HauptnachrichtAuf den Spuren des Krauts

Auf den Spuren des Krauts

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Neuer ungarndeutscher Lehrpfad macht das kulturelle Erbe,
die Geschichten und das kollektive Gedächtnis von Wetschesch erlebbar

Es gibt Orte, die durch ein Bauwerk, eine historische Persönlichkeit oder ein bedeutendes Ereignis bekannt werden. Der Name von Wetschesch jedoch wurde durch eine Spezialität weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt: das Sauerkraut. Über Jahrhunderte hinweg prägte die deutsche Gemeinschaft vor Ort jenes Wissen, aus dem nicht nur ein berühmtes Produkt, sondern auch eine eigene Lebensweise, Gemeinschaftskultur und Identität entstanden. Genau dieses Erbe – und noch viel mehr – soll der derzeit entstehende ungarndeutsche Lehrpfad in Wetschesch auf neue Weise erlebbar machen.

Mit Wetschesch wächst das Netzwerk der ungarndeutschen Lehrpfade um einen weiteren Standort – bereits den zwanzigsten. Auf Initiative der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Wetschesch, unter der Trägerschaft der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) und mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern entsteht ein neuer ungarndeutscher Lehrpfad. Ziel des Projekts ist es, das reiche deutsche Erbe, die Ortsgeschichte und die Traditionen der Gemeinde in zeitgemäßer und erlebnisorientierter Form sowohl Einheimischen als auch Besuchern zugänglich zu machen.

Der Themenweg mit dem Titel „Wetschesch: Kraut als Lebenskraft“ wird die Besucherinnen und Besucher an sieben Stationen durch Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde führen. Thematisiert werden unter anderem die Ansiedlungsgeschichte des Ortes, die prägenden Gebäude des historischen Dorfkerns, die Heilig-Kreuz-Kirche, das legendäre Gasthaus Kóbi, das Heimatmuseum, die Lehmgrube und der Friedhof sowie die Epres-Promenade. Die Stationen wurden nicht zufällig ausgewählt: Jede von ihnen erzählt einen Teil jener Geschichte, ohne die die Vergangenheit der Wetschescher Deutschen nicht vollständig verstanden werden kann.

Melinda Frühwirth-Halász, Vizevorsitzende und Monika Tófalvi, Vorsitzende der Donauschwãbischen Selbstverwaltung Wetschesch mit Projektleiterin Monika Gombár-Fazekas

Der Lehrpfad handelt jedoch nicht nur von Gebäuden und historischen Schauplätzen. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Menschen, die über Generationen hinweg die deutsche Sprache, die religiösen Traditionen, die örtlichen Bräuche und das Wissen rund um Landwirtschaft und Gartenbau bewahrt haben.

„Die Besonderheit dieses Lehrpfades liegt darin, dass er die bekannteste Tradition des Ortes – den Krautanbau und die Kultur der Sauerkrautherstellung – in den Mittelpunkt stellt“, betont Monika Gombár-Fazekas, Leiterin des örtlichen Projektteams. „Die Geschichte und Identität von Wetschesch sind eng mit dem Kraut verbunden. Über Generationen hinweg haben die deutschen Familien ihr Wissen über Anbau und Verarbeitung weitergegeben. Heute gehört dieses Erbe zu den bekanntesten Werten unserer Gemeinde.“

Die Informationstafeln werden zweisprachig – auf Deutsch und Ungarisch – gestaltet und zahlreiche interaktive Elemente enthalten. Über Aufgaben, Spiele und QR-Codes können Besucherinnen und Besucher die Geschichte der örtlichen Deutschen, ihre Volkslieder, religiösen Traditionen, Bräuche und gastronomischen Besonderheiten kennenlernen. Audiomaterialien, historische Fotografien, Zeitzeugenberichte und besondere Installationen werden dazu beitragen, dass die Vergangenheit nicht nur gelesen, sondern auch erlebt werden kann.

Melinda Frühwirth-Halász und Adrienn Hunya-Zehetmayer, Mitglieder der Donauschwäbischen Selbstverwaltung Wetschesch mit Monika Gombár-Fazekas

Die Initiative fügt sich nahtlos in die Ziele des landesweiten Lehrpfadprogramms ein, das die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen vor Jahren ins Leben gerufen hat. Mittlerweile machen die Lehrpfade an 19 Standorten die Geschichte, das kulturelle Erbe und die lokalen Werte der Ungarndeutschen sichtbar. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses, zur Stärkung der Identität und zur Förderung des Kulturtourismus.

Die Entstehung des Lehrpfades in Wetschesch ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil er die Geschichte einer Gemeinschaft erzählt, die ihre Traditionen nicht als Museumsobjekte bewahrt, sondern als lebendigen Teil ihres Alltags versteht. Die Krautfelder, die überlieferten Familienrezepte, die Volkslieder und die gemeinsam gefeierten Feste zeigen, dass die Werte der Vergangenheit bis heute fortleben.

Der Lehrpfad soll noch im Laufe dieses Jahres fertiggestellt werden. Damit wird Wetschesch Teil des landesweiten Netzwerks der ungarndeutschen Themenwege.

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