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Um eine Unterrichtsstunde anderer Art zu erleben, besuchten vor Kurzem drei Seminargruppen von BA- und MA-Studenten der ELTE das Haus der Ungarndeutschen. Empfangen wurden sie von Angelika Erdélyi-Pfiszterer, der Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek, sowie Johann Schuth, dem Chefredakteur des Wochenblattes Neue Zeitung. Im Folgenden veröffentlichen wir einige ihrer Erlebnisberichte.
Eine außergewöhnliche Seminarstunde
von Regina Schiller
Unsere Seminargruppe besucht in der sonnigen Mittagsstunde des 23. April 2026 das Haus der Ungarndeutschen. Den Anfang macht Zentrum-Direktorin Angelika Erdélyi-Pfiszterer. Sie erklärt uns, wie das Zentrum als Informationsknotenpunkt funktioniert.
Chefredakteur Johann Schuth gibt uns spannende Einblicke in die redaktionellen Abläufe. Wir dürfen uns die aktuelle Nummer der „Neuen Zeitung“ und die berühmten „Deutschen Kalender“ anschauen. Er erzählt darüber, wie die wöchentliche Ausgabe des Blattes zusammengestellt wird. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus vielen Informationen eine fertige Zeitung entsteht. Wir dürfen sogar eine druckfrische Ausgabe in die Hand nehmen und durchblättern.
Gemeinsam mit der Direktorin sehen wir uns in der Bibliothek um. In den Regalen finden wir zahlreiche Bücher über die Geschichte und Kultur der Ungarndeutschen. Hier wird die Geschichte der Minderheit richtig greifbar. Besonders freut mich beim Durchblättern der Kalender aus den letzten Jahren, dass ich eine Veröffentlichung meiner großen Schwester entdecke. Das macht den Besuch für mich nochmal zu etwas Besonderem.
Diese außerordentliche Seminarstunde zeigt uns: Deutsch ist in Ungarn eine lebendige Sprache mit einer starken Stimme. Wir bedanken uns herzlich für die tollen Eindrücke!
Ein ungarndeutsches Zentrum mitten in Budapest
von Sofia Podramenskaya
Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in der Hauptstadt Ungarns und rund herum sehen Sie Aufschriften mit seltsamen Buchstaben, hören die Einheimischen eine seltsame Sprache sprechen. Und dann, nach einigen Straßenabbiegungen, kommen Sie in ein Haus, wo plötzlich Deutsch gesprochen und gelesen wird.
Das Haus der Ungarndeutschen befindet sich nur wenige Schritte vom Heldenplatz entfern und bietet eine vielfältige Auswahl an Ereignissen und Aktivitäten auf Deutsch, also alles, was mit der Kultur und dem Leben der Deutschen in Ungarn zu tun hat. Für diese Tätigkeit des Zentrums ist Frau Angelika Erdélyi-Pfiszterer verantwortlich, die auch sehr engagiert und enthusiastisch über all das berichtet. Schon beim Betreten des Raumes sieht man eine Liste mit geplanten Ereignissen sowie die Ausstellung einer ungarndeutschen Malerin. Die Bilder haben eine durch bunte Farben geprägte, starke Ausdruckskraft.
Die Redaktion der „Neuen Zeitung“ erzählt vom Alltag der Ungarndeutschen auf Deutsch und spielt dadurch eine wichtige Rolle bei der Erhaltung und Förderung der deutschen Sprache und Kultur in Ungarn. Chefredakteur Schuth scheint alles über diese einzigartige Kultur und Volksgruppe zu wissen und kann darüber fesselnd erzählen. In der Redaktion werden auch Bücher auf Hochdeutsch und im Dialekt produziert.
Noch höher im Gebäude befindet sich eine echt beispiellose Bibliothek, in der unterschiedliche Werke über die deutschen Minderheiten außerhalb Deutschlands gesammelt werden. Alle haben hier die Möglichkeit, ein für sich interessantes Buch auszusuchen, sich entspannt an den Tisch zu setzen und in Ruhe zu lesen.
Also wenn Sie denWunsch haben, für eine Weile dem ungarischsprachigen Alltag zu entfliehen, kommen Sie mal in das HdU – freundlicher Empfang garantiert!
Besuch bei der Neuen Zeitung
von László Horváth
Die Seminargruppe steht vor der Tür des HdU. Der Besuch findet im Rahmen des Seminars „Printmedien“ statt und bietet den Teilnehmern einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen der Wochenzeitung der Ungarndeutschen.
