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JEV hat neue Präsidentin

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Johanna Kézdi
ist neue Präsidentin der Jugend Europäischer Volksgruppen

Johanna Kézdi

Die Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV) wurde 1984 gegründet und ist heute das größte Netzwerk von Jugendorganisationen autochthoner nationaler und sprachlicher Minderheiten in Europa. Seit über vier Jahrzehnten setzt sich die Organisation für die Förderung von Minderheitenrechten, interkulturellen Dialog und die aktive Beteiligung junger Menschen ein. Mit Mitgliedsorganisationen aus ganz Europa bietet sie eine Plattform für Austausch, Interessenvertretung und gemeinsame Projekte.

Mit der Wahl von Johanna Kézdi zur neuen Präsidentin beginnt nun ein neues Kapitel in der Geschichte der Organisation. Im folgenden Interview spricht Johanna über ihre Ziele, ihre bisherigen Erfahrungen und ihre Perspektiven für die Zukunft der Minderheitenjugendarbeit in Europa bzw. erzählt sie über ihren persönlichen Werdegang, ihre Erfahrungen in der Jugendarbeit sowie über ihre Identität und ihren multikulturellen Hintergrund.

Wie sehen deine wichtigsten Prioritäten als Präsidentin der JEV aus, insbesondere in einer Zeit, in der die Sichtbarkeit von Minderheitenjugendlichen immer wichtiger wird?
An oberster Stelle steht für mich die Netzwerkarbeit. Ich wünsche mir, den Kontakt zu unseren Mitgliedsorganisationen, Partnern und Förderern weiter zu vertiefen. Denn ohne eine starke Zusammenarbeit kann auch die Sichtbarkeit von Minderheitenjugendlichen nicht nachhaltig gestärkt werden.
Darüber hinaus ist es mir ein großes Anliegen, einige Reformen innerhalb unserer internen Strukturen umzusetzen. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam eine neue Strategie erarbeitet, die von der Delegiertenversammlung angenommen wurde. Nun gilt es, die auf dem Papier festgelegten Ziele in konkrete Maßnahmen zu überführen.
Zusätzlich wurden von der Delegiertenversammlung zwei wichtige Strukturänderungen beschlossen: die Reform der Arbeitsgruppen, die künftig flexibler gestaltet sein werden, sowie die Einrichtung eines beratenden Ausschusses für das Präsidium der JEV. In diesem Gremium sollen Alumni und Expertinnen sowie Experten dem Präsidium in herausfordernden Situationen beratend zur Seite stehen.

Welche Perspektiven siehst du für die zukünftige Zusammenarbeit mit der FUEN sowie mit AGDM/AGDM Jugend, insbesondere im Bereich der Minderheitenrechte?
Die FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten) sowie die AGDM/AGDM Jugend (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten) sind für mich wichtige Partner der JEV. Durch meine Position als Präsidentin bin ich zugleich auch im Präsidium der FUEN Mitglied. Vor Kurzem hatten wir einen Zukunftsworkshop mit dem FUEN-Präsidium, bei dem ich aktiv die Stimme der Jugendlichen eingebracht habe. Das wurde sehr positiv aufgenommen, weshalb ich sehr zuversichtlich bin, dass unsere Zusammenarbeit künftig noch intensiver und aktiver sein wird.
Ich freue mich außerdem darüber, dass viele Organisationen sowohl in der JEV als auch in der AGDM Jugend vertreten sind. Das zeigt deutlich, dass Jugendarbeit funktioniert und dass aktive Teilhabe für junge Menschen und Jugendorganisationen von großer Bedeutung ist.

Du warst zuvor als Kommissarin für Kommunikation im Vorstand aktiv – inwiefern haben dich diese Erfahrungen auf deine neue Rolle vorbereitet?
Durch meine zwei Jahre im Vorstand als Kommissarin für Kommunikation habe ich einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise der JEV erhalten. Diese Erfahrungen helfen mir nun sehr in meiner neuen Rolle. Ich kenne die internen Abläufe, die laufenden Prozesse und auch die Herausforderungen, vor denen wir stehen.
Zugleich kann ich vieles von dem, was wir in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut haben – etwa unsere neue Strategie -, an die neuen Vorstandsmitglieder weitergeben und ihnen die notwendige Orientierung bieten.
Es gibt einige Themenbereiche, die in den letzten Jahren aus unterschiedlichen Gründen zu kurz gekommen sind. Da ich die Entwicklungen unmittelbar miterlebt habe, kann ich diese nun gezielt und effizient angehen.

Welche konkreten Aktivitäten hast du innerhalb deiner Organisation zuhause – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien – durchgeführt, und wie haben diese deine Sicht auf die Minderheitenjugendarbeit geprägt?
In der ADJ bin ich seit 2019 aktiv und arbeite seit 2023 als Projektmanagerin. Diese Tätigkeit hat mir gezeigt, wie man Minderheiteninteressen jungen Menschen näherbringen kann und wie wichtig gute Teamarbeit für erfolgreiche Jugendarbeit ist.
Aktuell organisieren wir das Kindertanzgruppentreffen für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren sowie das Kindersprachferienlager für dieselbe Altersgruppe. Solche Projekte zeigen mir immer wieder, wie wertvoll es ist, Identität, Sprache und Gemeinschaft bereits in jungen Jahren zu fördern.

Als Mitglied der deutschen Minderheit in Rumänien wie würdest du deine Identität beschreiben und welche Rolle spielt sie in deiner Arbeit auf europäischer Ebene?
Ich bin von klein auf in meiner Identität als Siebenbürger Sächsin, also als Angehörige einer deutschen Volksgruppe in Rumänien, aufgewachsen. Dadurch war das Thema Identität für mich immer präsent. Ich war zunächst in der Kindertanzgruppe aktiv, später in der Jugendtanzgruppe und habe mich schließlich in der ADJ engagiert. Zudem habe ich stets eine deutsche Schule besucht.
Durch meine aktive Teilnahme an verschiedenen Jugendverbänden und deren Strukturen führte mein Weg mich schließlich 2022 zur JEV, wo ich bis 2024 als Teilnehmerin aktiv war, bevor ich anschließend in den Vorstand gewählt wurde.
Ich bin überzeugt, dass Minderheiten ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Minderheitenvertreterinnen und -vertreter können Brücken bauen, Perspektiven verbinden und oftmals neue Blickwinkel eröffnen.

Du hast auch ungarische ( Szekler) Wurzeln. Wie beeinflusst dieser multikulturelle Hintergrund deine Perspektive auf den Dialog zwischen verschiedenen Minderheiten?
Das stimmt. Mein Vater gehört der ungarischen Minderheit in Rumänien an. In Siebenbürgen, der Region, aus der ich stamme, leben seit Jahrhunderten verschiedene Volksgruppen auf engem Raum zusammen – und das weitgehend in Frieden.
Dieser multikulturelle Hintergrund prägt selbstverständlich meine Wahrnehmung. Er hilft mir, interkulturellen Dialog nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern ganz praktisch zu leben. Aus dieser Perspektive ist unsere Region in vielerlei Hinsicht ein Vorzeigebeispiel dafür, wie Vielfalt gelingen kann.

Ich danke dir nochmals herzlich für das offene Gespräch und wünsche dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen in deiner neuen Rolle als Präsidentin der Jugend Europäischer Volksgruppen.

Anna Schulteisz

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