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Am 25. Oktober 2025 wurde in Hartau, Komitat Batsch-Kleinkumanien, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung der neueste, mittlerweile 19. Themenweg des auf Initiative der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) entstandenen Netzwerks der deutschen Nationalitätenlehrpfade eröffnet. Bei angenehmem Herbstwetter kamen zahlreiche Gäste – vor allem aus der Gemeinde selbst –, um gemeinsam die Entstehung des neuen kulturellen und touristischen Wertes ihres Ortes zu feiern.
Bei der Eröffnungsfeier begrüßte Henrik Frőhlich, Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung Hartau, die Anwesenden und dankte allen, die an der Umsetzung des Projekts beteiligt waren. Er betonte, dass der Themenweg weit mehr sei als eine Reihe von Informationstafeln – er sei ein Symbol für die gemeinsame Geschichte, die Werte und das 300-jährige Erbe der Gemeinde Hartau, das von Glaube, Zusammenhalt und der Bewahrung von Traditionen zeuge. Er hob hervor, dass das Projekt das Ergebnis monatelanger gemeinsamer Arbeit vieler Beteiligter sei, denen Dank gebühre für ihr Wissen, ihr Engagement und ihre mit Herz und Seele geleistete Arbeit.
Festliche Worte sprach auch Theresia Szauter, Vorsitzende des Bildungsausschusses der LdU und externe Fachberaterin des Themenweges in Hartau. In ihrer Rede betonte sie, dass dieser Tag nicht nur für die Gemeinde selbst, sondern für die gesamte ungarndeutsche Gemeinschaft ein Fest sei. Sie hob hervor, dass die Einweihung des 19. ungarndeutschen Themenweges ein weiterer Meilenstein einer wahren Erfolgsgeschichte sei. Dieses mittlerweile landesweit bedeutende Kulturerbe-Projekt entwickelt sich nämlich seit 2015 kontinuierlich weiter – die Initiative stammt von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, und das Bundesministerium des Innern und für Heimat unterstützt die Umsetzung finanziell.
Der Themenweg von Hartau nimmt in diesem Netzwerk eine besondere Stellung ein – so die Fachberaterin –, denn er ist der erste, der die Geschichte einer ungarndeutschen Gemeinde mit protestantischen Wurzeln darstellt. „Die vorangegangenen 18 Themenwege wurden nämlich alle in katholischen ungarndeutschen Ortschaften errichtet. Die Besonderheit der Gemeinde Hartau liegt darin, dass sich hier vor 300 Jahren protestantische deutsche Siedler niedergelassen haben und aus dem Nichts dieses Dorf errichteten. Bis heute leben hier die vorwiegend evangelischen, aber auch reformierten Einwohner gemeinsam mit den katholischen Familien friedlich zusammen. Darauf deutet auch das Motto des Lehrpfades hin: ‚Miteinander, füreinander‘“, sagte sie. Sie hob hervor, dass einer der größten Werte des Pfades darin liege, dass er nicht nur Besucher, sondern auch die Einheimischen anspreche – verschiedene Generationen könnten hier ihre eigenen Wurzeln neu entdecken: „‘Würde braucht Geschichte.‘ Nur wer weiß, was die Ahnen geleistet haben, kann stolz in ihre Fußstapfen treten“, betonte sie.
An der Feier beteiligten sich die deutschen Kulturgruppen der Gemeinde: der Hartauer Pál-Ráday-Kammerchor, die Kindergruppen des Kultur- und Traditionspflegevereins Hartau sowie ein Ensemble aus Lehrkräften der örtlichen Musikschule. Am Ende des Programms wurde die Tafel der ersten Station enthüllt, anschließend segneten die örtlichen Geistlichen den Themenweg. Danach machten sich die Teilnehmer gemeinsam auf, den Pfad zu erkunden, der durch das Zentrum von Hartau führt.
Der Themenweg vermittelt an sieben Stationen ein umfassendes Bild von der Geschichte und dem kulturellen Erbe Hartaus:
Die erste Station zeigt, wie aus dem nach der Türkenzeit entvölkerten Gebiet durch die beharrliche Arbeit deutscher Siedler im 18. Jahrhundert eine blühende Gemeinde wurde, in der die Kraft und der Fleiß der Gemeinschaft bis heute lebendig sind.
Die zweite Station erzählt von der religiösen Vielfalt der örtlichen deutschen Gemeinschaft und vom Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen. Sie hebt hervor, dass Glaube, Fleiß und Zusammenhalt jene Werte prägten, die bis heute das geistige Fundament der Gemeinde bilden.
Die dritte Station widmet sich dem Fleiß und der Ausdauer der Hartauer, zeigt, wie sie entlang der Donau durch Landwirtschaft, Schifffahrt und Hanfverarbeitung ihren Lebensunterhalt schufen. Es wird deutlich: In Hartau sind Fleiß und Sparsamkeit nicht nur Lebensweise, sondern Werte.
Die vierte Station veranschaulicht, wie der Fleiß und der Geschmack der deutschen Siedler das geordnete Dorfbild, den charakteristischen Baustil und die reich verzierten, traditionsbewahrenden Häuser prägten, die bis heute von der Vergangenheit der Gemeinschaft erzählen.
Die fünfte Station führt in die Welt der berühmten bemalten Hartauer Möbel ein. Sie zeigt, wie sich die Möbelmalerei aus äußeren Einflüssen und dem Talent der örtlichen Meister zu einem einzigartigen Motivschatz und einer symbolischen Sprache entwickelte – einer bis heute lebendigen Volkskunsttradition.
Die sechste Station erinnert an die bunte Welt der örtlichen deutschen Tracht, an die Verbindung des hessischen Erbes mit dem lokalen Geschmack und daran, welche Kleidungsstücke bis heute starke Symbole des Traditionsbewusstseins und des handwerklichen Erbes der Gemeinschaft sind.
Die siebte und letzte Station zeigt die sich neu formierende Gemeinschaft Hartaus nach dem Zweiten Weltkrieg: wie deutsche und ungarische Familien nach Vertreibungen und Umsiedlungen durch Arbeit, Menschlichkeit und Zusammenhalt erneut Einheit schufen und so ein Beispiel für Versöhnung gaben.
Der Themenweg in Hartau ist ab sofort das ganze Jahr über frei zugänglich. Ziel der Initiatoren ist es, dass nicht nur die Einheimischen, sondern auch Mitglieder der ungarndeutschen Gemeinschaft aus anderen Regionen sowie Touristen dieses farben- und geschichtenreiche Erlebnis entdecken, das auf würdige Weise von Vergangenheit und Gegenwart der deutschen Gemeinschaft in Hartau erzählt.

















