Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie einen Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite
Die Theatergruppe Fröhliche Bohler der Bohler Grundschule hat dieses Jahr ein Theaterstück zum Thema Vertreibung mit dem Titel „Ende des Schweigens” zusammengestellt. Das Stück stellt durch Kinderaugen das Schicksal der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg vor, worüber die Großeltern lange aus Angst geschwiegen haben: Krieg, Hunger, Armut, Verschleppung zur Zwangsarbeit, Enteignung, und am Ende noch die Vertreibung… Ein ganz schweres Stück, das unsere Kinder mit Herz und Seele aufgeführt haben.

Es spielt auf verschiedenen Zeitebenen:
Ein Junge kommt von der Schule nach Hause und versucht, seine Hausaufgabe zu verstehen. Wörter, die ihm ganz fremd sind… Er entschließt sich, seine Oma darüber zu befragen, die zuerst nein sagt, aber am Ende doch alles ihrem Enkel erzählt.
Eine ungarndeutsche Familie wird bei ihrem Alltag gezeigt… Unerwartet kommt ein russischer Soldat und verkündet den staatlichen Befehl. Der Vater sieht die Liste im Kulturhaus und kommt danach schweigend nach Hause. Die Mutter weiß gleich, was jetzt kommt, und fängt an, schnell für alles zu sorgen, bäckt Brot, packt ein und schreibt einen Brief an ihren Sohn.
Die Familie wurde ganz auseinandergerissen. Der Mann und der ältere Sohn der Großmutter sind im Krieg und jetzt verliert sie auch noch ihren jüngsten Sohn, dessen Familie vertrieben wird. Sie haben einen Abend zum Packen und werden mit anderen Dorfbewohnern am nächsten Tag abgeholt. Am Morgen hat es geregnet. Die Wolken hingen tief und zogen schwer hinweg, man hätte glauben können, sie hätten Mitleid und würden die Menschen auch beweinen. Die Kirchenglocken haben wegen der Trauer geläutet. Niemand flüchtete, sie ergaben sich ihrem schweren Schicksal. Die Familien gingen hinter den vollgepackten Wagen. Sie sangen ihrer verlorenen Heimat einen letzten, herzergreifenden Gruß: die ungarische Hymne. Nicht nur denen hat es leidgetan, die auf der Liste waren, sondern auch denen, die zusehen mussten. „Oh, du mein stilles Tal, o du mein Heimatland, sehe ich dich doch nur ein einzigsmal!“
Der Weg nach Deutschland erfolgte in Viehwaggons und das neue Leben in einem fremden Land war auch nicht einfach: „Heimweh war unsere größte Krankheit, noch heute leiden wir darunter!”
Die Ungarndeutschen waren schon immer von ihrer Ausdauer und ihrem Glauben bekannt, die Großmutter bekommt ihren Sohn zurück, denn er kehrt aus dem Krieg mit einer Frau zurück, die in dem russischen Arbeitslager war: „Wunder geschehen, ich hab’s gesehen, wir dürfen nicht nur an das glauben, was wir sehen!” Das Leben geht weiter: „Bitte hör nicht auf zu träumen, an einer besseren Welt”
Im Stück werden auch Auszüge aus Werken bekannter ungarndeutscher Autoren zum Thema, aber auch Auszüge aus einem Tagebuch und Erzählungen von Zeitzeugen, die hier in der Umgebung von Bohl gewohnt hatten, eingesetzt. Das Stück beinhaltet auch Gedichte, die unsere Schüler zum Thema geschrieben haben.
Das Motto des Stückes ist:
„Was die Front opfert, das kann überhaupt durch nichts vergolten werden,
aber auch was die Heimat opfert, muss vor der Geschichte dereinst bestehen können!“
Das Theaterstück war am Anfang nur 15-minütig, wurde aber mit der Zeit in zwei Sprachen auf 50 Minuten ausgedehnt und enthält neben Text auch Live-Musik, Tanz und bekannte ungarndeutsche Volkslieder. Wir sind stolz auf die sieben Auftritte in der Gegend, aber auch auf nationalen und internationalen Theaterfestivals wie der Grundschultheatertag Anfang April in Schomberg/Somberek oder das Internationale deutschsprachige Theaterfestival Mitte Juni in Essegg/Eszék , wo immer unser größter Stolz die Tränen in den Augen der Zuschauer war. Ein ehrenreiches Gedenken an diese Zeit, deren Gefühle schwer mit Worten zu erklären ist.
Die Kinder nahmen mit Stolz daran teil und nach jedem Auftritt kamen die Zuschauer zu den Kindern, um dieGratulationen an sie selbst auszurichten.
Anita Müller




