Der Band “Tür nach Osten” behandelt das historische Gebiet Siebenbürgen und verlockt den Leser zu einer Reise durch Erlebnisse, Empfindungen und Erkenntnisse von Farkas-Zoltán Hajdú, die ethnographische, historische sowie identitäre Aspekte aufarbeitet. Hajdú öffnet durch seinen essayistischen, ergreifend ehrlich-persönlichen Ton eine symbolische Tür, durch das Eintreten gewinnt der Leser Einblick in das Szekler-Gemüt, in die traditionsreiche, der Globalisierung unterworfene Bauernwelt.
Jedoch streift der Blick des Autors als Städter, Intellektueller und Identitätssuchender weit breitere Gefilde: der autobiographisch durchwobene Band beinhaltet eine Reihe von Essays und durch die Verknüpfungen ist er als authentische Quelle, als eine Art Resümee des „Westwanderers“ zu betrachten. Hoffentlich folgen diesem weitere Bücher. Die Reichweite des erzählten Erinnerungsguts erstreckt sich von dem Erlebten des Autors als Lehrer in Menaság über tagebuchartige Aufzeichnungen eines Urlaubs auf Kreta bis hin zu einem sonderbaren Hermannstädter Begräbnis. Auch Erzählungen anderer Auswanderer, Erzählungen von Dorfbewohnern Menaságs ergänzen die Eindrücke Hajdús, der gerecht-kritisch und sehr liebevoll die Teilnehmer seiner schriftlichen Exkursion, die Leser, in die Verhältnisse Siebenbürgens einführt. Der philosophierende Ton, das eingebaute Wissen – sehr viele Autoren, Geschichtsschreiber, Ethnographen sowie Denker werden im Werk angeführt – prädestinieren den Autor dazu, als gerechter und authentischer Reiseführer aufzutreten. Seiner Sichtweise und seinem Blick entgehen keine Nuancen des menschlichen Gemüts: als guter Menschenkenner sieht er hinter den Facetten wichtige Zusammenhänge und strebt die Darstellung der Ganzheit durch die mosaikartige Erzählstruktur an. Tanzhausbewegung, ethnographische Tätigkeit, Lehrertätigkeit bringen den Städter Hajdú dem Dorf näher, das zur Veränderung verbannt ist. „Die Faszination des Ausgangs kann mit der Erkenntnis des Verlustes wachsen“ – heißt es im Vorwort des bekannten rumäniendeutschen Autors Hans Bergel.
Dem Buch ist die Dichotomie des Empfindens Hajdús, die Heimatsuche eigen, das durch seinen sprachlich angebracht-pompösen Stil den Leser verzaubert. Dem Band sind Anmerkungen von Juliane Brandt beigefügt, die für das historisch im Raum nicht bewanderte Leserpublikum eine wichtige Stütze bedeuten. Das unterhaltsame Buch ist ein wichtiges Werk zum Kennenlernen des historischen-ethnographischen-liebenswerten Siebenbürgens.
(Rezension von Angela Korb, Neue Zeitung 2009/33)
Farkas-Zoltán Hajdú: Tür nach Osten. Aufzeichnungen und Geschichten
München : IKGS, 2008
169 S.

