persönlichen Begegnungen mit Herta Müller.
Der Film ist sehr eindringlich, da wir durch die Naivität zweier junger Menschen in einem von den Deutschen verlassenen Dorf den Spuren eines sagenumwobenen Namens folgen, von dem in Wirklichkeit nur noch verstreute Erinnerungsfragmente übrig sind.
Fanni Elekes
Foto: Ludwig Grund
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Organisator:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Förderer der Veranstaltung:
Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Ministerpräsidentenamt über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2024/3-000590)




