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Am Samstag, dem 8. November, wurde die 25. Gala der Ungarndeutschen der Region Nord gefeiert. Nach dem Einzug der Kulturgruppen der Gegend und dem Erklingen der ungarischen und der ungarndeutschen Hymne in der Städtischen Sporthalle von Wudersch/Budaörs eröffneten Gewinnerinnen von Rezitations- und Gesangswettbewerben das Festprogramm.
Lilla Gyarmati trug eine Sammlung von Kinderreimen aus ihrem Heimatdorf Werischwar/Pilisvörösvár vor, auch Emma Koczor erzählte eine Geschichte im Dialekt. Der Singvögel-Chor der Zimándy-Schule aus Großturwall/Törökbálint erfreute das Publikum mit einem Liederkranz schwäbischer Melodien . Auf die Bühne traten auch die singenden Zwillinge – Eszter Flóra und Réka Fanni Kovács – aus Niglo/Szigetszentmiklós, die eine Auswahl schwäbischer Volkslieder, darunter Die Uhr hot eins g’schlog’n… mit sich brachten.
Dank des Akkordeonspiels von Anna und ihrem Vater Gábor Pappert erklangen beliebte Melodien wie Du, du liegst mir im Herzen, Nach meiner Heimat, Unsere Ländler und Schloss Polka. Im Laufe des Nachmittags spielte auch die Jugendblaskapelle Wetschesch/Vecsés einen Marsch, einen Walzer und eine Polka.
In seinem Grußwort wies Bürgermeister der Stadt Wudersch, Tamás Wittinghoff, auf die reiche, 1000-jährige Beziehung der Ungarn und Deutschen hin und erinnerte sowohl an die schönen als auch an die traurigen Zeiten der gemeinsamen Geschichte.
Emmerich Ritter, Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender des Gastgebervereins, des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen in Nordungarn (ÉMNÖSZ), fasste in seiner Festrede die 25-jährige Tätigkeit, die Geschichte und die Gegenwart des Verbandes zusammen und dankte allen, die in dem vergangenen Jahrzehnten die Arbeit des Verbandes auf irgendeine Art und Weise unterstützt haben.
Als Höhepunkt der Gala wurde die Auszeichnung Für das Ungarndeutschtum der Region Nord übergeben. Geehrt wurden dieses Jahr Ildikó Winhardt aus Ujfluch/Szigetújfalu, Georg Boros aus Wudersch/Budaörs, der Verein Junger Haraster Schwaben sowie Maria Németh-Gálvölgyi aus Budapest posthum. Ihre Würdigungen sind am Ende des Berichts zu lesen.
Auf diesem Wege gratulieren wir auch den Gymnasiasten, die für ihr Engagement und schulische Leistung ein Stipendium der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Pesth für das Schuljahr 2025/2026 erhalten: Oliver Pass und Lorenz Szonthág (Friedrich Schiller Gymnasium und Schülerwohnheim, Werischwar), Emma Svébis und Ida Simon (Deutsches Nationalitätengymnasium und Schülerwohnheim, Budapest), Andras Rack (Paul Ritsmann Deutsche Nationalitätenschule und Gymnasium, Wiehall-Kleinturwall/Biatorbágy) sowie Blanka Réti (Ady-Endre-Gymnasium, Ratzenmarkt/Ráckeve)
Das mehrstündige Kulturprogramm schloss eine großartige gemeinsame Produktion von vier Chören – dem Blumenstrauss Chor aus Harast/Dunaharaszti, dem Chor des Deutschen Nationalitätengymnasiums Budapest, den Wetschescher Nachtigallen und dem Schaumarer Traditionspflegenden Frauenchor -, drei Blaskapellen – den Kleinturwaller Musikanten, der Haraster Dorfmusik und den Pesther Jugendbläsern – sowie drei Tanzgruppen – dem Werischwarer Heimatwerk, der Sankt Martin Tanzgruppe und dem Verein Junger Haraster Schwaben – ab.
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Für das Ungarndeutschtum der Region Nord 2025“
Laudationen
Ildikó Winhardt (Ujfluch/Szigetújfalu)
Ildikó Winhardt stammt aus einer ungarndeutschen Familie aus Ujfluch. Bis 2000 arbeitete sie als Lehrerin für deutsche Nationalitätensprache in der Unterstufe der Grundschule. 1991 war sie Gründungsmitglied des Donauschwäbischen Kulturvereins Ujfluch und ist noch heute als Vizevorsitzende tätigt. Auf ihre Initiative hin entstand die ortsgeschichtliche Sammlung „Palatin Thomas“. Zwanzig Jahre lang sang sie im Chor „Musikfreunde“. 1989 begann sie als Volkstanzlehrerin zu arbeiten. Sie sammelte Lieder, Kinderreime und Spiele aus Ujfluch, die sie später digitalisierte. Ihre Gruppe erhielt beim Landeskindertanzfestival einen Sonderpreis für die authentische schwäbische Aussprache.
Zwischen 1994 und 1998 war sie Abgeordnete der ersten deutschen Selbstverwaltung in Ujfluch, in der folgenden Periode übernahm sie den Vorsitz. Siebzehn Jahre lang leitete sie das Regionalbüro der Region Nord der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Von 2010 bis 2014 war sie Abgeordnete der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Pesth.
2014 ließ sie mit Unterstützung des Nationalkulturfonds Notenhefte für Musikschulen anfertigen, 2017 digitalisierte sie die Feldforschung des deutschen Tanzforschers Kurt Petermann im Bereich ungarndeutscher Volkstanz. Sie verfasste einen Beitrag über die Tätigkeit des Leipziger Volkstanzforsche in Ungarn und arbeitete mehrere Volkstänze tanzfolklorisch auf. Mit dem Titel „Ein jeder muss tanzen…“ organisierte sie eine Tanzhausreihe. Sie ist immer auf der Suche nach den Schätzen der Ungarndeutschen und ist bestrebt, diese von der Vergessenheit zu retten.
