HauptnachrichtInteressenvertretung der Nationalitäten in neuen Regierungsstrukturen

Interessenvertretung der Nationalitäten in neuen Regierungsstrukturen

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Haushaltsänderung, neue Geschäftsstellenleitung,
bildungspolitische Entscheidungen und Parlamentsbericht
standen auf der Tagesordnung der LdU-Vollversammlung

Die Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) trat am 4. Juli zu ihrer turnusmäßigen Sitzung in der Zentrale der LdU in Budapest zusammen. Dabei fasste das höchste Entscheidungsgremium der Ungarndeutschen zahlreiche Beschlüsse zu aktuellen und zukunftsweisenden Fragen der Gemeinschaft. Die Abgeordneten verabschiedeten eine Änderung des diesjährigen Haushalts und der Geschäftsordnung, ernannten eine neue Geschäftsstellenleiterin, genehmigten die Schülerzahlen der Bildungseinrichtungen in Trägerschaft der Landesselbstverwaltung, nahmen die Tätigkeitsberichte der Geschäftsstelle, der Vorsitzenden und ihrer Stellvertreterin sowie des Parlamentssprechers an und entschieden über strategische Vorlagen zur Weiterentwicklung des Institutionensystems.

Zu Beginn der Sitzung verabschiedete die Vollversammlung die zweite Änderung des Haushaltsplans der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen für das Jahr 2026. Notwendig geworden war diese vor allem aufgrund zusätzlich eingeworbener Fördermittel, der Abrechnungen mit der Ungarischen Staatskasse sowie der Aktualisierung der Haushaltsansätze der einzelnen Einrichtungen. Von den zusätzlichen Mitteln profitieren unter anderem das Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen, das Friedrich Schiller Gymnasium und Schülerwohnheim in Werischwar, das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek, die Deutsche Bühne Ungarn sowie das Deutsche Nationalitätengymnasium in Budapest.

Die Delegierten beschlossen außerdem Änderungen der Geschäftsordnung der Landesselbstverwaltung. Anlass hierfür waren in erster Linie personelle Veränderungen: Nach seinem Amtsantritt als Parlamentssprecher der Ungarndeutschen legte Gregor Gallai sein Mandat in der Vollversammlung nieder; seine Nachfolge trat Erika Rierpl an.

Erika Rierpl

Eine weitreichende Entscheidung traf das Gremium auch im Bereich der Bildungsförderung. Sie verabschiedete die vollständig überarbeitete Ordnung des Stipendienprogramms für angehende Nationalitätenpädagogen, die zum 1. September in Kraft tritt. Das neue Regelwerk sorgt für mehr Transparenz, präzisiert Rechte und Pflichten der Stipendiaten sowie die Studien- und Beschäftigungsbedingungen und schafft einen einheitlichen Rahmen für die Durchführung des Programms sowie für die Zusammenarbeit mit den anderen Landesselbstverwaltungen.

Auch in einer Personalfrage fiel eine wichtige Entscheidung: Zur neuen Leiterin der Geschäftsstelle der LdU wurde die bisherige stellvertretende Leiterin Dr. Agnes Sudár ernannt. Nach der fachlichen Bewertung überzeugte ihr Konzept durch einen umfassenderen und moderneren Entwicklungsansatz, der insbesondere die rechtssichere Verwaltung, die Digitalisierung, das Qualitätsmanagement, die Personalentwicklung und die langfristige finanzielle Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt.

Zur neuen Leiterin der Geschäftsstelle der LdU wurde die bisherige stellvertretende Leiterin Dr. Agnes Sudár ernannt

Die Vollversammlung genehmigte darüber hinaus die Schülerzahlen der drei LdU-Bildungseinrichtungen für das Schuljahr 2026/2027. Damit sind die organisatorischen Voraussetzungen für einen reibungslosen Schulbetrieb am Friedrich-Schiller-Gymnasium, am Deutschen Nationalitätengymnasium sowie am Valeria-Koch-Bildungszentrum gesichert. 

Anschließend nahm die Vollversammlung den Jahresbericht der Geschäftsstelle der LdU für das Jahr 2025 an. Der Bericht dokumentierte ausführlich die finanzielle, rechtliche und organisatorische Arbeit des Amtes, die Durchführung landesweiter Bildungs- und Kulturprogramme, Investitionsmaßnahmen sowie die Vorbereitung von Förderprojekten und Wahlen. Ein eigenes Kapitel widmete sich der Arbeit der Regionalbüros, die weiterhin eine zentrale Rolle bei der fachlichen Unterstützung der örtlichen deutschen Selbstverwaltungen, der zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie bei der Organisation des kulturellen Lebens spielen.

Ibolya Hock-Englender, Olivia Schubert und László Schindler

Ebenfalls angenommen wurde der Tätigkeitsbericht der Vorsitzenden und ihrer hauptamtlichen Stellvertretenden über die vergangenen zwei Monate. Daraus ging hervor, dass die Umsetzung des Stipendienprogramms, die Vorbereitung ungarischer und deutscher Förderprogramme, die Planung der Projekte für 2027 sowie zahlreiche Kommunikations-, Jugend- und Kulturprojekte konsequent fortgeführt wurden. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Umsetzung der Bildungsstrategie, die Begleitung laufender Investitionen sowie der Ausbau nationaler und internationaler Kontakte.

Zum Abschluss nahm die Vollversammlung den schriftlichen Bericht von Gregor Gallai, dem Parlamentssprecher der Ungarndeutschen, entgegen. Darin zog er Bilanz seiner ersten Monate im Hohen Haus sowie seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Ausschusses der Nationalitäten Ungarns. Er berichtete unter anderem, dass es gelungen sei, die Pflege der Nationalitätenkulturen und -sprachen ausdrücklich als Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medien gesetzlich zu verankern. Darüber hinaus informierte er über die neue Einordnung der Nationalitätenpolitik innerhalb der Regierungsstruktur. Die Zuständigkeit liegt nun beim Ministerium für Kultur und Innovation, wo Minister Zoltán Tarr, Staatssekretär Dr. György Heidl und der stellvertretende Staatssekretär György Rágyanszki die Verantwortung für diesen Bereich tragen. Gallai betonte zugleich, dass Fragen der Nationalitätenbildung und des institutionellen Systems auch langfristig eng mit der Bildungspolitik und weiteren fachpolitischen Bereichen verzahnt bleiben sollten.

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