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Über einen besonderer historischer Vortrag
Ein Bestreben des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek (Zentrum) ist, den Trägern des Otto-Heinek-Preises im Rahmen seiner Reihe Zentrum-Programme im HdU die Möglichkeit zu geben, ihre Forschung auch in Budapest, im Haus der Ungarndeutschen vorzustellen. In diesem Sinne präsentierte Dr. Peter Schweininger, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Geschichte-Hilfswissenschaften des Historischen Instituts an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Eötvös-Loránd-Universität und Lehrer fürs Fach Geschichte am Trefort-Ágoston-Gymnasium der ELTE, am 19. März einen Ausschnitt aus seiner Dissertation „Schwäbische Welten. Migration und Mentalität in Saar zwischen 1729 und 1848“. Der Vortrag, der auf großes Interesse stieß, gewährte einen faszinierenden Einblick in den Alltag, die familiären Beziehungen und die gesellschaftliche Struktur der ungarndeutschen Gemeinschaften von Ungarn im 18. und 19. Jahrhundert.
Das zentrale Thema der Veranstaltung war die Struktur schwäbischer Haushalte, die Erbschaften und die damit verbundenen Gewohnheiten und Heiratsstrategien. Dr. Peter Schweininger erläuterte detailliert u. a., wie sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familien entwickelten, wie der Besitz vererbt wurde und welche Rolle die Frauen innerhalb der Gemeinschaft spielten.
Doch wie mag das Leben einer schwäbischen Frau im 18. Jahrhundert ausgesehen haben? Es wurde diesbezüglich über Antal Wiest und seine Ehefrau, Mária Magdolna Steckl, erzählt. Sie hatten in zwanzig Jahren elf Kinder, doch die Mutter verstarb zwei Jahre nach der Geburt des letzten Kindes. Der Witwer heiratete innerhalb eines Jahres erneut, dies war damals eine vollkommen übliche Praxis. Der Name der Frau war Kinga, und sie wird als „Ehefrau und Stiefmutter aller Kinder“ bezeichnet.
Der Vortrag zeigte auch, dass das Leben der Kinder keineswegs leicht war. Schon mit 10 bis 12 Jahren mussten sie arbeiten, viele dienten in anderen Haushalten, bevor sie schließlich ihre eigenen Familien gründeten. Besonders interessant war das Leben von Jakob Gugenberger, der bereits mit 15 Jahren zusammen mit seiner Schwester in einem fremden Haushalt arbeitete, später im Haushalt seines Schwagers und dann bei seinem Schwiegervater diente. Doch nach 16 Jahren harter Arbeit als Dienstbote veränderte sich sein Leben, als er nach Boglar zog und aus ihm ein wohlhabender Mann wurde. Genauere Informationen verraten die Dokumente leider nicht.

Auch über Jakob Paulini wurde erzählt, den seine Frau beschuldigt habe, dass er ihr untreu gewesen sei. Sie folgte ihm nach Neudörfl, wo es im örtlichen Wirtshaus zu einer Schlägerei zwischen ihr und der Wirtin kam. Jakob griff nicht ein, da er Angst davor hatte, dass auch er von den Hiesigen verprügelt wird. Er wurde in einem anderen Fall auch eines Diebstahls verdächtigt, aber er leugnete beide Vergehen. Im Laufe der Verhandlung wurden als mildernde Umstände hervorgehoben, dass er bis dahin ein straffreies Leben hatte und versprach, dass er in der Zukunft ein beispielhaftes Leben führen, sich um seine Frau kümmern und fleißig arbeiten würde. So musste er nur eine Woche in Haft verbringen und 25 Stockschläge erleiden.
Im Laufe des Abends wurde so die Vergangenheit durch mehrere Einzelschicksale und Familiengeschichten lebendig, sodass das Publikum den Alltag jener Zeit hautnah miterleben konnte.
Anna Schulteisz
Foto: Ludwig Grund
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Organisator:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Förderer der Veranstaltung:
Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Ministerpräsidium über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2025/3-000466)