Georg Boros (Wudersch/Budaörs)
Georg Boros wurde 1951 in einer ungarndeutschen Familie geboren, in der – bis zum Tod seiner Mutter – ausschließlich Deutsch gesprochen wurde. Er spielte eine aktive Rolle bei der Bewahrung und Wiederherstellung des gebauten Erbes von Wudersch sowie bei der Pflege kirchlicher Traditionen. Seine starke religiöse Verbundenheit half maßgeblich bei der Einholung kirchlicher Genehmigungen und Bewilligungen.
Seine enge Beziehung zu den älteren Wuderschern schuf von Beginn an eine solide Grundlage für die äußerst erfolgreiche Arbeit der deutschen Selbstverwaltung in der Stadt. Zu seinen wichtigsten Verdiensten zählen die Gründung und der Betrieb des Heimatmuseums, der Wiederaufbau der Kalvarienbergkapelle und der Kreuzwegstationen, die Anfertigung und Aufstellung zweier Statuen, der Wiederaufbau der Steinberg-Kapelle, das erneute Aufhängen der Glocken und die Aufstellung der Statuen, die Renovierung des Alten Friedhofs sowie die Wiederaufführung der Wuderscher Passionsspiele.
Seit seiner Gründung ist Georg Boros Mitglied des Wuderscher Passionsspielvereins, das Passionsspiel selbst ist ihmebenfalls eine Herzensangelegenheit: von Beginn an ist er aktiver Teilnehmer der Aufführungen. Seit über dreißig Jahren ist er ein engagierter Bewahrer des ungarndeutschen Kulturerbes und der Traditionen.
Verein Junger Haraster Schwaben (Harast/Dunaharaszti)
Die Tanzgruppe wurde auf Initiative der damaligen deutschen Selbstverwaltung gegründet und entwickelte sich durch kontinuierliche, zielgerichtete Arbeit zu einem der wichtigsten Träger ungarndeutscher Kultur in Harast. Einerseits liegt ihre Aufgabe in der Bewahrung der örtlichen Volkstanzkultur. Diese spiegelt sich in ihren eigenen Sammlungen und Choreografien wie Deutsche Tänze vom Pester Tiefland, Auf dem Ball, Die Alte Kirchweih, Erntefest, Aus alter Zeii und Burschenweihe. Auch Werke bekannter Choreografen gehören zu ihrem Repertoire. An den Wertungen des Landesrates nahm die Gruppe ständig mit eigenen Zusammenstellungen teil, und erreichte bisher drei Gold- und vier Silberwertungen. Bei den Qualifizierungen des Muharay-Volkstanzverbandes wurde zweimal die Kategorie Gut qualifiziert erreicht.
Volkstanz ist auf der Bühne eine Ausstellung, auf dem Parkett gelebte Tradition. In diesem Sinne organisieren die Vereinsmitglieder ungarndeutsche Tanzhäuser für die Schulen in Harast, um den jungen Generationen Volkstänze und Figuren weiterzugeben. Das Ensemble ist zugleich auch ein GJU-Freundeskreis und ist ein aktiver Bestandteil mit eigenen Veranstaltungen in Harast. Vier Mitglieder der Gruppe sind bzw. waren Abgeordnete der örtlichen deutschen Selbstverwaltung. Zehn Jugendliche erhielten das Stipendium der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Pesth, sieben wurden mit dem Valeria-Koch-Preis der LdU ausgezeichnet, und fünf bekamen das Nationalitätenstipendium der Regierung. Von den derzeit zweiundzwanzig aktiven Mitgliedern besuchen oder abiturieren siebzehn am Deutschen Nationalitätengymnasium Budapest oder am zweisprachigen Klassenzug des Kossuth-Lajos-Gymnasiums in Budapest.
Posthum: Maria Németh-Gálvölgyi (Budapest)
Frau Németh-Gálvölgyi war seit 1997 ein prägendes Mitglied der Mindszenty-Schule und half von Anfang an, die katholische Gemeinschaft der Schule aufzubauen. Sie unterrichtete nicht nur, sondern erzog auch, wirkte als ein Vorbild und war mit ganzem Herzen und ganzer Seele im Leben der Kinder, der Kollegen sowie der gesamten Gemeinschaft präsent.
Auch nach ihrer Pensionierung blieb sie der Schule eng verbunden: Sie half immer wieder, gab Ratschläge und ermutigte ihre ehemaligen Kollegen. Als Fachberaterin, Hochschuldozentin und Mentorin begleitete sie zahlreiche Pädagogen auf ihrem beruflichen Weg. Sie hatte stets ein freundliches Wort, ein Lächeln und eine Weisheit bereit.
Sie betreute und leitete die Unterrichtspraktika der Studierenden mit Schwerpunkt Deutsch als Minderheitensprache und deutsche Kultur sowie das pädagogische Seminar des Faches. Durch ihre Fachkompetenz, ihr Wissen und ihre liebenswürdige Persönlichkeit vermittelte sie bleibende Werte, die ihre Studierenden ihr Leben lang begleiten werden.
Auch ihre Tätigkeit am Goethe-Institut belegt ihre außergewöhnliche berufliche Hingabe und Liebe zur Arbeit. Maria war ein Mensch, auf den man sich immer verlassen konnte, an den man sich jederzeit wenden konnte und der nie müde war, anderen zu helfen. Ihre Liebenswürdigkeit, ihr Glaube und ihre Menschlichkeit werden uns für immer fehlen.