Im Veranstaltungsraum, in dem gerade berührende Bilder an den Wänden zu sehen sind, führt Frau Angelika Erdélyi-Pfiszterer die Gruppe in die Geschichte und die heutige Rolle der ungarndeutschen Gemeinschaft ein. Sie berichtet über die zahlreichen Gemeinschaftsprogramme, die im Haus der Ungarndeutschen stattfinden, und über die Bedeutung der deutschen Minderheit in Ungarn.
Nachdem die Studierenden so viel über die Ungarndeutschen lernten, treffen sie sich mit dem Chefredakteur der „Neue Zeitung“. Er arbeitet im zweiten Stock in einem Büro, umgeben von unzähligen Büchern und früher erschienenen Zeitungen. Er erzählt über die Redaktionsprozesse und seinen Arbeitsalltag. Er erklärt, wie er die Themen auswählt, welche Inhalte für die Leserschaft besonders relevant sind und welche Nachrichten es eigentlich in die Zeitung schaffen.
Die Studierenden gehen in die Bibliothek. Erstaunt sehen Sie viele Hunderte Werke in den Regalen, die sich ausschließlich mit der Geschichte, Kultur und Sprache der Ungarndeutschen und der deutschen Minderheiten befassen. Hier findet man sowohl historische Dokumente als auch moderne Fachliteratur.
Die Besucher verlassen die Redaktion mit vielen neuen Erfahrungen und einer frisch gedruckten Ausgabe der Neuen Zeitung. Der Besuch machte deutlich, dass Printmedien besonders für Minderheiten sehr wichtig sind, um ihre Identität zu stärken. Für die Teilnehmer des Kurses war dieser 23. April eine wertvolle Lektion darüber, dass Journalismus auch im 21. Jahrhundert eine sehr wichtige Rolle hat.
Eine außergewöhnliche Seminarstunde
von Zsolt Damosy
Die Seminarstunde ist eine richtige Abwechslung. Raus aus den Universitätsräumen, rauf aufs Fahrrad und raus in das Villenviertel am Rande des Stadtparks. Dozentin Frau Nagy hat wieder einmal ein interessantes Programm für die Gruppe organisiert: einen Besuch bei den Ungarndeutschen.
Zentrum-Direktorin Angelika Erdélyi-Pfiszterer empfängt die kleine aber durchaus interessierte Gruppe von Germanistikstudenten. Wir versammeln uns im Otto-Heinek-Saal, wo Tagungen, Sitzungen, aber auch Ausstellungen oder Theateraufführungen stattfinden. Sie erzählt interessante Details über die Ungarndeutschen, die die zweitgrößte Minderheit des Landes nach den Roma darstellen. Sie berichtet über die Geschichte der Minderheit, die größtenteils vor rund 300 Jahren nach Ungarn kam, und die nach dem Zweiten Weltkrieg durch Vertreibung um fast die Hälfte reduziert wurde. Wir erfahren, dass sich die Ungarndeutschen nach 1989 wieder aktiviert hatten und seit 1995 offiziell eine eigene Landesselbstverwaltung haben. Sehr interessant sind ihre Ausführungen zur aktuellen Politik. Wir erfahren von ihr, dass die deutsche Minderheit nach vielen Jahren ihre Vertretung im ungarischen Parlament verloren hat, nachdem ihre Liste die zum vollwertigen Mandat notwendige Stimmenanzahl diesmal nicht erreicht hatte – genauso wie die der Roma.
Danach geht die Gruppe in die zweite Etage. Dies aber nicht durch ein gewöhnliches Treppenhaus, sondern durch eine an das Haus angebaute Metall-Treppe. Nicht jedermanns Sache bei einer so schönen Stadtvilla. Chefredakteur Johann Schuth empfängt die Studenten mit einem rollenden R, wie es die Welt noch nie gehört hat, aber natürlich auch mit einer sehr interessanten Vorstellung der Redaktion. Die Zeitschrift wird von Ungarndeutschen für Ungarndeutsche verfasst. Auf aktuelle politische Themen werde bewusst verzichtet, vielmehr werden Berichte aus dem Leben der Minderheit präsentiert. Schuth ermuntert die Gruppe zu späterer Mitarbeit in der Redaktion.
Schließlich geht es für die Gruppe dann noch eine Etage höher, wo der Gruppe die Bibliothek vorgestellt wird.
Die Studenten nehmen die vielen Informationen gerne mit, bedanken sich bei Dozentin Frau Nagy wieder einmal für eine abwechslungsreiche Seminarstunde außerhalb des tristen Seminarraumes und treten ihren angenehmen sonnigen Spaziergang heimwärts“ an.
