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„Erinnern ist Pflicht, Verstehen ist Chance, um die Schrecken der Vergangenheit nicht noch einmal geschehen zu lassen“

In Fünfkirchen gedachte man
der vor 80 Jahren in die Sowjetunion deportierten Deutschen
aus der Branau

Am 25. November, dem Gulag-Gedenktag, fand in Fünfkirchen eine mit Kranzniederlegung verbundene Gedenkveranstaltung statt. Veranstalter der Erinnerungsfeier für die in die Sowjetunion deportierten Ungarndeutschen aus dem Komitatssitz der Branau und seiner Umgebung war der Nationalitätenkreis der Ungarndeutschen in Fünfkirchen-Branau am Deportationsdenkmal des Bildhauers Franz Trischler. An der Zeremonie nahmen Schüler und Lehrer des Gymnasiums des Valeria-Koch-Bildungszentrums teil.

Ziel der Veranstaltung, die dem Gedenken an die Opfer, der Sensibilisierung für die Unmenschlichkeit von Diktaturen und dem Eintreten für die historische Wahrheit diente, war die Erinnerung an eines der tragischsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die Zwangsarbeit tausender Zivilisten in der Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Um die Jahreswende 1944/1945 wurden die in Fünfkirchen und Umgebung lebenden Deutschen zusammengetrieben und – wie auch in anderen Landesteilen – in Güterwaggons in die ferne Sowjetunion transportiert: nicht nur junge Männer, sondern auch Frauen, ältere Menschen und sogar Kinder. Sie wurden gezwungen, 10 bis 12 Stunden am Tag unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten, meist in Industrieanlagen, Bergwerken und auf landwirtschaftlichen Feldern. Die mangelhafte Versorgung, die schrecklichen Wohnverhältnisse und die fehlende medizinische Betreuung verursachten bei den Verschleppten enormes Leid, das durch Kälte, Hoffnungslosigkeit sowie physischen und psychischen Terror zusätzlich verstärkt wurde. All dies zusammen kostete vielen Opfern das Leben. Und diejenigen, die die Qualen überlebten und nach Hause zurückkehrten, trugen für den Rest ihres Lebens die Narben des Leidens.

Es ist wichtig, sich an diese Geschichten zu erinnern und denjenigen Anerkennung zu erweisen, die trotz ihres Leidens ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Auf diese Weise können wir nicht nur die Wunden der Vergangenheit heilen, sondern auch ein Beispiel für Solidarität und Durchhaltevermögen für künftige Generationen geben – so die wenigen Dutzend Anwesenden, die zunächst den Gedanken von Ibolya Hock-Englender zuhörten, die von Historikerin Dr. Beate Márkus gesprochen wurden. Die Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen konnte an der Gedenkfeier nicht teilnehmen, betonte aber in ihrer schriftlichen Rede, wie wichtig es sei, die Beharrlichkeit und den Kampf für die Zukunft der ungarndeutschen Gemeinschaft zu unterstreichen. Der 25. November sei für sie ein Tag des Gedenkens an Zehntausende von Menschen, darunter auch an ihre Großmutter Anna Krämer, die drei Jahre lang im Lager Kruschewilje leiden musste. „Ich vernehme bis heute ihre Stimme, wie sie schimpft, wenn wir etwas nicht essen wollten: ‚du täst tes scho noch ess, wennst in Russland wärscht!‘ Diese meine Oma ist für mich das Vorbild für das Einstehen für die Herkunft, für das Nichtaufgeben der Identität trotz aller Bestrafungen. Wie oft sagte sie, wenn es hieß, die Muttersprache zu gebrauchen sei verboten: ‚Schlimmeres, als die Jahre in Russland, kann man uns nicht mehr antun und deshalb werden meine Enkelkinder just Teisch rede‘. Diesem Trotz habe ich zu verdanken, dass meine Muttersprache die fränkische Mundart ist.“

In zahlreichen ungarndeutschen Siedlungen sind viele persönliche Geschichten aufgezeichnet worden, die auf den Erzählungen der Deportierten beruhen; bei der Gedenkveranstaltung wurden einige davon von Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse des Valeria-Koch-Bildungszentrums Fünfkirchen vorgetragen und in einen historischen Kontext gestellt. Die Blaskapelle und der Chor der von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen getragenen Schule gaben der stillen Gedenkfeier einen würdigen Rahmen. Agnes Amrein-Pesti, Hauptdirektorin des Bildungszentrums, die zusammen mit einigen ihrer Kollegen als Mitglied des kleinen Chors mit einer Kerze in der Hand an der Veranstaltung teilnahm, stellte fest, dass Veranstaltungen wie diese nicht nur die historischen Kenntnisse der Schüler vertiefen, sondern auch ihre emotionale Intelligenz und Empathie fördern: „Solche Gedenkfeiern beleuchten ernste Fragen der Geschichte und lehren die junge Generation, Frieden und Freiheit zu schätzen. Das Gemeinschaftserlebnis stärkt die Identität und die kulturelle Verbundenheit der Schüler, und sie können dabei das wahre Ausmaß des Leidens ihrer Vorfahren verstehen. Das Gedenken hilft den Schülern, sich zu verantwortungsbewussten Bürgern zu entwickeln, die verstehen, welche Auswirkungen die Vergangenheit auf die Gegenwart und die Zukunft hat. Erinnern ist eine Pflicht und Verstehen eine Chance, um sicherzustellen, dass sich die Schrecken der Vergangenheit nie wiederholen.“

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