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„Kunst ist Kunst”

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Am 12. November wurde im Haus der Ungarndeutschen die Ausstellung „Quadriga“ eröffnet. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie Werke von vier Künstlerinnen – Bernadett Breszkovics, Erzsébet Horváth, Erzsébet Lieber und Zsuzsa Trieb – präsentiert. Zur Vernissage lud das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek (Zentrum) in Zusammenarbeit mit dem Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) ein. 

Zentrum-Direktorin Angelika Erdélyi-Pfiszterer sowie Angela Korb, 2. Vorsitzende des VUdAK, betonten in ihren Grußworten die Vielfalt der künstlerischen Sichtweisen und Techniken, die in der Ausstellung nebeneinanderstehen. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Ausstellung ideal in die Zeit falle, da Anfang Dezember im Haus der Ungarndeutschen die internationale Veranstaltung „Women of Minorities“ der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) stattfinden wird, für die die präsentierten Werke eine passende ästhetische Ergänzung bieten.

Im Anschluss führte Kunstsachverständiger János Wolfart ein Gespräch mit den beiden anwesenden Künstlerinnen, Erzsébet Lieber und Zsuzsa Trieb. Diese Ausstellung in Budapest unterscheidet sich leicht von der der ersten Station im Lenau Haus in Fünfkirchen/Pécs, da sie um einige Werke erweitert wurde – unter anderem schuf Zsuzsa Trieb ein neues Gemälde speziell für diese Schau.

Erzsébet Lieber sprach über die Grundlagen ihrer digitalen Gemälde, die meist auf eigenen Naturfotografien basieren, welche sie am Computer weiterbearbeitet. Auf die Frage, ob sie bereits mit Künstlicher Intelligenz gearbeitet habe, erklärte sie, dass sie dies nicht grundsätzlich ausschließe, bisher jedoch keine KI verwendet habe. Sie verwies auf ein Gespräch mit dem Sozialpsychologen György Csepeli, der einst behauptet habe, KI sei nicht zu originären Gedanken fähig – mittlerweile jedoch davon ausgehe, dass sie dies eines Tages sein werde.

Besonders hob Lieber ihre Werkserie „Singularität“ hervor, die sich mit Zukunftsvisionen der Menschheit, technologischen Entwicklungen und möglichen Wendepunkten befasst.

Lieber betonte, dass der künstlerische Schaffensprozess für sie ein intuitiver Weg Schritt für Schritt sei, der sich nicht durch fertige KI-Lösungen ersetzen lasse. Jede Entscheidung im Schaffensprozess entstehe aus Impulsen, inneren Bildern oder spontanen Empfindungen. Diesen Prozess wolle sie sich nicht nehmen lassen.

Ein weiteres Thema war ihre frühere Hydro-Installation, bei der Besucher durch Berührung der Wasseroberfläche Licht- und Formeffekte auslösen konnten. Lieber berichtete, dass die Interaktivität dieser Installation großen Anklang gefunden habe. Sie beobachtete sogar, dass die erzeugten Wellen und Lichtformen oft im Zusammenhang mit dem emotionalen Zustand der Besucher standen – dies sei eine überraschende, wenngleich nicht wissenschaftlich belegte Erkenntnis.

Erzsébet Lieber

Für die Zukunft plant Lieber zwei Ausstellungen im kommenden Jahr: eine in der Met-Galerie in Budapest, die andere in Zamárdi, wo ein komplett schwarzer, spiegelnder Raum neue experimentelle Präsentationsformen ermögliche.

Zsuzsa Trieb berichtete, dass sie ursprünglich ein Semester Architektur an der Technischen Universität Budapest studierte – auf Wunsch ihrer Familie, die ihr einen sicheren Beruf ermöglichen wollte. Sehr schnell habe sie jedoch erkannt, dass dies nicht ihr Weg sei. Während dieser Zeit begegnete sie dem Maler József Zalakovács, der sie intensiv auf die Aufnahmeprüfung an der Universität der Bildenden Künste vorbereitete. Dort studierte sie später bei Ádám Kéri, den sie als äußerst unterstützend und fachlich vielseitig beschrieb.

Trieb erzählte von ihrem langjährigen Interesse an Träumen als Inspirationsquelle: Sie verarbeitete sowohl eigene Träume als auch die ihrer Bekannten zu Gemälden. Da ein einziges Bild eine ganze Traumgeschichte widerspiegeln sollte, war stets eine gewisse Modifikation nötig, um die wichtigsten Elemente darin zu vereinen. Diese Arbeitsweise setzte sich später in ihren Collagen fort, in denen Papierfragmente oft selbst den erzählerischen Rahmen vorgaben und surrealistische Szenen entstehen ließen.

Trieb Zsuzsa

Zu ihren aktuellen Plänen gehören vor allem Porträts – insbesondere von ihrem Kind, von dem sie jedes Jahr eines malen möchte. Außerdem sammelt sie Fotografien interessanter Menschen, die sie gerne künstlerisch umsetzen würde, sobald es ihre Zeit zulässt.

Die Eröffnung endete mit einer Reflexion über die Rolle ungarndeutscher Kunst von Angela Korb. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob ungarndeutsche Kunst eine spezifische thematische Ausrichtung brauche oder ob bereits die Identität der Künstler ausreiche, um einen zeitgenössischen, authentischen Ausdruck zu schaffen. Die Schlussbemerkung lautete sinngemäß: Kunst ist Kunst – sie entsteht im Zusammenspiel von Kunstschaffenden und Betrachtenden, und ihre Wertigkeit liegt im offenen Resonanzraum, den sie eröffnet.

Anna Schulteisz

Foto: Ludwig Grund/zentrum.hu


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Organisatoren:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler

Förderer der Veranstaltung:
Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Ministerpräsidium über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2025/3-000466)

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