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Die alte Ratsche klappert wieder 

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Kurz nach Ostern 2023 machte mich Richard Keil, Kirchenbeirat in Niklo/Dunaszentmiklós, darauf aufmerksam, dass auf dem Dachboden der Kirche eine alte, große Ratsche in sehr schlechtem Zustand liegt. 

Mein Vater erzählte öfters, dass er und seine Freunde als Kinder im Kirchenturm geratscht hatten, aber ich kann mich nur noch daran erinnern, dass die Jungen in den 70er und 80er Jahren mit Handrasseln durch das Dorf gelaufen sind. Dann starb bei uns auch diese Tradition aus. Ich dachte, dass bei der Dachsanierung und in den vielen Jahren die große Ratsche verloren ging. Zum Glück war das nicht der Fall… 

Ich versprach vor einem Jahr, dass ich die Ratsche reparieren lassen werde, koste es, was es wolle, damit das besondere alte Instrument wieder erklingt und die Dorfbewohner dieses Jahr zu Ostern zum Gebet ruft. 

Es ist allgemein bekannt, dass die Glocken zu Ostern nach Rom fliegen. Vom Gründonnerstag bis zur Auferstehung Christi werden die Kirchenglocken nicht geläutet. Früher wurden die Glocken benutzt, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Zur Osterzeit ratschten die Jungen morgens, mittags und abends, anstelle des Glockenklanges. 

Vor ein paar Wochen wurde mit der Restaurierung der Ratsche begonnen. Eine gründliche Reinigung ergab, welche Teile zurückgebaut werden können und welche leider nicht mehr zu reparieren waren. Glücklicherweise sind die wichtigsten Teile, die Hämmer und die Ratsche, aus Hartholz und haben die Stürme der Zeit gut überstanden. Der Kiefernholzrahmen und die Spannleisten waren jedoch morsch, porös und gebrochen. Sie mussten ersetzt werden. 

Es war nicht leicht, einen Schreiner oder einen Hobbytischler zu finden, der die Restaurierung des Gerüsts übernehmen wollte. Ich klopfte bei mehreren Fachleuten an, aber keiner traute sich das zu. Bis ich einen Bekannten fand, eine Art Heimwerker, der sich gerne mit alten Gegenständen beschäftigt und sich auch mit Holz auskennt.

Als Dávid Bazsó, der Hobby-Restaurator aus Császár, die Konstruktion zerlegte, fand er auf der Innenseite eine Inschrift: Felső Tata. Leider wurde weder ein Datum noch ein Hinweis auf den Originalhersteller gefunden. Die Inschrift befand sich auf der Innenseite der unteren Planke, die unbrauchbar geworden war und nicht repariert werden konnte. Ich bat den Meister, die Bretter aufzubewahren. Sie werden später im Heimatmuseum ausgestellt.

Die Wiederherstellung des Gerüstes dauerte etwa einen Monat. In mühevoller Feinarbeit reparierte er die beschädigten Teile, fertigte den neuen Rahmen aus Eiche an und behandelte das Holz. Sie wird dem Dorf hoffentlich noch 50 bis 100 Jahre lang dienen. 

An beiden Enden des Aufbaus befinden sich zwei verschiedene Arten von Klappen, die jeweils mit einer anderen Technik rattern. Es werden zwei Personen benötigt, um sie zu betätigen. Die Hämmer werden durch ein Zahnrad angehoben und schnappen dann zurück, um ein Klappergeräusch zu erzeugen. Wenn das kleinere Zahnrad gedreht wird, stützen die Lamellen gegen das Rad, wodurch das Geräusch entsteht. Dieser Teil ist einer Handratsche ähnlich. Nach den ersten Probedrehungen ist es sehr wahrscheinlich, dass man das Ratschen in jedem Winkel des Dorfes hören wird. 

Während der Renovierung suchten wir nach Ratschsprüche, die im Dorf gesagt wurden.

Edit Hartmann kannte einen Spruch: Mia ratschn, mia ratschn trei rodi Aar, wann’s uns seichs weißi kepst, nemme’s a. Das sagten die Kinder beim letzten Ratschen, als sie durch die Straßen des Dorfes zogen, um von den Dorfbewohnern ihre „Bezahlung“ einzusammeln. Sie machten mit ihren Handratschen Lärm und sammelten bunte oder weiße Eier in einem großen Korb.

Es gab auch ungarische Verse und Fragmente in deutscher Sprache, sodass wir den Spruch zum Gebetaufruf ungefähr rekonstruieren konnten: Mia ratschn, mia ratschn, zen einglischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Follt’s niede, follt’s niede auf eure Knie, bet’s an Vaterunser und trei Avemarie.

Die Renovierung ist erfolgreich abgeschlossen. Wenige Wochen vor Ostern konnte die große Ratsche wieder ihren Platz im Kirchturm einnehmen. Ich hoffe, dass es immer wieder junge Gläubige, Ratschbuben geben wird, die zu Ostern ratschen werden und diese Tradition weitergeben. 

EWB

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