HauptnachrichtEine Verantwortung für die kommenden Generationen

Eine Verantwortung für die kommenden Generationen

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Die Móra-Ferenc-Grundschule in Wieselburg-Ungarisch-Altenburg/Mosonmagyaróvár veranstaltete dieses Jahr eine besondere Gedenkwoche. Das 50-jährige Bestehen der Schule und der 80. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen gaben Anlass zum gemeinsamen Gedenken. Schüler, Lehrer und geladene Gäste erinnerten gemeinsam an die Vergangenheit und die Traditionen der örtlichen deutschen Gemeinschaft. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, dass die jüngeren Generationen durch persönliche Erlebnisse, gemeinsame Arbeiten und Geschichten mehr über dieses traurige historische Ereignis erfahren.

Am ersten Tag der Gedenkwoche organisierten wir den Grete-Marcsik-Neuberger-Rezitationswettbewerb im stimmungsvollen Cselley-Haus. Zu der Veranstaltung kamen SchülerInnen aus der Stadt und aus den Nationalitätenschulen der umliegenden Orte. Die Kinder und die Jugendlichen erinnerten gemeinsam an die vor 100 Jahren geborenen Dichterin. Mehr als 50 SchülerInnen der Oberstufe trugen Gedichte aus dem Buch „Heidelieder“ von Grete Marcsik-Neuberger vor. Der schöne und feierliche Nachmittag erinnerte an das Lebenswerk von „Kretti néni“. Das Ziel des Programms war es, nicht nur an sie zu erinnern, sondern auch an die Vertreibung und das Erbe der deutschen Gemeinschaft in Wieselburg-Ungarisch-Altenburg.

Am zweiten Tag der Veranstaltungsreihe wurde ein Projekttag für die SchülerInnen der Schule organisiert. In der Aula entstand der „Baum der Erinnerung“, an dem die Kinder persönliche Gedanken, Botschaften und Erinnerungsbänder anbringen konnten. Damit zeigten sie ihren Respekt für die vertriebenen Menschen und ihre Familien. Museumspädagoginnen aus dem Museum von Totis/Tata hielten interaktive Workshops zum Thema. Die SchülerInnen der Oberstufe lernten durch Filmvorführungen und Gespräche die Geschichte der Ungarndeutschen sowie die Folgen der Vertreibung kennen. Die Kinder der Unterstufe konnten sich durch spielerische und kreative Aktivitäten sowie gemeinsames Basteln mit dem Thema auseinandersetzen. Besonders wichtig war es für uns, die tragischen historischen Ereignisse auch für die kleineren Kinder verständlich zu machen. Das Thema wurde mit Hilfe von Märchen, persönlichen Geschichten und kreativen Aufgaben aufgearbeitet.

Am dritten Tag der Gedenkwoche wurden die Programme mit einer Fachkonferenz und feierlichen Gedenkveranstaltungen fortgesetzt. Die Vormittagskonferenz fand in der Móra-Schule statt. Dazu wurden städtische Institutionen, Nationalitätenschulen aus der Region und deutsche Selbstverwaltungen eingeladen.  Szandra Holczinger und Mariann Molnár begrüßten die Gäste mit Harmonikamusik und Gesang. Dr. habil. Zsolt Vitári von der Universität Fünfkirchen/Pécs sprach über Migration, Flucht und Vertreibung in Europa und in Ungarn. Balázs Martinschich vom örtlichen Museum stellte unter dem Titel „Vertreibung 80“ die Geschichte der Deutschen in der Mosoner Heide/Mosoni-sík vor. 

Im Rahmen der Konferenz fanden auch interaktive Fachworkshops statt. Die Schauspielerin Szandra Holczinger stellte anhand ihrer Filmerfahrungen die Geschichte und das Schicksal der Ungarndeutschen vor. Csilla Haag und Klaudia Luntz berichteten über ihr zweisprachiges Märchenbuch „Der wunderbare Pfirsichkern”.  Christa Csernus zeigte den LehrerInnen, wie man das Thema Vertreibung sensibel im Unterricht behandeln kann.

Die Nachmittagsprogramme standen im Zeichen des Erinnerns und der Ehrung. Im Vorgarten der Móra-Schule wurde die zum 80. Jahrestag errichtete Gedenkstätte für die Vertreibung eingeweiht. Bei der Feier hielten Direktor Dr. Zoltán Makk, Gyöngyi Kocsis-Balassa, die Vorsitzende der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung von Wieselburg-Ungarisch-Altenburg, sowie Bürgermeister Miklós Szabó Festreden. Danach zogen die Gäste zur Rosalienkapelle. Dort erinnerte Robert Wild, der Leiter des westungarischen Regionalbüros der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), an die Ereignisse. Bei der Kranzniederlegung sang der Heideröslein-Gesangskreis. Das Programm wurde in der St.-Johannes-Nepomuk-Pfarrkirche von Wieselburg/Moson mit einer deutschsprachigen heiligen Messe zelebriert von Pfarradministrator Márk Ányos Mogyorósi fortgesetzt.

Zum Abschluss des Tages traten die SchülerInnen der Móra-Schule im Gemeinschaftshaus „Fehér Ló“ mit dem Programm „Die Hüter der Erinnerungen“ auf die Bühne. Die Festrede hielt LdU-Vorsitzende Ibolya Hock-Englender. In ihrer Rede sagte sie, dass die Erinnerung an die Vergangenheit nicht nur Respekt für die Vorfahren bedeute, sondern auch Verantwortung für die kommenden Generationen sei. Sie betonte, wie wichtig die lokalen Gemeinschaften, die Schulen und die Jugendlichen dafür seien, dass die Geschichte der Vertreibung und das kulturelle Erbe der Ungarndeutschen weiterleben.

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung wurde eine besondere Sandanimation über die Vertreibung gezeigt. Die Vorführung zeigte eindrucksvoll die Trennung der Familien, den Verlust der Heimat und die Bedeutung des Erinnerns. Am Ende des Tages erklang die Hymne der Ungarndeutschen, die einen würdigen und ergreifenden Abschluss des Gedenktages bildete.

An der Móra-Schule wird seit drei Jahrzehnten deutscher Nationalitätenunterricht angeboten, und die örtliche deutsche Nationalitätenselbstverwaltung ist seit fast zehn Jahren Trägerin der Einrichtung. Die Programme der Gedenkwoche bedeuteten daher nicht nur einen historischen Rückblick, sondern zeigten auch, dass die lokale deutsche Kultur und Identität bis heute ein lebendiger Teil des Gemeinschaftslebens von Wieselburg-Ungarisch-Altenburg ist.

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