Eine außergewöhnliche Seminarstunde
von Sára Barcsák
Wir versammeln uns in einem hellen Saal, dessen Wände mit Gemälden geschmückt sind. Angelika Erdélyi-Pfiszterer, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek, erzählt kurz die Geschichte der Ungarndeutschen, wie sie während der Habsburgermonarchie nach Ungarn kamen, wie viele Nachkommen sie heute haben und wie das Zentrum die Kultur der Minderheit am Leben hält und pflegt. Sie organisieren regelmäßig Ausstellungen, Tanzhäuser und alles, was zur Kultur der Ungarndeutschen gehört.
Danach gehen wir weiter wie in einem Labyrinth, durch kleine Korridore und drei Etagen hoch auf einer Wendeltreppe. In der Redaktion des Wochenblattes „Neue Zeitung“ umgeben uns Bücher, Zeitungen und Landkarten. Chefredakteur Schuth lädt uns in die kleinen, freundlichen Räume ein. Er hat ein außergewöhnlich weites Wissen über alles, was die Ungarndeutschen betrifft. Manchmal verliert man den Faden vor allem wegen der reichen Büchersammlung. Die redaktionelle Arbeit gilt als eine mysteriöse Etappe des Journalismus. Gerade diesen Prozess erklärt Schuth minutiös und schenkt uns sogar ein Exemplar der druckfrischen Wochenschrift.
Dann gehen wir weiter, noch höher, noch eine Wendeltreppe, es könnte einem fast schwindelig werden. Wir kommen in der Bibliothek an, sie ist klein, aber bestens bestückt mit interessanten Werken aus dem In- und Ausland, sogar aus dem Elsass. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Bücherei für meine Diplomarbeit nutzen können. Nächstes Mal werde ich das schon wissen.
Ein Blick hinter die Kulissen
Fiona Fröhling & Hannah Winges
Als deutsche Erasmusstudentinnen in Budapest bekommen wir jeden Tag viele Eindrücke von der Stadt, ihrer Kultur und ihrem Alltag. Doch der Besuch in der Redaktion der deutschsprachigen „Neuen Zeitung“ eröffnete uns noch einmal eine ganz andere Perspektive: einen Einblick in das Leben und die Medienarbeit der deutschen Minderheit in Ungarn.
Im Rahmen eines Medienseminars hatten wir die Gelegenheit, am 23. April, die Redaktion sowie die Menschen dahinter persönlich kennenzulernen und mehr über ihre Arbeit zu erfahren.
Das gastfreundliche Klima der gesamten Institution stellte sich bereits beim ersten Gespräch mit Frau Angelika Erdélyi-Pfiszterer, der Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek, heraus. Mit ihr konnten wir einen ersten Eindruck über das ungarndeutsche Leben in Budapest und ganz Ungarn entwickeln. Neben Informationsangeboten engagiert sich das Zentrum in vielfältigen Projekten, unter anderem im künstlerischen Bereich, und unterstützt Aktivitäten innerhalb der deutschsprachigen Gemeinschaft und trägt so auch zur Vernetzung und Sichtbarkeit der deutschen Minderheit in Ungarn bei.
Auch von Herr Johann Schuth, dem Chefredakteur der Neuen Zeitung, wurden wir mit großer Offenheit empfangen und erhielten Einblicke in den Arbeitsalltag und die journalistischen Prozesse der Redaktion. Dabei wurde deutlich, mit wie viel Engagement und Begeisterung die Redaktion ihre Arbeit gestaltet. Die Atmosphäre wirkte familiär und vermittelte den Eindruck einer engen, unterstützenden Gemeinschaft. Besonders überrascht hat uns die vergleichbar hohe Auflagenzahl von etwa 2000 Exemplaren, wodurch uns die Notwendigkeit und Relevanz dieser Repräsentationsarbeit erneut bewusst geworden ist. Positiv in Erinnerung geblieben ist uns außerdem die gezielte Ausrichtung an unterschiedliche Zielgruppen.
Die letzte Station unseres Besuchs bildete die Bibliothek der Einrichtung, die eine große Vielzahl an lyrischen und informativen Werken bietet. Als Sammlung dieser Werke dient die Bibliothek nicht allein als Wissensvermittler, sondern auch als Raum für Begegnungen, sodass auch hier kulturelle Vielfalt an erster Stelle steht.
Wir sind dankbar für die Einblicke, die wir gewinnen durften; der Besuch zeigte uns wie wichtig regionale und minderheitensprachliche Medien für kulturelle Identität und Gemeinschaft sein können.




