In Erinnerung an Georg Krix
Bis ins hohe Alter hat Georg Krix keine Zweifel an seiner deutschen Identität gehabt, auch in letzter Zeit hat er auf sozialen Medien Kindheitserinnerungen, Sprüche sowie Fotoaufnahmen aus seinem geliebten Rosengarten geteilt. Doch der Gründungsvorsitzende der Jakob-Bleyer-Gemeinschaft und der Redakteur von „Sonntagsblatt“ ist am 8. September von uns gegangen. 98 Jahre ist er geworden.

„Mich ärgert und kränkt, wenn meine Freunde und Bekannten nur ungarisch etwas reinschreiben. Alle schreiben ungarisch.“ Er hielt fest an der deutschen Muttersprache und äußerte auch Kritik, wenn Angehörige seiner Volksgruppe das Gegenteil taten. Seine Kritik verlautbarte er auch als Schriftleiter des „Sonntagsblattes“.
1928 in Waschkut geboren, sprach er über seine Schulzeit als Brutkasten der Ungarisch-Erziehung. Er besuchte die ungarische Bürgerschule in Baje, dann wurde er Schüler der deutschen Lehrerbildungsanstalt Neuwerbaß (Südbatschka).
Am 1. Mai 1945 wurde die Familie von Haus und Hof „befreit“. Als ein Jahr später die Vertreibungszüge in die „Urheimat“ rollten, hat man die Familie übersehen, da ihr damaliges Hab und Gut nicht mal für die zugelassenen 30-Kilogramm-Bündel reichte. Entbehrung, Obdachsuche, harte Arbeit, Tagelohn, Gelegenheitsarbeit kennzeichneten die nächsten Jahre. Den Beginn eines „anderen Lebens“ brachte der Fronleichnamstag 1957. Damals, mit beinahe dreißig, war Krix „so nebenbei“ Privatschüler des eben gegründeten ungarndeutschen Gymnasiums zu Baje. Vom Bildungsministerium als „Sohn des werktätigen Volkes“ eingestuft, rief ihn Dr. Friedrich Wild, Generalsekretär des Demokratischen Verbandes der Deutschen Werktätigen in Ungarn, nach Budapest, wo er am 1. August 1957 als Kulturreferent eingestellt wurde. Seine Begeisterung und sein fleißiger Einsatz trugen „Früchte“: Er musste am 3. Januar 1960 „freiwillig“ seinen Posten beim Verband kündigen, „um nicht gebrandmarkt zu werden“.
1990 war er Mitbegründer des Deutschen Kulturvereins Budapest und wurde dessen stellvertretender Vorsitzender sowie Mitgestalter des Periodikums „Deutscher Bote“. 1993 gründete er die Jakob-Bleyer-Gemeinschaft, die er acht Jahre lang leitete und nachher als Ehrenvorsitzender mitgestaltete. In dem ebenfalls von ihm gegründeten und gelenkten Sprachrohr des Vereins, im „Sonntagsblatt“, erschienen seine ermunternden, oftmals kritischen Aufsätze. Zahlreiche Veranstaltungen hat er im Laufe der Jahre in der Hauptstadt und auch auf dem Lande initiiert und auch selbst durchgeführt, so z. B. das Welttreffen der Donauschwaben 1995 oder das 300-jährige Jubiläum des 1. Deutschen Bogenschützenvereins in Ofen 1996.
Er wohnte in Wudersch, wo er einen Stammtisch der Ungarndeutschen und den Verein Deutsche Kulturgemeinschaft gegründet und eine Partnerschaft mit der bayerischen Stadt Regensburg initiiert hatte.
Für seine Verdienste um die deutsche Minderheit in Ungarn erhielt er 2007 zu seinem 80. Geburtstag den Preis „Für das Ungarndeutschtum der Region Nord“, 2011 bekam er die Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum sowie den Lenau-Preis des Fünfkirchner Lenau-Vereins (Foto). Ihm wurde auch der von der Jakob-Bleyer-Gemeinschaft gegründete Jakob-Bleyer-Preis verliehen.
Wir müssen von einer markanten Stimme des Ungarndeutschtums Abschied nehmen. Georg Krix war ein Kritiker, der in seiner Identität verwurzelt ein Fels in der Brandung war und als Wegweiser den Nachkommen das Festhalten an der Muttersprache weitergibt. Seine Erinnerungen und seine zahlreichen schriftlichen Atteste bleiben erhalten.
Ruhe in Frieden!
Neue Zeitung
