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Unsere Nationalitätenschule befindet sich in Kalocsa, einer Kleinstadt in Südungarn, nicht weit von der Donau. Die Stadt hat eine mehr als 1000 Jahre alte Geschichte. König Stephan I. hat hier ein Erzbistum gegründet, und der Erzbischof wohnt auch heute noch in dieser Stadt. In Kalocsa gibt es insgesamt fünf Grundschulen, aber nur in einer wird Deutsch als Nationalitätensprache unterrichtet, mit etwa 540 Schülern. Ich arbeite hier als Lehrerin im Nationalitätenprogramm. Die Kinder haben fünf Deutschstunden und eine Volkskunde pro Woche. In den Klassen der Unterstufe sind die Kinder noch sehr motiviert und sehr offen.
Jedes Jahr im Januar veranstalten wir eine Nationalitätenwoche, in deren Rahmen wir der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn gedenken. Heuer wurden die Schüler morgens in der Schule mit schwäbischer Musik begrüßt, danach gab es Radiosendungen, in denen Schüler der achten Klasse über die Umsiedlung und die Umstände der Vertreibung berichteten.
Eine der besten Aktivitäten der Nationalitätenwoche ist das gemeinsame Tanzhaus. Kinder und Lehrer können Volkstracht tragen und zu schwäbischer Musik tanzen. Es macht jedem viel Spaß.
Wir hatten in dieser Woche zwei zentrale Themen: eines davon war die Ulmer Schachtel. Schüler der Unterstufe (erste, zweite und dritte Klasse) bastelten Ulmer Schachtel aus Papier und Pappe. Diese wurden auf Leinwänden gezeigt und auf Tischen im Flur ausgestellt.
Das zweite Hauptthema war der Wanderschlüssel. Am Montag, dem 29. Januar 2024 kam dieser in seiner schicken Truhe in Kalocsa an. In jeder Grundschule legten die Kinder etwas in die Truhe (z. B. ein selbstgemaltes Bild, Fotos, usw.) und so ging die Truhe weiter in die nächste Stadt oder ins nächste Dorf. Der Wanderschlüssel und die Truhe erinnerten uns an die Geschichte der Ungarndeutschen, die vor rund 300 Jahren aus Deutschland nach Ungarn ausgewandert waren. Dies ist ein wichtiger Teil in der Geschichte, wir alle sollten uns daran erinnern können.
Auch die Deutsche Nationalitätengrundschule Gyula Fényi in Kalocsa nahm an dem Wanderschlüssel-Projekt teil. In unserer Schule können alle Kinder die „Schwabenecke” eine ganze Woche lang besuchen, wo wir die Kunstwerke ausstellten, die die Kinder selbst gemacht hatten.
Während der Woche fanden zwei Veranstaltungen statt. Erzsébet Grőb geb. Gottschall aus Hartau/Harta und Júlia Sipos geb. Hermanutz aus Nadwar/Nemesnádudvar erzählten uns von ihren deutschen Wurzeln: Dank Tante Erzsike hatten wir auch ein „Mini-Museum” über Hartau bekommen. Sie war so nett und hat uns für unsere Nationalitätenwoche viele Stücke aus dem Museum gegeben.
Während der Nationalitätenwoche wurde ein authentisches Museum für die Kinder gebaut. Die Kinder konnten hier alte Küchenutensilien, alte Kleidungsstücke und Möbel sehen. Von zu Hause brachte ich einen Tannenbaumzweig mit, und schmückten wir ihn mit traditionellen Dekorationen wie z. B. mit getrockneten Früchten (Pflaumen, Aprikosen, Feigen) und Popcorn.
Die Schüler der vierten Klasse erzählten über ihre Erfahrungen und Erlebnisse, die sie während des einwöchigen Deutschcamps im Oktober 2023 in Nadwar gesammelt hatten. Die Siebtklässler konnten auf einem Plakat ihre Erfahrungen aus Deutschland darstellen. Sie hatten nämlich dank eines Austauschprogramms eine Woche in Kirchheim unter Teck verbracht.
Zuletzt möchte ich meine Gedanken zusammenfassen, warum eine Projektwoche eine sehr gute Idee ist: Die Kinder haben mehr Spaß am Lernen als in einer normalen Unterrichtsstunde, und bekommen hier keine Hausaufgaben, es gibt keine Tests. Weitere Vorteile sind noch, dass sie ihre Selbständigkeit, die Teamfähigkeit und ihre Kreativität entwickeln, und sie ihre eigenen Ideen einbringen und am Ende alles selbst präsentieren können.
Alexandra Baranyai



