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Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft in der Bohler Grundschule, die man vom Weiten riechen kann und wovon man gleich Hunger auf etwas Leckeres bekommt. An der Küchenfee-AG unter der Leitung von Brigitta Ódor nehmen Kinder der Unterstufe und auch Schüler der Oberstufe an zwei Nachmittagen teil. Sie kochen und backen nach ungarndeutschen Rezepten, die manchmal auch die Kinder mitbringen.
Im Frühling bis zum 13. Juni haben wir ein fächerübergreifendes Projekt zum Thema 80 Jahre Vertreibung. Als die Liste der Familien damals ausgehängt worden war, waren die Familien nach Hause gegangen und hatten max. 80 kg Gepäck zusammengestellt. Die Frauen hatten Brot gebacken, die Männer hatten Geräuchertes aus der Speisekammer eingepackt.
Dieses Thema inspirierte unsere Küchenfee-AG gleich. Die Kinder wurden zu Bäcker und backten Brot nach altem Rezept, aber schon im Elektroherd. Sie lernten dabei, dass man vor dem Aufschneiden drei Kreuze auf dem unteren Teil des Brotes macht. Dann das frische Brotgeruch zog sich durch die Schule… In der Deutschstunde lasen sie Wilhelm Knabels Gedicht „Zur Heimat zieht der Brotgeruch”, und lernten über Leckereien früherer Zeiten, die man anstatt Schokolade und Chips gegessen hatte um den Hunger zwischendurch zu stillen, wie zum Beispiel das „Zuckerport” oder „Peckmesprot”.
Brot hat immer eine wichtige Rolle im Leben der Menschheit gespielt. Wie wertvoll es ist, weiß man nur dann zu schätzen, wenn man es nicht hat. Ein Kind erzählte, das ihr Oma nach der Vertreibung Brotkarte in Deutschland erhalten hatte, aber die Scheibe Brot war so wenig, dass diese den Hunger ihres Sohns nicht gestillt hatte. Brot ist auch ein wichtiger Teil der biblischen Geschichten. Die Ungarndeutschen waren und sind ja auch noch heute sehr gläubig, ihr Glaube gibt ihnen Hoffnung auf ein besseres Leben, wie z. B. zur Zeit der Vertreibung gewesen ist. Brot ist viel mehr als nur ein Lebensmittel und das wissen jetzt auch unsere kleinen Bäcker.
Anita Müller



Fotos: Brigitta Ódor


