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Am 9. Oktober 2025 fand im Oberhaus des ungarischen Parlaments das 3. Parlamentarische Treffen der Stipendiaten der Nationalitätenpädagogik statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Bedeutung der Nationalitätenausbildung von Kindergarten- und Schulpädagogen und des Stipendienprogramms zur Unterstützung der Nationalitäten hervorzuheben.
Nach dem Grußwort vom ungarndeutschen Abgeordneten Emmerich Ritter hob Miklós Soltész, Staatssekretär für Kirchen- und Nationalitätenangelegenheiten, die besondere Bedeutung der Erhaltung der Nationalitätensprachen hervor. Er verwies auf seine persönlichen Erfahrungen und betonte den Wert, wenn ältere Menschen in den Dörfern ihre Mundart im Alltag verwenden.
Er unterstrich die Rolle der Bildung für den Erhalt der Sprachen sowie die Wichtigkeit der engen Zusammenarbeit mit den Nationalitätenselbstverwaltungen auf lokaler und Landesebene. Der Staatssekretär sprach über die Ergebnisse des Stipendienprogramms für Nationalitätenpädagogen (NÖP), die dahinterstehende Organisation und Koordination. Er erwähnte auch die Erhöhung der Lehrergehälter, den 2020 eingeführten fachspezifischen Gehaltszuschuss sowie das zweijährige Nationalitätenstipendium für Mittelschüler. In seiner Rede ging er außerdem auf die Renovierung von Kindergärten und Schulen der Nationalitäten ein, die zur Stärkung der Gemeinschaften und zur Schaffung einer qualitativ hochwertigen Lernumgebung beitragen.
Der zweite Redner des Programms war Attila Vidnyánszky, Generaldirektor des Nationaltheaters, der in seinem Vortrag mit dem Titel „Die Ausbildung von Nationalitätenschauspielern im Dienste des Fortbestehens der Nationalitätentheater“ die gemeinschaftsbildende und identitätsstärkende Rolle der Theaterkunst betonte. Er hob hervor, dass die Kraft der Nationalitäten für jedes Land als Vorbild dienen sollte, und erklärte, dass das Nationaltheater das Ziel verfolge, die Entwicklung der Nationalitätentheater zu fördern.
Er kündigte an, dass die Universität für Theater- und Filmkunst 2026 ein neues, für fünf Nationalitäten zugängliches Schauspielausbildungsprogramm starten werde. Die Studierenden werden mit Stipendien unterstützt, um die Erhaltung und Erneuerung der nationalitätenspezifischen Theaterkultur zu fördern.
Im Anschluss sprach Annamária Posán-Rácz, stellvertretende Staatssekretärin im Ministerium für Kultur und Innovation, über die Ausbildung von Nationalitätenpädagogen in der Gegenwart. Neben der Darstellung des rechtlichen Rahmens und des derzeitigen Bildungssystems betonte sie die Notwendigkeit, die Intensität und Qualität der Ausbildung zu erhalten. Sie hob hervor, dass auch Studiengänge mit geringer Teilnehmerzahl gestartet werden können und dass die Programme durch den Einsatz von Gastdozenten weiter bereichert werden können.
In ihrer Rede ging sie auf die jahrzehntelangen Traditionen der Nationalitätenbildung ein und betonte, dass dabei das Ziel die Sicherstellung des muttersprachlichen Unterrichts und die Bewahrung der kulturellen Werte der Gemeinschaften sei. In den vergangenen fünf Jahren nahmen jährlich 600–700 Studierende an der Nationalitätenpädagogen-Ausbildung teil, von denen 90% Frauen sind; drei Viertel studieren an Universitäten außerhalb von Budapest, ein Viertel in der Hauptstadt.. Sie betonte außerdem die Bedeutung der Klebelsberg-Stipendien und des Programms „Lehren wir für Ungarn“, die eine erhebliche finanzielle und fachliche Unterstützung für angehende Pädagogen bieten.
Der abschließende Fachvortrag von Josef Weigert, dem Leiter des Ungarndeutschen Pädagogischen und Methodischen Zentrums (UMZ),mit dem Titel „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Nationalitätenstipendienprogramms“ erklärte, dass NÖP 2018 als Antwort auf den Mangel an deutschsprachigen Kindergartenpädagogen ins Leben gerufen wurde. Initiatorin war die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, finanziert wird das Programm durchs Ministerpräsidentenamt, administrativ wird es vom UMZ betreut. Seitdem haben sich weitere Nationalitäten – Kroaten, Roma, Rumänen, Serben, Slowaken und Slowenen – angeschlossen.
Die Initiative hat spürbare Auswirkungen auf die Studierenden: Sie entlastet sie finanziell, verbessert ihre Studienleistungen und erleichtert den Einstieg in nationalitätenbezogene Bildungseinrichtungen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2023 sind die Teilnehmenden motivierter, treffen bewusstere Berufsentscheidungen und sind besser auf den Pädagogenberuf vorbereitet. Seit dem Start wurden über 850 Verträge abgeschlossen, derzeit gibt es 253 aktive Stipendiaten, von denen die meisten der deutschen Nationalität angehören. 252 Personen haben ihre Beschäftigungspflicht bereits erfüllt. Der Schlüssel zum Erfolg des Programms liegt darin, dass es nicht nur finanzielle Unterstützung bietet, sondern auch eine echte fachliche Gemeinschaft und berufliche Perspektive schafft.
Zwischen den Referaten bereicherten die Schüler der Deutschen Nationalitätengrundschule Paul Angermann unter der Leitung von Direktorin Hajnalka Pfeifer-Takács mit Liedern und einer Mundartgeschichte die Tagung.


Emmerich Ritter bedankte isch bei den Vortragenden und Teilnehmenden für ihr Engagement und unterstrich die entscheidende Rolle der Nationalitätenpädagogen bei der Bewahrung der sprachlichen und kulturellen Identität sowie bei der Sicherung der Zukunft ihrer Volksgruppen.
Zum Abschluss wurde ein gemeinsames Gruppenfoto auf der Haupttreppe des Parlaments gemacht, gefolgt von einem Stehempfang, der Möglichkeit zum weiteren Austausch gab.
Anna Schulteisz/Zentrum.hu









Foto und Video: Gábor Wunderlich






