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Was haben uns die „Schwaben“ gegeben? Eine einzige Frage – bei der sich am Abend des 22. September zeigte, dass sie sich wohl kaum in einem einzigen Satz beantworten lässt. Beim Filmabend der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen und des Nikolaus-Lenau-Kulturvereins war der Vorführraum im Lenau Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm „300 Jahre… Aber was haben die Schwaben je für uns getan?” von Gábor László.
Das große Interesse war schon an und für sich eine erfreuliche Rückmeldung. Noch wichtiger aber war das, was sich im Laufe des Abends entwickelte: Der Film brachte nicht einfach nur Zuschauer in einem Raum zusammen, sondern weckte Erinnerungen, regte zum Nachdenken an und brachte Gespräche in Gang.
Vor der Vorführung wartete eine Überraschung auf das Publikum: Szandra Holczinger, die Hauptdarstellerin des Films, und Regisseur Gábor László begrüßten die Anwesenden mit eigens für das Fünfkirchner Publikum aufgenommenen Videobotschaften. Nach diesen beiden persönlichen Grußworten gehörte die ganze Aufmerksamkeit dem Film.
Der 52-minütige Dokumentarfilm beleuchtet prägende Kapitel aus mehr als drei Jahrhunderten deutsch-ungarischen Zusammenlebens. Der Bogen spannt sich von der Ansiedlung über Arbeit und wirtschaftlichen Aufstieg, Kultur und Identität bis zu den Tragödien des 20. Jahrhunderts, Verschleppung und Vertreibung, schließlich zum Neubeginn und zur Gegenwart der Ungarndeutschen – erzählt anhand Interviews, persönlicher Schicksale und bekannter historischer Persönlichkeiten.
Während der Vorführung herrschte im Saal gespannte Stille, die hin und wieder vom herzlichen Lachen des Publikums über einzelne Szenen unterbrochen wurde. Am Ende erfüllte Applaus den Raum – als Anerkennung für die Filmschaffenden und als Dank dafür, dass diese Geschichte nun auch das Fünfkirchner Publikum erreichen konnte.


Doch mit dem Abspann war der Abend noch lange nicht zu Ende. Ein wiederkehrendes Motiv der Filmkampagne war das Puzzle: unzählige kleine Teile einer mehr als dreihundertjährigen Geschichte, die sich nach und nach zu einem gemeinsamen Bild zusammenfügen. Dieser Gedanke wurde nach der Vorführung in Fünfkirchen weitergeführt. Im Foyer warteten eine Pinnwand und bunte Haftnotizen auf die Gäste – verbunden mit einer Frage: „Ein Puzzleteil fehlt noch: IHRES/DEINS! Was haben uns die Schwaben gegeben?“ Und die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Jemand schrieb die Rezepte der Großmutter auf. Andere nannten Fleiß und Ausdauer, wieder andere das Leben, die Heimat, die Muttersprache, die Mentalität, Traditionen, die Familie oder auch Polka und Walzer. Es gab Antworten auf Deutsch und Ungarisch, ernste und solche, die ein Lächeln hervorriefen, ganz kurze und sehr persönliche. Die anfangs fast leere Wand füllte sich nach und nach. Und vielleicht war genau das die einfachste Antwort auf die Frage im Titel des Films: So viele Menschen, so viele Geschichten – und ebenso viele unterschiedliche Puzzleteile.
Ein älterer Herr war eigens aus Barcs nach Fünfkirchen gekommen, um den Film zu sehen. In persönlichem Rahmen erzählte er die Geschichte seiner Familie: von der Vertreibung seiner Eltern und ihrer späteren Rückkehr. Schließlich trug er sogar ein selbst verfasstes Gedicht vor, das er zum 75. Geburtstag seines in Deutschland lebenden Cousins geschrieben hatte. Eine einzige persönliche Geschichte – und doch zeigte sie eindrucksvoll, warum es wichtig ist, über diese Themen nicht nur in Büchern und an Gedenktagen zu sprechen. Die Geschichte der Ungarndeutschen lebt bis heute weiter: in Familienerinnerungen, Rezepten, in der Sprache, in Geschichten und menschlichen Beziehungen.
Und die Wirkung des Films endet nicht in Fünfkirchen. Nach der Vorführung erkundigten sich mehrere Gäste danach, wie sie den Dokumentarfilm erhalten könnten, um ihn auch in ihrer eigenen Ortschaft oder Gemeinschaft zu zeigen. So können aus der Fünfkirchner Vorführung weitere Filmabende, neue Begegnungen und Gespräche entstehen.



Nach dem Film blieb das Publikum bei Salzkipferln, Weinschorle und ungezwungenen Gesprächen noch eine Weile im Lenau Haus zusammen. 300 Jahre… Aber was haben die Schwaben je für uns getan? hat in Fünfkirchen Gespräche angestoßen, Familienerinnerungen wachgerufen und die Zuschauer dazu ermutigt, ihre eigene Antwort zur gemeinsamen Geschichte hinzuzufügen. Auf die Frage im Titel des Films gab es also auch an diesem Abend keine einzige, endgültige Antwort. Stattdessen entstand eine ganze Wand voller Antworten. Und ganz gewiss fehlen noch viele Puzzleteile.
Quelle: Deutsche Selbstverwaltung Fünfkirchen; Text: Kristina Szeiberling-Pánovics, Foto: Karina Klein-Pájer


