Am 11. März 2013 fand im ungarischen Parlament in Budapest eine Gedenkfeier für die aus Ungarn vertriebenen Deutschen statt. Im Rahmen der Veranstaltung überreichte Parlamentspräsident László Kövér dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert eine Kopie des Parlamentsbeschlusses von 10. Dezember 2012, in dem der 19. Januar zum Gedenktag der verschleppten Deutschen ernannt wird.
Zu der Feierstunde wurden die Vertreter der deutschen Minderheit, der Vertriebenen und Politiker aus dem In- und Ausland eingeladen. Neben den Festreden des Parlaments- und dem Bundestagspräsidenten hielten Zoltán Balog, Staatssekretär für Humane Ressourcen, Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und Nationale Minderheiten im Bundesministerium des Innern, Ottó Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen eine Rede.
László Kövér betonte in seiner Ansprache, dass die heutige Ungaren schon so frei seien, dass sie die Ungerechtigkeit gegenüber den vertriebenen Deutschen eingestehen und sich bei ihnen entschuldigen würden.
Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident erinnerte an den Freundschaftsvertrag, der von Deutschland und Ungarn 1992 unterzeichnet wurde. Er unterstrich, dass kein Volk diskriminiert werden dürfte, bzw. Menschen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit oder Glauben nicht unterschieden werden dürften. Denn wo einer Minderheit die Rechte aberkannt werden, dort kann das auch der Mehrheit widerfahren.
Zoltán Balog, Minister für Humane Ressourcen sagte, dass die Regierung die Tiefe der Wunden kenne und sich verpflichtet fühle das Trauma zu mildern. Sowohl der Gedenktag, als auch die Nationalitätenpolitik Ungarns soll dazu beitragen.
Der Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und Nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner sprach anerkennend über Ungarn, wo es versucht wird die dunklen Seiten der Geschichte konsequent aufzuarbeiten. Er würdigte auch die gute Zusammenarbeit mit den Vertretern der in Ungarn verbliebenen Deutschen. Dr. Bergner betonte, dass die Landesselbstverwaltung zu einem noch besseren Verstehen Ungarns beitragen würde.
Der Vorsitzender der LdU, Otto Heinek führte an was für einen wichtigen Beitrag die Gesetzgeber durch die Gedenktage in der Erstellung einer neuen Erinnerungskultur geleistet hätten, bzw. dass die Unmenschlichkeiten des 20. Jahrhunderts nicht in Vergessenheit gerieten. Der Vorsitzender bewertete den Parlamentsbeschluss und den Gedenktag als eine Geste der Aufarbeitung der Vergangenheit Denn in dem werden Verschleppung und Vertreibung verwechselt. Er sprach seine Hoffnung aus, dass das Dokument einst korrigiert werden könnte.
Erika Steinbach betonte, dass Vertreibung gleich zusetzten sei mit Verbrechen und kein Mittel einer Regierung sein dürfe. Sie unterstrich auch die Wichtigkeit, jedem Menschen den Wert von Heimat nahezubringen, insbesondere der Jugend. Das Gedenken der Opfer ist gleichzeitig auch eine Mahnung für die Zukunft.
Ungarn hat als erstes Land einen Gedenktag für die Verschleppung der Ungarndeutschen eingerichtet. Als Datum wurde der 19. Januar gewählt, denn an dem Tag begann 1946 die Vertreibung. Der Beschluss dazu erfolgte im ungarischen Parlament über alle Parteigrenzen hinweg einstimmig.


